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21. Mai 2012, 12:31 Uhr

Skandalspiel der Relegation

Fortuna will Fans zur Kasse bitten

Sollte Fortuna Düsseldorf nach den Ausschreitungen während des Relegationsspiel gegen Hertha BSC eine Geldstrafe zahlen müssen, will der Club die Kosten auf die beteiligten Fans umwälzen. Sportrechtler halten das für eine legitime Maßnahme.

Hamburg - Noch ist nicht klar, welche Konsequenzen die Ausschreitungen während des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) am vergangenen Dienstag haben werden. Dass die Gastgeber wegen des Verhaltens ihrer Fans zu einer Geldstrafe verurteilt werden, ist wahrscheinlich. Der Verein denkt deshalb schon jetzt darüber nach, wie er den Schaden möglichst klein halten kann - und will die beteiligten Zuschauer zur Kasse bitten.

"Wie werden das unter denen aufteilen, die wir ausfindig machen können", sagte Finanzvorstand Paul Jäger dem "Express". Und wer ein schlechtes Gewissen habe oder dem Club einfach nur helfen wolle, könne "anonym in einen Pool einzahlen. Dann ist es für den Rest nicht ganz so teuer", so Jäger.

Doch kann der Verein die Strafe so einfach auf seine Fans umwälzen? Solch ein Prozedere sei Standard, sagt Sportrechtler Rainer Cherkeh aus Hannover: "Kommt es verbandsrechtlich zu einer Geldstrafe, darf der Veranstalter - in dem Fall Fortuna Düsseldorf - bei den Verursachern regressieren." Die Grundlage dafür lieferten die Zuschauerverträge in Verbindung mit der jeweils geltenden Stadionordnung, die Besucher beim Betreten des Stadions akzeptierten, sagt der Anwalt.

"Verstößt jemand gegen die Regeln, haftet jeder einzelne in voller Höhe für die Strafe und weitere Vermögensschäden. Zum Beispiel für entgangene Einnahmen bei der Anordnung von Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit", sagt Cherkeh. Fortuna dürfe also die Kamerabilder der Stadionüberwachung nutzen, um die Täter zu identifizieren. Notfalls sogar durch Einschaltung von staatlichen Ermittlungsbehörden.

Nach "Stadionflitzer-Urteil" mussten Fans auch zahlen

Über einen vergleichbaren Fall entschied vor knapp sieben Jahren das so genannte "Stadionflitzer-Urteil": Während des Bundesligaspiels zwischen Hansa Rostock und Hertha im Oktober 2003 waren drei Zuschauer unabhängig voneinander auf das Spielfeld gelaufen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hatte Rostock daraufhin zu einer Geldstraße von 20.000 Euro verurteilt.

Das Landesgericht Rostock entschied im Anschluss, dass die drei identifizierten und verurteilten Fans dem Verein diese Summe anteilig ersetzen müssen.

Fortuna wird mit dem Ausfindigmachen der Verantwortlichen wesentlich mehr Arbeit haben: Etwa 1500 Fortuna-Fans waren vor dem Abpfiff des Spiels auf den Platz gestürmt, um den Aufstieg ihres Vereins zu feiern. Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte die Partie daraufhin für 20 Minuten unterbrochen und im Anschluss für 90 Sekunden noch einmal angepfiffen.

Hertha legte beim DFB Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. Das Urteil des Sportgerichts wird für Montag um 15 Uhr erwartet. Nach siebenstündiger Verhandlung war die Entscheidung am Freitagabend vertagt worden.

psk/sid

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