Football Leaks Wie Martin Ødegaards Vater vom Transfer zu Real Madrid profitierte

Real Madrid verpflichtete 2015 das norwegische Supertalent Martin Ødegaard, damals 16 Jahre alt. Auch sein Vater Hans Erik bekam einen Vertrag: als Nachwuchstrainer, einschließlich einer Millionenprämie.

Im Januar 2015 wurde Martin Ødegaard (l.) als neuer Spieler von Real Madrid vorgestellt. Hier zu sehen mit Klublegende Emilio Butragueño
Andres Kudacki/ AP

Im Januar 2015 wurde Martin Ødegaard (l.) als neuer Spieler von Real Madrid vorgestellt. Hier zu sehen mit Klublegende Emilio Butragueño

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Im April 2014 debütierte ein Junge für den Klub Strømsgodset IF in der ersten norwegischen Liga, der damals 15 Jahre und 118 Tage alt war. Sein Name: Martin Ødegaard.

Der schmächtige Mittelfeldspieler war damit der jüngste Fußballer, der jemals in der höchsten Spielklasse Norwegens zum Einsatz kam. Wenige Monate danach machte Ødegaard sein erstes Länderspiel für Norwegens A-Nationalmannschaft. Spätestens zu diesem Zeitpunkt galt er als "Jahrhunderttalent", und die namhaftesten europäischen Vereine warben um seine Dienste.

Ein außerordentliches Festgehalt für einen Teenager

Real Madrid bekam den Zuschlag. Der Transfer des hochbegabten Norwegers zeigt, wie die Logik des Profifußballs mittlerweile auch die Jugendakademien der Topklubs durchdringt. Und er zeigt, wozu die Bosse von Real Madrid bereit sind, wenn es darum geht, dem Verein einen Vorteil zu verschaffen. Die Dokumente von Football Leaks offenbaren das.

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26.08.2019, 17:13 Uhr
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Am 22. Januar 2015 unterschrieb Martin Ødegaard seinen ersten Arbeitsvertrag bei Real Madrid, der bis Ende 2018 gültig war. Der Junge aus Drammen, einer Stadt in der Nähe Oslos, sollte im ersten halben Jahr in Reals U19-Auswahl spielen.

Das Festgehalt, mit dem Madrid lockte, war außerordentlich hoch für einen Teenager, der bei Vertragsunterzeichnung gerade 16 Jahre alt geworden war: bis Sommer 2016 zwei Millionen Euro brutto pro Jahr, in der dritten Saison 2,5 Millionen, in der vierten Saison dann drei Millionen.

Die Ablösesumme für seinen alten Klub Strømsgodset: vier Millionen Euro fix plus vier Millionen variable Prämien. Das Honorar für seine Berater, einen Norweger und einen Italiener: eine Million Euro. Sie flossen auf das Konto einer Firma mit Adresse auf der Niedrigsteuerinsel Guernsey im Ärmelkanal.

Dreieinhalb-Jahres-Vertrag als Jugendtrainer

Und dann war da noch Ødegaards Vater Hans Erik. In einer frühen Football-Leaks-Veröffentlichung im Dezember 2016 hat der SPIEGEL ihn als Mann mit sozialem Gewissen beschrieben, als einen Menschen mit Moral. Eine Steuerkanzlei, die zahlreiche Spieler von Real Madrid vertrat, hatte auch für seinen Sohn errechnet, wie sich die Abgaben auf Werbeeinahmen mithilfe einer eigens dafür zu gründenden Firma vor den Finanzbehörden herunterrechnen ließen.

Martin Ødegaards Vater Hans Erik (2.v.l.) und Bruder Kristoffer (r.) im Januar 2015 im Bernabéu-Stadion
imago/Alterphotos

Martin Ødegaards Vater Hans Erik (2.v.l.) und Bruder Kristoffer (r.) im Januar 2015 im Bernabéu-Stadion

Doch Papa Ødegaard war dagegen. Martin werde, schrieb er, "sowieso viel Geld verdienen; deshalb ist es auch eine moralische Frage, wie viel Mühe er sich mit dem Versuch geben sollte, ein paar Steuern zu sparen, wenn andere Leute viel mehr damit zu kämpfen haben, ihre Rechnungen zu zahlen."

Das war im Dezember 2015, ein knappes Jahr, nachdem der junge Norweger zu Real Madrid gewechselt war. Zu dieser Zeit hatte Vater Ødegaard seinen Schnitt offenbar schon längst gemacht. Denn auch er profitierte finanziell beim Transfer seines Sohns.

Die Frage war nur: wie? Die Antwort darauf findet sich im Datenschatz von Football Leaks.

