Football@home "As drunk as a lord"

Blöde Situation. Da will man im Mutterland des Fußballs fachsimpeln und es fehlen einem die Vokabeln. Kein Problem, SPIEGEL ONLINE hilft. Wir sagen Ihnen, was Sie wissen müssen, um mitreden zu können.

Von Adrian Schimpf, Guildford


"Drunk lads": Einige nette Kerle bei der Arbeit
DDP

"Drunk lads": Einige nette Kerle bei der Arbeit

A wie "above"

Beim Präpositionenraten kann man eigentlich nur verlieren. Leicht lassen sich "of", "in", "at", "on" oder "with" verwechseln. Kleiner Test? Wie heißt es, wenn man sagen will, dass West Ham mit einem Punkt Vorspung einen Platz vor den Bolton Wanderes in der Tabelle steht? Laut "The Guardian" ist "above" richtig: "West Ham is one point and one position above Bolton."

C wie "camel"

Manchmal ist es nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt - oder eben der letzte Strohhalm, der dem Kamel den Rücken bricht und damit zur Entlassung des Trainers führt. "The straw that broke the camel's back." Das kann einen leicht auf 180 bringen und lässt das Blut kochen: "It makes my blood boil." Besonders schön und sehr englisch ist die Redensart, nach der Probleme erst dann gelöst werden (müssen), wenn sie auftreten: "We will cross the bridge, when we come to it." Aufpassen muss man allerdings schon, sonst ergeht es einem so wie dem ausländischen Filmregisseur, der, auf mögliche Probleme mit den Diven und Stars angesprochen, sagte: "When we come to the bridge, we will burn it."

D wie "decent"

Das universell einsetzbare, sehr sophisticated and good natured ("anspruchsvoll und klug") klingende Wort, wenn Sie endlich mal etwas anderes als "very good" sagen wollen. Ein "decent save" ist eine ordentliche Parade des Keepers, "decent weather" meint einen halbwegs regenfreien Tag. Und ein "decent striker" ist alles andere als ein zurückhaltender Angreifer, sondern vielmehr ein toller Stürmer.

ZUR PERSON
Adrian Schimpf ist Rechtsanwalt und unterrichtet an der University of Surrey in Guildford/England als Hochschullektor des DAAD deutsches Recht. Zuvor war der 34-Jährige für die "Hamburger Morgenpost", die "Sächsische Zeitung" und die "Financial Times Deutschland" tätig. In seiner wöchentlichen Kolumne "Football@home" widmet sich der gebürtige Berliner dem Fußballgeschehen auf der Insel.
D wie "dosh"

Ohne "dosh" geht heute nichts mehr im Profifußball, denn "dosh" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für Geld, also "Zaster", "Mäuse", "Kohle", "Moos" oder auch "Knete". Synonyme fur "dosh" wären übrigens "ackers", "bread", "dibs", "dough", "lolly", "rhino" oder "tin". Wenn die Clubs kein bread mehr haben, dann sind sie nicht hungrig, sondern broke oder bankrupt, also pleite. "Pleite gehen" heißt übrigens auch "to go bust". Was kein Wunder wäre bei diesem ruinösen Wettbewerb, der "cut throat competition".

D wie "drunk"

"As drunk as a lord" bedeutet so viel wie "voll wie eine Strandhaubitze" und in diesen Zustand versetzen sich britische Hardcore-Fans häufig - aus Frust über Niederlagen oder Freude über Siege. Ein Grund findet sich immer. Die Trinkerei muss allerdings schnell vonstatten gehen, denn noch läuten die Pubs um kurz vor elf Uhr abends die "last orders" ein. Das restriktive Ausschankgesetz soll nach dem Willen der Labour-Regierung bald fallen, dann könnten sich die Briten rund um die Uhr betrinken. Diese Vorstellung lässt einen erschaudern. Denn es muss schon einen Grund haben, dass es so viele Worte für "betrunken" gibt: zum Beispiel "boozed", "hammered" oder "pissed", um nur einige Wenige zu nennen. Mit "booze cruise" ist übrigens meist der Tagestrip nach Frankreich gemeint, um dort Liter billigen Weins und Schnapses sowie palettenweise Bier über den Ärmelkanal nach Hause zu schaffen.

F wie "feint"

Die Finte oder Körpertäuschung. Und der "feinted" Gegenspieler bleibt oft "flummoxed" zurück, also verblüfft und verwirrt.

F wie "fluke"

Der Zufallstreffer. Angeblich soll Ronaldinhos Freistoß 2002 beim WM-Viertelfinale zwischen Brasilien gegen England (2:1) ein "fluke" gewesen sein, also ein nicht beabsichtiges Tor. Ganz woanders habe er hingezielt, soll der Südamerikaner in der Kabine seinen Kollegen gesagt haben. Selbst wenn: Englands Torwart David Seaman sah alles andere als glücklich bei dem Schuss aus. Als habe er zwei linke Hände. Oder, wie Engländer sagen, nur Daumen als Finger: "His fingers are all thumbs."

Fluke oder Segen: Der englische Nationalkeeper David Seaman musste sich Ronaldinhos Freistoß geschlagen geben
REUTERS

Fluke oder Segen: Der englische Nationalkeeper David Seaman musste sich Ronaldinhos Freistoß geschlagen geben

G wie "gutless"

Feige wie die Abwehr von Leeds United jüngst bei einem Auswärtsspiel: "They defended gutlessly and attacked with equal measures of incoherence and incompetence." Merke: erstens das "-ly" beim Adverb nicht vergessen. Zweitens ist incoherence ein in der deutschen Form ("Inkohärenz") schön gebildet klingendes Wort für Planlosigkeit oder Gedankenverlorenheit.

H wie "hamstring"

Laut der in großer Anzahl befragten Lexika ist "hamstring" die Kniesehne beim Affen oder Menschen, jedoch die Achillessehne beim Vierbeiner. Beim Menschen hingegen heißt die Achillessehne korrekterweise "achilles tendon". Hoffen wir also, dass auch in den Sportredaktionen dieser feine Unterschied der Medizin- und Veterinärwissenschaft bekannt ist.

H wie "header"

Ja, richtig, Kopfball. Aber nicht immer. So zum Beispiel in diesem Satz: "Emile Heskey was named in Eriksson's squad for the double-header with Liechtenstein and Turkey." Der arme Heskey sollte aber keinen doppelten Kopfball erzielen, sondern er war schlicht im Aufgebot für zwei aufeinanderfolgende Länderspiele.

L wie "lad"

Oder auch "laddie". Heißt ungefähr dasselbe wie "bloke" oder "guy", nämlich Kerl. Und jeder Fußballer ist erst einmal ein lad oder bloke. Wenn aus dem Kerl ein guter Kumpel wird, ist er ein "mate", ein "buddy" oder "pal". Während man mit seinen buddies und mates und auch einem nice guy gerne einen Trinken geht, sind einem "suits" - Anzugträger - eher suspekt.



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