Fortsetzung der Bundesliga Unter Beobachtung

Die Bundesliga hat es geschafft: Ab dem 15. Mai geht es mit dem 26. Spieltag weiter. Das ist vor allem ein Erfolg der DFL, auch wenn es noch einige Fallstricke gibt.
David Alaba vom FC Bayern darf nicht mehr nur trainieren, sondern ab Mitte Mai auch wieder spielen

David Alaba vom FC Bayern darf nicht mehr nur trainieren, sondern ab Mitte Mai auch wieder spielen

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LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutterstock

Christian Seifert saß in seinem Büro in Frankfurt und telefonierte, als Angela Merkel vor die Presse trat. Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), hatte zu diesem Zeitpunkt bereits erfahren, was die Bundeskanzlerin gleich in einem Schachtelsatz verpackt verkünden würde. Dass der deutsche Profifußball zurück ist im Spiel.

Ab Mitte Mai darf die Bundesliga den Betrieb wieder aufnehmen. Die DFL hat gleich den 15. als Starttermin fest anvisiert. Weitergehen soll es nach SPIEGEL-Informationen mit dem 26. Spieltag, und nicht wie zunächst auch debattiert mit dem 34., der ohne die Pandemie zu diesem Zeitpunkt angestanden hätte.

Acht Wochen lang war die DFL ein Sondereinsatzkommando, das in viele konfliktreiche Gebiete entsandt werden musste: Sie verrichtete Lobbyarbeit bei der Politik, er- und überarbeitete ein kompliziertes Hygienekonzept. Und sie verhinderte durch einen Deal mit den TV-Rechteinhabern auch den wirtschaftlichen Kollaps von rund einem Drittel der Klubs. Auf dem Weg bis zum Mittwoch musste sie viel Kritik einstecken. Manche war sicher berechtigt, manche vielleicht weniger.

Menschen, die eng mit Seifert zusammenarbeiten, berichten davon, wie müde, bisweilen ernüchtert der 50-Jährige in den vergangenen Tagen gewirkt habe. Das lag wohl auch an Rückschlägen wie dem Facebook-Livestream aus der Hertha-Kabine, der enttarnte, dass der medizinische Plan trotz allem fragil bleibt. Am Mittwochnachmittag aber, so erzählt es jemand, der ihn schon lange begleitet, soll Christian Seifert wirklich glücklich gewesen sein.

"Die DFL hat ihren Job gemacht", sagt ein DFL-Vertreter, "jetzt liegt die Zukunft jedes Erst- und Zweitligastandorts in seinen eigenen Händen." Das Präsidium der Betriebsgemeinschaft hatte bei der allerersten Vollversammlung in der Corona-Zeit Mitte März per Beschluss den Auftrag der 36 Klubs erhalten, die Fortsetzung des Spielbetriebs zu erwirken.

Am Donnerstag kommen die Vereine in einer weiteren Video-Vollversammlung zusammen. Seifert wird dabei noch einmal an die Eigenverantwortung der Klubs appellieren. Die gröbsten Modalitäten des Weiterspielens wurden schon vorher vom DFL-Präsidium beschlossen.

Was aber bedeutet der Wiederanpfiff für den Spielplan - und für den deutschen Fußball im Allgemeinen?

Die DFL stand unter Zeitdruck. Wenn es mit dem 26. Spieltag unter anderem mit dem Revierderby Borussia Dortmund und Schalke 04 weitergehen wird, bleiben insgesamt sieben Wochenenden zum Durchbringen der restlichen neun Spieltage bis zum 30. Juni. An diesem Tag endet offiziell die Saison. Spielerverträge laufen aus. Um juristische Scharmützel zu vermeiden, will die DFL bis dahin fertig werden. Viel Platz im Zeitplan ist also nicht, da auch noch das Pokal-Halbfinale sowie das Endspiel untergebracht werden müssen. Vier englische Wochen stehen an.