Real Madrids Generaldirektor José Ángel Sánchez und Manuel Redondo, der Statthalter des Präsidenten Florentino Pérez, hatten eine Idee. Am gleichen Tag, an dem ihr 16 Jahre alter Wunschspieler seinen Dreieinhalb-Jahres-Vertrag unterschrieb, unterzeichnete auch Vater Ødegaard einen Vertrag mit Real Madrid, ebenfalls gültig bis 30. Juni 2018. Das Papier auf vier Seiten nennt sich "Professional Sports Employment Contract". Es besagt, dass Real Madrid Hans Erik Ødegaard als Jugendtrainer anstellte.

100.000 Euro Jahresgehalt, drei Millionen Euro Prämie

Papa Ødegaard trat im Nachwuchsleistungszentrum "La Fábrica" einen Job bei der Jahrgangsstufe "Alevín B" an. Die Kinder, die dort spielen, sind elf Jahre alt. Sie sind sehr stolz auf den Verein und sich. Auf der Homepage stellt Real Madrid jeden einzelnen Kicker vor, die Jungs sagen Sätze wie aus dem Fußball-Poesiealbum: "Für die Mannschaft tue ich alles, was ich kann." Oder: "Ich mag es, mit meinen Mitspielern Tore zu bejubeln." Und: "Mir gefällt es, Tore zu schießen oder den letzten Pass zu spielen." "Ich liebe es, das Trikot von Real Madrid zu tragen."

Hans Erik Ødegaard bekam von Real Madrid für die Arbeit mit den Kindern ein Jahresgehalt von 100.000 Euro. Zudem sicherte der Klub ihm eine Prämie von drei Millionen Euro zu, laut des Vertrags zahlbar 30 Tage nach Unterschrift. Auf die Vertragslaufzeit umgerechnet entspricht das 957.143 Euro pro Saison. Zum Vergleich: Zinédine Zidane, der zum damaligen Zeitpunkt Cheftrainer der U23 von Real Madrid war, kassierte für diesen Job 600.000 Euro jährlich.

Drei Millionen Euro für den Vater eines der begehrtesten Nachwuchsfußballer der Welt lassen sich mit dem Geist der Fifa-Regularien zum Schutz von Minderjährigen kaum vereinbaren.

Weder Real Madrid noch Hans Erik Ødegaard reagierten auf Bitte um Stellungnahme. Eine der Fragen lautete, ob der Vertrag für Vater Ødegaard als Nachwuchstrainer nichts anderes war als ein verdecktes Honorar für den Transfer seines damals noch minderjährigen Sohns.



insgesamt 12 Beiträge
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Paddel2 09.09.2019
1. Ein Prestigetransfer
Soweit ich mich erinnere, hat sogar der damalige Trainer der A-Mannschaft, Ancelotti, zugegeben, dass Odegard lediglich ein Prestigetransfer war. Bayern hat damals sich mit Guardiola heftig um Odegard bemüht, aber Real wollte den Kampf um jeden Preis gewinnen, selbst wenn es sich dabei um die Zukunft eines großen Talents handelte. Heute ist Odegard ein durchschnittlicher Spieler in Europa. Karriere ja, groß nein.
mrbiggg 09.09.2019
2.
Ob Real Madrid das viele Geld schon abgeschrieben hat?
legeips62 09.09.2019
3. Wer soll das Bezahlen, wer hat
soviel Geld... https://www.feelreal.eu/weltrekord-deal-real-madrid-unterschreibt-neuen-trikot-sponsor-vertrag/ . (nur Beispiele) Jeder Audi, jeder VW, jedes Aspirn, jedes Trikot von Adidas und jedes "Evonik" bezahlen die Zuschauer. Wenn nun, eventuell VW oder Audi 30.000 Mitarbeiter entlassen muss, dann können unsere "Fußballhelden" weiterhin ihren Grottenkick durchführen..
charlybird 09.09.2019
4. Es sieht so aus,
als ob Papa Ödegaard zum richtigen Zeitpunkt die Mechanismen des Fußballgeschäfts erkannt hat. Mag nicht schön sein, aber es gehören auch immer zwei zum Zum. Dennoch ist diese fast Kindersklaverei schon hinterfragbar, aber wohl eben nicht beim Profifußball.
spon-facebook-10000034826 09.09.2019
5. Was ich mich frage, ist...
Ist es eigentlich okay, persönliche Daten derart zu veröffentlichen. Auch ein Chefredakteur verdient sicherlich gutes Geld. Gibt es da dann auch ein Recht auf Veröffentlichung? Moralisch fragwürdig finde ich sowohl die genannten Summen, wie aber auch deren Veröffentlichung, besser Entblößung.
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