Reaktionen auf Football-Leaks-Enthüllungen "Nie mehr Deutscher Meister? - Nie mehr ehrliche Titel"

Der FC Bayern will von "neuerlichen Plänen" zu einer Super League nichts wissen, Manchester City und die Fifa beklagen Rufschädigung und gezielte Angriffe. Erste Reaktionen auf die Enthüllungen des SPIEGEL. Auch von Fans.

Bayern-Jurist, Michael Gerlinger, (r.), Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke
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Bayern-Jurist, Michael Gerlinger, (r.), Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke


Monatelang hat ein Geheimbund um den FC Bayern München an einer privaten Eliteliga gearbeitet. In einem Papier, das Real Madrid von einem Investor zugeschickt wurde, wird der FC Bayern als einer der "Gründer" für eine solche Super League genannt, Borussia Dortmund ist als einer der "Anfänglichen Gäste" vorgesehen.

(Lesen Sie hier die ganze Geschichte auf SPIEGEL+: FC Bayern prüfte Ausstieg aus Bundesliga und Champions League)

Die Reaktionen:

FC Bayern München: In einer ersten Stellungnahme teilte der Verein mit: "Neuerliche Pläne für eine sogenannte Super League sind dem FC Bayern weder bekannt, noch hat der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen." "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga, und solange ich Vorstandvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Klub-Wettbewerben", wird Karl-Heinz Rummenigge zitiert. Am Samstag sagte Rummenigge dem TV-Sender Sky: "Ich bin über die Berichterstattung irritiert. Es ist seit Langem bekannt, dass mehrere europäische Klubs eine Anfrage zur Super League hatten. Fakt ist, dass kein europäischer Klub sich dem Thema Super League jemals genähert hat." Es sei normal, "dass man sich damit juristisch auseinandersetzt. Ich sehe daran überhaupt keinen Skandal. Wenn so eine Anfrage kommt, ist es meine Aufgabe, diese zu prüfen und am Ende intern darüber zu diskutieren. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert. (..) Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga und analog auch zu den UEFA-Wettbewerben. Das haben wir nie infrage gestellt."

Im Stadion hingen FC-Bayern-Fans beim Heimspiel gegen Freiburg Transparente auf, auf denen es hieß: "Wir stehen zur Bundesliga - Superliga ohne uns" und "Nie mehr Deutscher Meister? - Nie mehr ehrliche Titel"

Getty Images

Borussia Dortmund: "Natürlich musst du als Borussia Dortmund, und das ist ja bei Bayern München das Gleiche, immer gucken, dass du am Puls der Zeit bleibst, das ist klar", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf die Frage, wie er zu einer Superliga stehe. "Auf der anderen Seite ist aber auch klar, und das habe ich auch deutlich gesagt: Dass Borussia Dortmund für irgendeinen Wettbewerb dieses Planeten die Bundesliga verlassen könnte, ist total und vollkommen ausgeschlossen. Die Bundesliga ist mittlerweile ein Stück deutsches Kulturgut, und das verlässt du als deutscher Verein nicht."

Die Football-Leaks-Dokumente offenbarten außerdem: Systematisch haben Klubs wie Manchester City und Paris Saint-Germain die Financial-Fair-Play-Regeln gebrochen. Der damalige Uefa-Generalsekretär und heutige Präsident des Weltverbandes Fifa, Gianni Infantino, ließ die Klubs praktisch unbehelligt davonkommen.

(Lesen Sie hier die ganze Geschichte auf SPIEGEL+: Der Pakt mit den Scheichs)

Die Reaktionen:

Manchester City: "Wir werden keinen Kommentar zu zusammenhanglosen Dokumenten abgeben, die angeblich von der City Football Group und den Mitarbeitern von Manchester City und den dazugehörigen Personen gestohlen wurden", teilte der englische Premier-League-Klub. "Der Versuch, den Ruf des Klubs zu schädigen, ist organisiert und deutlich."

Paris St-Germain: "PSG hat sich stets an die Gesetze und Bestimmungen der Sportinstitutionen gehalten", erklärte der Verein. "Der Klub hat stets alle geltenden Gesetze und Bestimmungen strikt eingehalten und bestreitet die (...) veröffentlichten Behauptungen strikt. Seit der Einführung von Financial Fair Play (FFP) ist PSG einer der am meisten geprüften und untersuchten Klubs der Geschichte. Neben den eigenen Prüfern, KPMG und dann PWC, hat der Klub in mehrere von den Fußballbehörden beauftragte Rechnungsprüfer empfangen. In den vergangenen sieben Jahren haben diese Prüfer stets von umfassenden Informationen über die Konten und Verträge des Klubs profitiert." Klubdirektor Jean-Claude Blanc sagte laut ESPN zudem, der Financial-Fair-Play-Plan der Uefa sei "schrittweise geändert" worden, um ein "gut organisiertes Kartell von Klubs" zu erhalten. Später sagte Blanc dem TV-Sender Canal +: "Nein, wir haben keine Angst, nach den Enthüllungen aus der Champions League ausgeschlossen zu werden. (…) Wir sind gelassen - wir waren immer transparent."

Europäischer Fußballverband Uefa: Die Uefa erklärte, dass die Organisation und ihre Regeln des Financial Fair Play dazu da seien, "die Klubs dabei zu unterstützen, finanziell nachhaltig zu werden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu leben, und sie nur als letztes Mittel sanktionieren". Zu den wichtigsten Zielen zähle es sicherzustellen, dass "der europäische Klubfußball (insgesamt) tragfähig ist". Die UEFA fügte hinzu, dass die Regeln des Financial Fair Play relativ neu seien und dass die Entscheidungen und Sanktionen in den ersten Fällen sowohl die Uefa als auch die Klubs in Neuland gebracht hätten. "Die UEFA ist zuversichtlich, dass jegliche offensichtliche Ungereimtheiten, die einigen offensichtlich erscheinen mögen, beseitigt wurden, da sich das System entwickelt hat und allen Seiten vertrauter geworden ist."

