Football Leaks Ungarn bestätigt Auslieferung von Whistleblower Pinto an Portugal

Der Mann hinter der Enthüllungsplattform Football Leaks, Rui Pinto, wird in seine Heimat Portugal ausgeliefert - sein Berufungsantrag ist abgelehnt worden. Pinto wird "die unzulässige Verbreitung von Daten" vorgeworfen.

Rui Pinto (Mitte)
AFP

Rui Pinto (Mitte)


Ungarn wird den durch die "Football Leaks" bekannten Whistleblower Rui Pinto in sein Heimatland Portugal überführen. Das Berufungsgericht in Budapest hat das entsprechende Auslieferungsurteil des Städtischen Gerichts in Budapest von Anfang des Monats bestätigt. Pinto ist der Kopf hinter der Plattform Football Leaks, die mit ihren Enthüllungen seit 2015 für Aufsehen im Weltfußball gesorgt hat.

Wann Pinto ausgeliefert wird, ist noch unklar. Zunächst wird er als Zeuge von belgischen Ermittlern vernommen. Diese hoffen, in Pintos Daten weitere Belege für Korruption, Steuerhinterziehungen und gemeinschaftlichen Betrug im belgischen Spitzenfußball zu finden. Pinto soll nach dem Gespräch mit den Belgiern überführt werden. In Portugal wollen unter anderem die französischen Behörden auf Pintos Daten zugreifen. Noch haben die Portugiesen einer solchen Zusammenarbeit aber nicht zugestimmt.

Der Portugiese war Mitte Januar in Budapest verhaftet worden. Dabei waren bei ihm auch zehn Festplatten sichergestellt worden. Einen Großteil der darauf befindlichen Daten habe er bislang nicht mit den Medien geteilt, hatte Pinto wenig später im Gespräch mit dem SPIEGEL erklärt. Das Berufungsgericht bestätigte auch die Überstellung der beschlagnahmten Daten an die portugiesischen Behörden.

Pinto weist Anschuldigungen von sich

Bei den Daten handele es sich um vertrauliche Dokumente aus der internationalen Fußballbranche und dem Offshore-Bankenwesen. Laut portugiesischer Polizei wird Pinto unter anderem "der unzulässigen Aneignung und Verbreitung von Daten sowie der versuchten Erpressung" verdächtigt. Diese Vorwürfe wies Pinto zurück. "Ich bin kein Hacker", sagte Pinto: "Am Ende geht es darum, dass Whistleblower Vorgänge offenlegen, die der Gesellschaft sonst verborgen blieben: Verbrechen, Missstände, Fehlverhalten."

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Bei den Ermittlungen der Behörden in Portugal geht es weniger um Football Leaks als um Infolecks, die über den TV-Kanal des FC Porto und in Blogs veröffentlicht wurden. Diese Infolecks führten zu Ermittlungen gegen den Rekordmeister Benfica Lissabon, der Schiedsrichter und Spiele gekauft haben soll. Wegen der Infolecks erstattete Benfica Anzeige gegen den FC Porto.

Der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) veröffentlichen seit mehr als zwei Jahren Recherchen, die auch auf Unterlagen der Enthüllungsplattform Football Leaks beruhen. Aus Gründen des Informantenschutzes äußern sich SPIEGEL und EIC prinzipiell nicht zur Identität von möglichen Quellen.

jan/dpa

insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
jschm 19.03.2019
1. Stärkung der Stellung
von Whistleblowern? Wollte die EU das nicht kürzlich? Scheinbar nur, wenn nicht gewisse Interssen oder politische Strukturen und Mauscheleien betroffen sind. Pinto und Snowden sind gute Beispiele!
neurobi 19.03.2019
2. Schutz von Whisleblowern
Wollte die EU nicht etwas zum Schutz von Whisleblowern auf den Weg bringen? Wäre dringend notwendig, wie man an diesem Fall wieder sehen kann. Verglichen mit dem Rechtsbruch der mit den Daten aufgedeckt wurde sind die "Vergehen" ein Witz. Im Gegenteil, er hat der Geselschaft und dem Staat einen großen Dienst erwiesen. Er sollte eher belohnt als bestraft werden.
BellUomo 19.03.2019
3. Fußball - ein Tummelplatz für Lumpen?
Man kann nur hoffen, dass die Hintermänner der offengelegten Fußball- Lumpereien bestraft werden und nicht Herr Pinto, der darauf hingewiesen hat. Aber diese Hoffnung dürfte sich nicht erfüllen. Zu mächtig und zu eng verknüpft mit anderen Mächtigen sind diese Leute.
herr.schnitzelmann 19.03.2019
4. Völlig falsches Signal
Wie kann man jemanden, der so viel Unrecht öffentlich gemacht hat, ernsthaft den Prozess machen? Das wäre das Gleiche, wenn ich eine Anzeige bei der Polizei mache und ich dann hinterher wegen Geheimnisverrats angezeigt werde. Was wollt ihr, couragierte u. mutige Bürger die noch einen Funken Anstand im Leib haben oder eine Herde Schafe (nix gegen Schafe) die man leicht regieren und für dumm verkaufen kann? Ich glaube ich kenne die Antwort! Und wenn es wirklich Gesetzte gibt, die das Aufdecken von Unrecht unter Strafe stellen, dann muss man sich schon mal fragen, wie korrupt ist Europa, sind die einzelnen Staaten mittlerweile schon?
GrünesZebra 19.03.2019
5. Ein Hoch auf die Zensur
Natürlich möchte man in Ungarn ein Zeichen setzen, dass Whistleblower nicht weit kommen. Das hilft, die geine Bevölkerung abzuschrecken, denn auch dort gibt es genug Sachen, die man aufdecken könnte. Die Zensurmaschinen der Regierung hat wieder einmal gewonnen. Ironisch, dass andere Länder ihn noch befragen wollen um Informationen zu verwenden. Wenn er alles gesagt wird soll er aber wieder weg nach Portugal, man möchte sich ja nicht mit der menschlichen Seite befassen müssen, um diplomatische Spannungen hervorzurufen.
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