Football Leaks Ronaldos fragwürdiger Konter

Cristiano Ronaldo geht zum Gegenangriff über: Die Berateragentur des Stürmers hat eine Aufstellung seiner Vermögenswerte veröffentlicht. Die entlastet den Portugiesen in den Enthüllungen um Steuertricksereien jedoch nicht.
Real-Star Ronaldo

Real-Star Ronaldo

Foto: JAVIER SORIANO/ AFP

Eine Woche war vergangen, seit der SPIEGEL und elf Medienhäuser die Steuertricksereien des portugiesischen Fußballers Cristiano Ronaldo enthüllt hatten. An diesem Freitag ließ der unter Druck geratene Superstar nun eine Nebelkerze werfen, und der Rauch reichte bis nach Deutschland. Gestifute, die Firma seines Beraters Jorge Mendes, veröffentlichte eine Aufstellung von Ronaldos Vermögenswerten. Daraus ergab sich die Zahl 227 Millionen Euro, und sie verfehlte auch in deutschen Medien nicht ihre Wirkung.

Foto: Gestifute

Presseagenturen meldeten, Ronaldo habe im Jahr 2015 eben diese Summe verdient und den Steuerbehörden offenbart. Vielfach wurde die Meldung in Zeitungen und Onlineformaten zitiert, es entstand der Eindruck, Ronaldo habe sein Einkommen immer ordentlich angegeben. Dabei hat das Papier mit seinem Einkommen nichts zu tun. Bei den 227 Millionen handelte es sich um sein Vermögen. Also das, was Ronaldo 2015 besaß. Das ergibt sich schon daraus, dass er im Jahr bei Real Madrid 38 Millionen Euro verdient. Weitere 189 Millionen mit Werbung pro Jahr zu verdienen, das schafft nicht mal der große Ronaldo.

Darum geht es bei Football Leaks

Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

Genausogut hätte er also auch Fotos von seinen Luxusautos ins Netz stellen lassen können. Über sein Einkommen sagte das Papier dagegen nichts, über die Steuern, die er auf sein Einkommen gezahlt hatte, auch nicht. Und über die rund 150 Millionen Euro Werbegelder, die über die British Virgin Islands geschleust wurden, erst recht nichts. So hat das nun auch die spanische Zeitung "El Mundo" beschrieben, die mit dem SPIEGEL und seinen Partnern vom Journalistennetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) die Steuerpraktiken des Stars enthüllt hat.

Die spanische Zeitung berichtet von dem "Modell 720", das besagt, dass in Spanien wohnhafte Bürger über ihre Vermögenswerte im Ausland Auskunft erteilen müssen. Diese umfassen alle Bankkonten, Wertpapiere sowie Immobilien. Zwar habe die Firma des Ronaldo-Beraters Mendes Ronaldos Vermögenswerte veröffentlicht, es handle sich dabei aber um ein rein informatives Dokument, so José María Mollinedo, Generalsekretär der Steuerexperten des spanischen Finanzministeriums (Gestha).

"Es sagt nichts darüber aus, wie Ronaldos Vermögen entstanden ist oder wo das Einkommen, das dem Vermögen zugrunde liegt, versteuert worden ist", so Mollinedo. Auch der spanische Steuerrechtsprofessor Esau Alarcón bestätigt, dass das veröffentlichte Dokument kein Beleg dafür sei, dass Steuern korrekt gezahlt worden sind. Zudem bedeute eine solche Aufstellung von Vermögenswerten nicht, dass man nicht gleichzeitig Gegenstand einer Steuerprüfung sein könne, so Alarcón.

Dafür spricht auch, dass Ronaldos Berater keinerlei Auskünfte zu den Einkünften in den Jahren 2011 bis 2013 gemacht haben. Ronaldos Steuererklärung wird von den spanischen Steuerbehörden derzeit wohl genauer untersucht. Bis heute hat der portugiesische Superstar dem Ergebnis der EIC-Recherche, dass er auf die rund 150 Millionen Euro kaum Steuern gezahlt hat, nicht widersprochen.

Gestifute erklärte, Ronaldo wolle zu dem Fall jetzt nichts mehr sagen.