Fifa-Präsident Gianni Infantino: In einer Stellungnahme des Weltverbandes, in der die Fifa klarstellt, dass die Berichterstattung ihrer Ansicht nach einzig zum Ziel habe, "die neue Führung der Fifa und insbesondere den Präsidenten Gianni Infantino und die Generalsekretärin Fatma Samoura zu untergraben", wird Infantino wie folgt zitiert: "Es ist immer eine Herausforderung, die Dinge zu ändern, voranzukommen und die Menschen zusammenzubringen, um die Dinge besser zu machen. Und, da wir die Reformen bei der Fifa konsequent umsetzen, war mir immer klar, dass ich auf starken Widerstand stoßen würde, vor allem von denen, die nicht mehr schamlos von dem System profitieren können, zu dem sie gehörten. Aber deshalb wurde ich gewählt, und für mich gibt es nur einen einzigen Fokus: den Fußball weltweit zu verbessern und zu entwickeln. Und heute bin ich mehr denn je engagiert und entschlossen, diese Aufgabe weiterhin zu erfüllen."

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capote 03.11.2018
1. Geschäft
Mich interessiert Fussball nicht die Bohne, ich weiss gerade noch, dass Jogi Löw Bundestrainer ist und es einen Fussballspieler Mario Götze gibt, der gesundheitliche Probleme hatte und dass Bayern München als Chef Uli Hoeness hat, ENDE ! Egal wie superkorrupt dieses ganze Showbuisiness ist, Millionen deutscher Männer würde am Week-End was fehlen ohne Fussball im Fernsehen, genau so, wie Millionen Andere Volksmusik brauchen und daran wird sich auch nichts ändern, egal mit welchen "Enthüllungen" der SPIEGEL aufwartet. Diejenigen, die das Geld einsacken mit der Blödheit der Massen, werden sich einen Ast lachen über die Dummheit der Massen.
poitierstours 03.11.2018
2. Haltung der Bayernspieler?
Haben und zeigen die Spieler des FC Bayern München zu diesem Thema eine Haltung oder drücken sie sich mit der Begründung, sie seien nur schlichte Arbeitnehmer?
aurichter 03.11.2018
3. Die Erklärung
von Infantino sagt genug aus, um zu erkennen, dass man sich über alte und relativ gefestigte Strukturen im Fußball nur noch lustig macht. Was an diesen relativ transparenten Strukturen jetzt unter seiner Ägide und nach seinem (raffgierigen) Verhalten nun schamlos sein soll, dies erschließt sich keinem der den Fußball liebt und nicht nur ein permanent wachsendes Bankkonto sieht. Welche Ausmaßes dies annimmt, dies zeigen uns Kriminelle wie Ronaldo, Messi, Mourinho, Neymar usw usw usw. Darum ist es längst überfällig, dass diese schamlosen, skrupellosen Machenschaften endlich restlos aufgeklärt werden. Man wünscht sich im Anblick dieses Sumpfes einmal Anwälte und Vorgehensweisen wie in den USA, die derartige kriminell und im Verborgenen von Helfern und Helfershelfern durchgeführten Machenschaften vor den Kadi bringen und an die Öffentlichkeit. Sowohl FIFA, wie auch UEFA sollten rigoros Entkernt werden, den diese Seilschaften über Infantino, Platini, Schleichstaaten und skrupellose Vereinsverantwortliche gehören an den Pranger. Wir sehen die Aussage der Scheichsprecher bei ManCity! Hoffentlich geht denen der Arsch auf Grundeis und die Landesverbände reagieren entsprechend. Wenn der DFB hier nicht eindeutig Stellung bezieht und nur wieder Wischiwaschi abliefert, dann kann man für nichts mehr garantieren bei Protesten aus der Fan-Szene. Hoffentlich bleibt der Protest in München dazu nicht nur ein Strohfeuer, was zu befürchten ist. Was von der Aussage eines Watzke zu halten ist, das wird man sehen, noch weitere Faux pas kann auch der Mann sich nicht erlauben.
pjotrmorgen 03.11.2018
4. Nur der böse, kapitalistische FC Bayern will in die Super League
So stellt es der SPIEGEL dar. Dass der gute Arbeiter- und Pöhlerverein BVB Dortmund aber doch als "Gast" dabei sein soll oder will, wird völlig unterschlagen. Es wird nur erwähnt, dass der ehrliche Herr Watzke die Entwicklungen "verfolgt", aber sein Verein niemals die Bundesliga verlassen würde. Diese Berichterstattung und die Angaben von Herrn Watzke sind völlig inkonsistent. Es wäre angebracht, die Darstellung mit den entsprechenden Details zu versehen, dass klar wird wie Dortmund "Gast" in der Super League sein könnte, ohne die Bundesliga zu verlassen. Mir können Sie nicht weis machen, dass die Dortmunder da mitverhandelt haben und nur sozusagen in den Medien verfolgt haben, was die Großen Verein planen. Herr Watzke weiß vermutlich viel mehr als er sagt und der SPIEGEL berichtet wie üblich in seinem Anti-FCB-Modus.
touchtone 03.11.2018
5. mit unabsteigbaren
was für ein schrott, wenn ca 10 clubs gar nicht absteigen können. Ich denke man muss den Amis nicht alles nachmachen ...
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