Am Mittwoch, so hört man, soll in der Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin auch über das Thema Mannschaftsquarantäne vor dem Wiederanpfiff debattiert worden sein. Zunächst tauchte in einem ersten Referentenentwurf die Anordnung einer 14-tägigen Quarantäne für die Teams auf (etwas im Stile eines Trainingslagers). In dem finalen Beschluss aber fehlte dann die Zeitangabe "14-tägig". Für die DFL musste es schneller gehen. Zu hören ist, dass Mannschaften nun sieben Tage vor dem Spielbeginn in Teamquarantäne gehen sollen. So soll es die DFL festgelegt haben. Der Beginn wäre demnach am kommenden Freitag.

Es bleiben einige Fallstricke

Auf die Spieler, die zwei Monate lang kein echtes Mannschaftstraining absolvieren durften, kommen besondere Belastungen zu. Und das ist alles andere als risikolos. Auch ist noch nicht geklärt, ob es Langzeitschäden für infizierte Profis geben könnte.

Das ganze medizinische Konstrukt zur Sicherung der Spielergesundheit und des Spielplans bleibt einsturzgefährdet. Scheitern kann es an der Gedankenlosigkeit mancher Profis und Vereine, wie der Fall Salomon Kalou und Hertha BSC vor Augen geführt hat. Vielleicht aber kam das Video für die DFL als abschreckendes Beispiel auch zur rechten Zeit.

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Scheitern kann das Unterfangen aber auch noch an den örtlichen Gesundheitsämtern. Sie entscheiden darüber, ob ein infizierter Spieler allein in Quarantäne gehen muss, oder die ganze Mannschaft, womit der Zeitplan wohl nicht mehr einzuhalten wäre. Das bleibt die große Sollbruchstelle des DFL-Plans. Und am Ende hängt das womöglich auch davon ab, wie sich das Virus in Deutschland verbreitet: langsamer, wie zuletzt, oder wieder schneller.

Daher ist nicht ausgeschlossen, dass diese Spielzeit doch wieder abgebrochen wird. Das wissen sie auch bei der DFL.

Weg gewiesen für andere Sportarten

Sicher aber ist bereits, dass jetzt die Welt bei diesem Experiment zusehen wird: Die Bundesliga ist die erste Top-Sportliga, die ihren Betrieb wieder aufnehmen darf. Darin liegt eine Chance. Die Aufmerksamkeit wird ihr gewiss sein. Womöglich überlegen sich auch manche Spieler, ob sie künftig vielleicht in die Liga wechseln, die als erste einen einigermaßen tragfähigen Plan zum Weitermachen liefern und damit auch die Arbeitsgrundlage der Profis sichern konnte.

Dem deutschen Fußball muss man zugutehalten, dass er womöglich - auch bedingt durch das sehr tragfähige medizinische System in diesem Land - einen Weg für andere Ligen in der Welt und andere Sportarten gewiesen hat. Anfragen bei der DFL nach dem Hygieneplan gab es aus der Sportbranche ebenso wie aus der Wirtschaft.

Man hätte sich aber gewünscht, dass der deutsche Fußball diesen Erfolg für sich (und vielleicht auch andere) viel leiser erreicht. Dass er abwartet, seine Arbeit im Hintergrund verrichtet und nicht wie etwa Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die enorme öffentliche Wirkung für Drohkulissen verwendet (Es werde ansonsten die Bundesliga "in der Form nicht mehr geben, wie wir sie gekannt haben", sagte Watzke). Aber womöglich hätte die Politik die Zustimmung für den Wiederanpfiff zu diesem Zeitpunkt sonst nicht erteilt. "Man kann im Fußball nichts leise erreichen", sagt ein Vereinsfunktionär.

Am Ende könnte es trotzdem sein, dass Seifert, die DFL und mithin der deutsche Fußball auf dem Weg heraus aus dem Lockdown ein paar Kollateralschäden am Image verbuchen müssen. Niemand weiß, ob sich ebenso viele Menschen wieder für das Spiel begeistern können wie vor der Krise und all den Debatten, die es auf dem Weg heraus gegeben hat.

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