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DFB-Pokal: Kein Glück für Fortuna

Foto: Lukas Schulze/ Bongarts/Getty Images

Fortuna-Profi Neuhaus Der Sieger des Abends spielte bei den Verlierern

Düsseldorfs Florian Neuhaus glänzte bei der Pokalniederlage gegen Gladbach. Die Borussia hatte den Mittelfeldspieler an den Zweitligisten ausgeliehen - nun könnte er der Fortuna zum Aufstieg verhelfen.

Der Mann des Abends kam zum Schluss. Aber er wollte nichts mehr sagen. In den Tagen zuvor hatte er ja oft genug geredet. Und gerade eben am Spielfeldrand musste er noch vors Fernsehmikrofon. Das reicht jetzt mal, dachte sich Florian Neuhaus wohl.

Als er die Treppe vom Rasen der Düsseldorfer Fußballarena hinunter in die Katakomben ging, schaute er die wartenden Reporter nicht einmal an und bog in Richtung Kabine ab. Abgekämpft von den 90 Pokalminuten sah er aus, der 20-Jährige. Und enttäuscht. Schließlich hatte seine Fortuna 0:1 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach verloren, gegen den alten Rivalen von der anderen Rheinseite.

Einen "Feiertag für Fortuna und die ganze Stadt" hatte Vorstandschef Robert Schäfer das Pokalderby im Vorfeld genannt. Wohl wissend, dass diese Stadt sich seit dem Bundesliga-Abstieg 2013 immer mehr von ihrem Verein abgewendet hatte. Aus 47.500 Zuschauern im Schnitt sind in vier biederen Zweitliga-Jahren 26.600 geworden. Der schleichende Niedergang, Abgänge von Vereinsikonen wie Andreas Lambertz und ständige Trainerwechsel schrecken immer mehr Fans ab.

"Giftig, aggressiv, laufbereit"

In dieser Saison kommen sie langsam wieder. Gegen die Borussia waren es gar 52.500 in der ausverkauften Arena. Und alle schauten auf Neuhaus. Auch die Gladbacher, bei denen der elegante Mittelfeldspieler ja unter Vertrag steht. Im Sommer hatten sie ihn von 1860 München geholt und nach Düsseldorf verliehen.

Dort haben sie sich in seine unbekümmerte und nahezu fehlerfreie Art in der Zentrale verliebt. Er ist einer der Hauptgründe, warum die Fortuna mit 28 Punkten aus elf Spielen an der Spitze der 2. Liga steht. Zuletzt gab es fünf Siege in Folge.

Auch im Pokal wäre einer möglich gewesen. Der Favorit tat sich bis zum 0:1 durch Thorgan Hazard (52.) schwer, die Fortuna hatte einige Chancen. Eine gute Viertelstunde vor dem Ende gar einen Elfmeter, den Niko Gießelmann an den Pfosten setzte. "Wenn der reingeht, wird das ein ganz langer Abend", sagte Borussia-Trainer Dieter Hecking und lobte die Gastgeber: "Giftig, aggressiv, laufbereit."

Ein Juwel

Besonders angetan war er von seinem künftigen Spieler. 75 Prozent seiner Zweikämpfe hatte der zwar wenig robuste, aber ungemein geschickte Neuhaus gewonnen, niemand im Mittelfeld war besser. 85 Prozent seiner Pässe kamen an. Einer, der schönste des Spiels, ließ Jean Zimmer alleine Richtung Gäste-Tor laufen, zuvor hatte Neuhaus zwei Gladbacher mit einer schicken Drehung stehen lassen, was das verzückte Publikum mit einem lauten "Oh" quittierte. Nur zwei auffälligere Ballverluste gönnte er sich. Einen machte er durch eine beherzte Grätsche gegen Raffael gleich wieder vergessen.

Ein "Juwel" sei dieser 20-Jährige, schwärmte Hecking, für das er aber noch keinen Platz im Kader hat. Umso glücklicher ist er über das Leihgeschäft, in Düsseldorf könne Neuhaus "perfekt reifen und seine Qualitäten einbringen".

Fragt man die Mitspieler nach jenen Qualitäten, hört man Dinge, die selten über 20-Jährige gesagt werden. "Gute Orientierung, bleibt ruhig am Ball, abschlussstark, da wächst etwas heran", sagt Kapitän Oliver Fink. Abwehrspieler Niko Gießelmann freut sich über einen, den "man immer anspielen kann", weil er "immer weiß, wo der gegnerische Spieler in seinem Rücken ist".

Normal geblieben - trotz Wirbel

Neuhaus hat ein besonderes Gefühl für Räume, läuft sie bei gegnerischem Ballbesitz zu, schafft bei eigenem neue und dreht sich so gut wie nie in die falsche Richtung. Er weiß, wann gedribbelt und wann gepasst werden muss, wann das Spiel Tempo oder Verlangsamung braucht. Zudem ist er torgefährlich. Vier Treffer hat er bereits erzielt.

Anfang September debütierte er in der U21-Nationalmannschaft. Viel Alarm macht er dennoch nicht um sich, er redet bedächtig und ist stets höflich. Er sei ein "Super-Junge und normal geblieben, obwohl um ihn so viel Wirbel gemacht wird", sagt Trainer Friedhelm Funkel.

Auch vor dem großen Pokalderby gegen seinen eigentlichen Verein war er entspannt geblieben. Das sei "ein normales Spiel wie jedes andere auch", hatte Neuhaus gesagt. Was natürlich nicht stimmte. Gladbach-Manager Max Eberl stichelte am Tag davor nicht umsonst, dass Neuhaus "nach der Saison definitiv zurück" komme. Bis dahin kann er dafür sorgen, dass die Fortuna auch nächstes Jahr gegen Mönchengladbach spielt.

In der Bundesliga. Dann aber gegen Florian Neuhaus.

Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)
0:1 Hazard (52.)
Düsseldorf: Wolf - Zimmer, Schauerte, Andre Hoffmann, Gießelmann - Sobottka - Neuhaus, Fink (80. Kujovic) - Raman (68. Usami), Bormuth - Hennings
Mönchengladbach: Sommer - Elvedi, Ginter, Jantschke, Wendt - Cuisance (66. Hofmann), Zakaria - Hazard (90. Herrmann), Traore (76. Johnson) - Stindl, Raffael
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Zuschauer: 52.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Raman - Cuisance
Besonderes Vorkommnis: Gießelmann schießt Foulelfmeter an den Pfosten (73.)

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