Affäre um Fortuna-Vorstandschef Röttgermann "Dank und Gruß, Thomas"

Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann wehrt sich gegen Vorwürfe, Verein und Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Doch interne Dokumente bekräftigen den Verdacht, dass Röttgermann nicht die Wahrheit sagt.
Fortuna-Chef Thomas Röttgermann in Bedrängnis

Fortuna-Chef Thomas Röttgermann in Bedrängnis

Foto: Federico Gambarini DPA

Günstlingswirtschaft, Schönfärberei, Falschaussagen. Die Liste von Vorwürfen, denen sich Thomas Röttgermann in den vergangenen Tagen gegenübersah, ist lang. Interne Dokumente und Mails, die dem SPIEGEL vorliegen, legen nahe: Röttgermann, Vorstandsvorsitzender bei Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf, scheint nicht die Wahrheit zu sagen.

"Unrichtig" sei die Berichterstattung des SPIEGEL , monierte der Verein in einer Stellungnahme. In der "Rheinischen Post" spekulierte Röttgermann, es gebe Menschen, die "Fortuna bewusst schaden wollen".

Eine zweifelhafte Ansicht des Mannes, der im Zentrum der Kritik steht. Dabei geht es unter anderem um das App-Projekt "MySport", das Röttgermann ohne Kenntnis des Fortuna-Aufsichtsrats privat vorantrieb. Die Geschäftsidee entwickelte er zusammen mit Ingo Schiller, Finanzgeschäftsführer von Hertha BSC sowie Trauzeuge des Düsseldorfer Vorstandchefs, und Felix Welling vom VfL Wolfsburg. Letzterer wechselt Anfang 2020 zur Fortuna - Röttgermann sicherte Welling einen üppig dotierten Vertrag zu. Auch hierüber war der Aufsichtsrat nicht informiert.

Mails vom Juni und Juli liegen noch vor

Röttgermann soll deshalb am 7. September vom Aufsichtsrat zur Causa "MySport" einbestellt worden sein. Bei dem Termin beharrte er auf dem Standpunkt, seit Amtsantritt in Düsseldorf im April nicht mehr operativ für "MySport" tätig gewesen zu sein. Schon damals eine erstaunliche Aussage, liegen doch Mails vom 2. Juni und 25. Juli vor, beide in Sachen "MySport", abgeschickt von Röttgermanns Fortuna-Account. Darin geht es unter anderem um die Koordination eines Businessplans und Termine mit potenziellen Geschäftspartnern.

Nach SPIEGEL-Informationen forderte der Aufsichtsrat Röttgermann daraufhin auf, sämtliche Mails vorzulegen, die er von seiner Vereinsadresse in Sachen "MySport" geschrieben hat. Röttgermann soll entgegnet haben, alle Mails in Panik gelöscht zu haben.

Anscheinend gelang es ihm später aber, doch wieder Zugriff auf die Mails zu erlangen. Am 17. September schrieb Röttgermann nämlich an Aufsichtsratschef Reinhold Ernst: "Ich habe mir zwischenzeitlich die (auch vorübergehend gelöschten […]) Mails angeschaut. Neben den bereits zitierten und veröffentlichten Mails liegen keine Mails vor, die ich […] abgeschickt oder erhalten hätte." Abschließend bietet er Ernst an, er könne "zum Sachverhalt auch eine entsprechende eidesstattliche Erklärung abgeben".

Mailverkehr über Joint Venture

Nach Indizienlage sollte sich Röttgermann dies gut überlegen. Schließlich gibt es einen weiteren Mailverkehr bezüglich "MySport", er liegt dem SPIEGEL vor. Es beginnt mit einer Mail von Felix Welling an seine "MySport"-Kollegen Röttgermann und Ingo Schiller. Betreff: "Project-Scope". Angehängt ist eine Excel-Datei, datiert auf den 20. August: "Umsetzungsplan App 'MySport'".

Konkret geht es um die angestrebte Gründung eines Joint Venture zwischen "MySport" und ProSiebenSat.1, eine potenziell millionenschwere Partnerschaft. Dafür werden in Tabellenform einzelne Projektschritte aufgelistet und Verantwortliche zugeordnet. Auf MySport-Seite finden sich drei Kürzel: FW (Felix Welling), IS (Ingo Schiller) und TR - Thomas Röttgermann. Demnach soll sich "TR" vor allem um die Personalplanung kümmern sowie eine juristische Bewertung des Joint Venture abgeben.

Röttgermann weiß von dieser Auflistung. Dies belegt der weitere Mailverkehr: Am 2. September fragte Welling seine Mitstreiter, ob sie "noch ein Feedback für mich" hätten bezüglich des skizzierten Umsetzungsplans. Antwort Röttgermann: "Schreib doch bitte in die to do - Liste Bein 'MySport' stets 'alle' rein. Dank und Gruß, Thomas". Heißt: Röttgermann selbst sah sich augenscheinlich noch Anfang September für die weiteren Geschäfte von "MySport" mit in der Verantwortung.

Die Mail belegt, dass Röttgermann in den letzten Tagen mindestens zwei Mal die Unwahrheit sagte: Die Erklärung, dass es nicht mehr als zwei Mails zum "MySport"-Komplex gab ist ebenso nicht richtig wie Röttgermanns Versicherung, nicht mehr operativ für das Projekt tätig zu sein. Warum aber stellt es der Vorstand eines Fußball-Bundesligisten öffentlich anders dar?

Fortuna Düsseldorf, Thomas Röttgermann sowie Aufsichtsratschef Reinhold Ernst gaben auf SPIEGEL-Anfrage keine Stellungnahme ab.

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