Football Leaks Massive Vorwürfe gegen Rui Pinto

Die Generalstaatsanwaltschaft Lissabon bezichtigt den führenden Kopf der Enthüllungsplattform Football Leaks des Datendiebstahls. Pintos Anwälte sehen darin den Versuch, einen Whistleblower zum Schweigen zu bringen.

Rui Pinto wurde in Budapest verhaftet und an Portugal ausgeliefert
Ferenc Isza/AFP

Rui Pinto wurde in Budapest verhaftet und an Portugal ausgeliefert

Von , Nicola Naber und


Die Generalstaatsanwaltschaft in Lissabon hat Anklage gegen den Football-Leaks-Informanten Rui Pinto erhoben. In ihrer fast 200 Seiten umfassenden Anklageschrift werfen die Ermittler dem 30-jährigen Portugiesen Straftaten in 147 Fällen vor. Diese beinhalten unter anderem den Vorwurf der versuchten Erpressung, des illegalen Zugangs zu vertraulichen Daten sowie die Verletzung des Briefgeheimnisses.

Demnach soll Pinto sich nicht nur in die Computersysteme zahlreicher internationaler Fußballklubs, Verbände, Spielerberateragenturen und Anwaltskanzleien gehackt haben, sondern sich auch illegal Zugriff zu hochsensiblen Daten von Strafverfolgern und Behörden in seinem Heimatland verschafft haben. Laut der Anklageschrift soll Pinto insgesamt 307-mal in das Computersystem der Generalstaatsanwaltschaft eingedrungen sein. Zudem wird er beschuldigt, Mails des früheren Leiters der Ermittlungseinheit DCIAP gehackt zu haben, die das Verfahren gegen ihn führt. Pinto hat auf Anfrage des SPIEGEL immer bestritten, ein Hacker zu sein.

Auslieferung von Ungarn nach Portugal

Der ehemalige Student der Geschichtswissenschaft sitzt seit Mitte März in Lissabon, isoliert von anderen Mithäftlingen, in einer Polizeistation in Untersuchungshaft. Im Januar war Pinto auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls in Budapest verhaftet worden und stand dort zwei Monate lang unter Hausarrest, ehe ein ungarisches Gericht seiner Auslieferung nach Portugal zustimmte. Ausgangspunkt seiner Festnahme war ein Strafermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lissabon wegen des Verdachts der versuchten Erpressung und des Datendiebstahls in zwei Fällen.

Rui Pinto hat diese beiden Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Die zahlreichen neuen Vorwürfe, die die portugiesischen Strafverfolger ihm in der Anklageschrift nun machen, bezeichnen Pintos Anwälte William Bourdon und Francisco Teixeira da Mota als "Bestätigung für den Willen der Staatsanwaltschaft, Rui Pinto zum Schweigen zu bringen und zu zerstören" sowie seine "Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden anderer Länder zu verhindern". Nach ihrer Darstellung enthält die Anklage "zahlreiche Lügen" und "Nichtigkeiten". Anstatt die kriminellen Machenschaften in der Welt des Fußballs strafrechtlich zu verfolgen, so Pintos Anwälte, sei der Staatsanwaltschaft mehr daran gelegen, "jene zu verfolgen, die Verbrechen anzeigen, als jene, die Verbrechen begehen".

26 Terabyte Datenträger

Unmittelbar vor seiner Verhaftung war Rui Pinto in engem Austausch mit der französischen Strafverfolgungsbehörde Parquet National Financier gestanden, die den Portugiesen in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen und sein Insiderwissen für ihre Ermittlungsarbeit nutzen wollte. Die Fahnder aus Frankreich sind mittlerweile im Besitz von Pintos Datenträgern, die bei seiner Verhaftung Anfang des Jahres in Budapest konfisziert worden waren. Das Volumen dieser Festplatten umfasst 26 Terabyte.

Rui Pinto ist der Whistleblower, der dem SPIEGEL seit mehr als drei Jahren über 70 Millionen vertraulicher Dokumente aus der Fußballbranche zugespielt hat, eine Datenmenge von etwa 3,4 Terabyte. Der SPIEGEL hat mit seinen Partnern des Recherchenetzwerkes European Investigative Collaborations seither mehr als 800 Artikel auf der Grundlage des Football-Leaks-Datensatzes publiziert. Zahlreiche dieser Enthüllungen führten für Beteiligte zu strafrechtlichen, sportrechtlichen oder verbandsrechtlichen Konsequenzen. So wurde beispielsweise Cristiano Ronaldo nach Football-Leaks-Enthüllungen in Spanien wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von knapp 19 Millionen Euro und einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Haftprüfungstermin in den kommenden Tagen

Offen ist derzeit, ob Pinto nach Erhebung der Anklage weiter in vorläufigem Gewahrsam bleiben muss. Die Staatsanwaltschaft hat eine Verlängerung seiner Untersuchungshaft beantragt, ein Haftprüfungstermin soll in den kommenden Tagen stattfinden. Ob und wann es einen Prozess gegen Pinto geben wird, hängt von den Richtern ab, welche die Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft zulassen müssen.

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26.08.2019, 17:13 Uhr
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Verlag:
Deutsche Verlags-Anstalt
Seiten:
576
Preis:
EUR 20,00


insgesamt 4 Beiträge
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xismus 21.09.2019
1. Football Leaks - Whistleblower Rui Pinto
Die Bestätigung einer alten Erkenntnis: Die Kleinen hängt man und die Großen läßt man laufen. Bereits aus der Antike, oder auch bei Shakespeare, wird berichtet, dass der Überbringer der schlechten Botschaft bestraft wird. Das Recht bleibt immer auf der Seite des Stärkeren, es wird so lange dahin gebogen, bis es auf dieser Seite steht. Das passiert nicht in einer "Bananenrepublik", sondern in Europa - der EU mit alle ihren "WERTEN", bei Aufdeckung eines Skandals. Zur Deckung und Vertuschung wird derjenige der den Skandal öffentlich macht, verfolgt, gedemütigt und bestraft.
sylvie.zbinden 21.09.2019
2. xismus
Genau so ist es! Dabei streichen die korrupten FIFA und UEFA "Funktionäre" sehr viel Geld von Abu Dhabi und Qatar ein, damit Clubs wie ManCity und der PSG, die gegen zahlreiche Regeln verstossen, gar nicht oder mit einen lächerlichen Geldbetrag den die Ölprinzen aus der Portokassen zahlen, bestraft werden. Und das ist nur ein Beispiel von vielen!
Dr. Clix 21.09.2019
3. Es sind dock night nur Fussballdokumente.
Gerade hier in Portugal sind die Verzwickungen mit Politik und Bankenskandalen zu sehen. Dass Pinto hier verknackt wird ist doch klar. Der Premierminister Jose Socrates musste hinter Gittern, viele andere nicht.
meresi 21.09.2019
4. Free Pinto
nuff said
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