Fortuna Düsseldorf Mehr Galle als Glück

Fortuna Düsseldorf hat beim St. Pauli seine beeindruckende Erfolgsserie ausgebaut und seine Ansprüche auf den Aufstieg untermauert. Doppeltorschütze Andreas Lambertz war der Mann des Abends, der Antreiber im Team aber ist der älteste Spieler.

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Hamburg - Die Fortuna kann gerade nichts aus der Ruhe bringen. Selbst ein Rückstand im Spitzenspiel beim Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli nicht. Auf dem "heißen Pflaster" am Millerntor, so Fortuna-Trainer Norbert Meier, blieb das Team aus Düsseldorf cool, drehte die Partie und baute seine Serie in der Zweiten Liga auf nunmehr 18 Spiele ohne Niederlage aus.

Mann des Abends war Düsseldorfs Kapitän Andreas Lambertz. Zwei Tore gelangen dem 27-Jährigen Kapitän, mit einem Kunstschuss glich er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit für Fortuna Düsseldorf aus: "Oben die linke Ecke war frei, dann hab ich da eben hingeschossen. Das hab ich gut gemacht."

So perfekt, wie Lambertz aus mehr als 20 Metern in den Winkel traf, so perfekt läuft es nun schon seit sieben Monaten bei der Fortuna. Seit dem 18. März, dem 0:1 in Duisburg am 27. Spieltag der Vorsaison, ist die Fortuna inzwischen ungeschlagen in der Zweiten Liga. Aus 18 Spielen holte die Mannschaft seitdem 42 Punkte und erzielte 43:17 Tore. Von Platz zehn kletterte der Club in der Vorsaison noch auf Rang sieben, aktuell stehen sie auf Relegationsplatz drei, punktgleich mit Eintracht Frankfurt und nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Fürth. "Das kommt nicht von ungefähr", sagt Lambertz: "Wir haben eine starke Truppe, einen guten Mix - es läuft derzeit einfach rund."

Selbst bei Bundesliga-Absteiger St. Pauli dominierten die Düsseldorfer nach einem schwachen Start und dem 0:1 Rückstand durch Max Kruse (15. Minute) die Partie über weite Strecken und gewann am Ende 3:1 (1:1). Lambertz' Traumtor zum 1:1 war der Auftakt zu einer überzeugenden Leistung nach der Pause: Erneut Lambertz (57.) und Maximilian Beister (75.) sorgten für den Endstand, mit dem die Gastgeber noch gut bedient waren.

"Das war ernüchternd", sagte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte. "Ich hatte nie das Gefühl, dass Düsseldorf das Spiel aus der Hand geben könnte", ergänzte Trainer Andre Schubert. Auch ohne Gelb-Rot für St. Paulis Markus Thorandt (68.) wäre die souveräne Fortuna kaum in Verlegenheit gekommen. Spätestens seit Montagabend gehört sie zu den heißen Aufstiegskandidaten. Auch wenn der Trainer das anders sieht.

Sascha Rösler: Erst provokant, dann fürsorglich

"Die Fans dürfen träumen, aber wir dürfen nur auf das nächste Spiel schauen. Ich habe schon viele Favoriten sterben sehen", sagte Meier nach der Partie und schickte seine Spieler mit Blick auf die Partie am Freitag gegen Hansa Rostock umgehend zur Regeneration auf die Massagebänke. Lambertz sagte: "Wir müssen jetzt blitzschnell umschalten und dürfen Hansa nicht unterschätzen und meinen: 'Das schaffen wir im Vorbeigehen'."

Doch auch die Mannschaft weiß, dass in dieser Saison viel möglich ist. "Die Euphorie ist groß, weil wir lange kein Spiel verloren haben", sagte der vom HSV-augeliehene Maximilian Beister, dies sei allerdings kein Grund, um abzuheben: "Das Wichtigste ist, dass wir bodenständig bleiben."

Bodenständig - das wird Sascha Rösler wohl nie mehr werden. Doch genau deshalb ist der Angreifer für Düsseldorf so wichtig, das bewies der älteste Spieler im Fortuna-Kader gegen St. Pauli eindrucksvoll. Der 33-Jährige provozierte, lamentierte und gestikulierte. Und brachte so nicht nur seine Gegenspieler in Rage, sondern avancierte auch bei den St. Pauli Fans zum Feindbild. "Zu Beginn fehlte uns die Galligkeit, da muss man was machen", sagte Rösler, "natürlich habe ich ein Stück provoziert". Trainer Meier weiß, was er an seinem Antreiber hat: "Es ist sensationell, wie heiß und geil er mit bald 34 Jahren immer noch auf Fußball ist."

Erst lange nach Abpfiff war Rösler wieder auf einem normalen Adrenalinlevel. In den Katakomben des Millerntor-Stadions war es kalt geworden und so gab er "Lumpi" Lambertz, der den Journalisten seine Analyse des Spiels mit nacktem Oberkörper in die Blöcke diktierte, einen Klaps und sagte: "Komm' Lumpi, geh' duschen und zieh' dich an, wir haben Freitag wieder ein Spiel."

Spätestens dann wird Rösler wieder seine Betriebstemperatur erreicht haben.

Mit Material von dapd und sid



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