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25. Oktober 2015, 23:55 Uhr

Foul an Gladbachs Hahn

"Ein ganz fieses Ding"

Von , Mönchengladbach

Ein folgenschwerer Tritt: Durch das überharte Foul von Schalkes Johannes Geis ist der Gladbacher Sieg gegen S04 zur Nebensache geraten. Der 22-Jährige verletzte Borussia-Offensivspieler André Hahn schwer - und entschuldigte sich später.

Mit versteinerter Mine begab sich Johannes Geis etwa zehn Minuten nach dem Abpfiff auf den Weg in die Kabine von Borussia Mönchengladbach, der Schalker Mittelfeldspieler wollte sich entschuldigen. Aber er kam zu spät. Lediglich eine Telefonnummer des bereits ins Krankenhaus eingelieferten André Hahn brachte er mit zurück, nachdem er zuvor das schlimmste und vielleicht auch folgenschwerste Foul der bisherigen Bundesligasaison begangen hatte.

Max Eberl war derart schockiert von dem Tritt mit offener Sohle, dass er sogar den Blick auf die Bildschirme verweigerte. "Ich finde das war ein ganz fieses Ding, ich möchte es gar nicht im Fernsehen sehen, ich weiß nur, dass André sehr lange kein Fußball mehr spielen wird", sagte Mönchengladbachs Sportdirektor. Die Freude über den verdienten 3:1-Sieg war eingetrübt von der Sorge um Hahn, dessen Knie sich auf erschreckende Weise verformt hatte. Es war eine dieser seltenen Situationen, die Karrieren beenden können.

Mittlerweile ist bekannt, dass Hahn mehrere Monate ausfallen wird. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus gab der Verein bekannt, dass sich der 25-Jährige eine Fraktur des Schienbeinkopfes und einen Riss des Außenmeniskus zugezogen hat.

Als die Bilder von dem fürchterlichen Hieb zuvor im Stadion auf den Bildschirmen für die Zuschauer auf den teuren Plätzen gezeigt worden waren, ging ein Raunen durch die Ränge der Haupttribüne. Spätestens jetzt wussten alle im Stadion, dass es sich hier um ein sehr ungewöhnliches Foul handelte. Die Leute in der Schalker Kurve sangen trotzdem hämisch "Auf Wiedersehen", als Hahn auf einer Trage aus dem Stadion getragen wurde.

"Einer der liebsten Mitspieler"

Und die Schalker Versuche, diese böse Aktion nach dem Abpfiff zu erklären, waren auch nicht besonders überzeugend. Geis selbst, der nach seinem Tritt gegen das Knie des Gladbacher Angreifers natürlich sofort die Rote Karte gesehen hatte (80.), wollte nicht sprechen, aber seinem Manager Horst Heldt hatte der 22-Jährige Bericht erstattet. "So wie Johannes das sagt, hat er ihn nicht gesehen und ist dann mit seinem Standbein weggerutscht". Auf den TV-Bildern war keiner dieser mildernden Umstände erkennbar.

Erst spät am Abend postete Geis dann eine Entschuldigung bei Facebook: "Ich kann gar nicht in Worte fassen, was heute passiert ist. Mir tut das schlimme Foul an André sehr leid." Aber der Tritt bleibt eine der brutalsten Aktionen der jüngeren Bundesligageschichte. Und sie wird eine sehr lange Sperre nach sich ziehen, wobei Geis im Pokal, wo diese beiden Teams am kommenden Mittwoch kurioserweise erneut aufeinandertreffen werden, natürlich spielen darf.

Lediglich die Tatsache, dass der ehemalige Mainzer eigentlich "einer der liebsten Mitspieler" ist, wie Schalkes Torhüter Ralf Fährmann glaubwürdig berichtete, könnte das Strafmaß ein wenig reduzieren. Der Mittelfeldspieler ist nämlich kein Wiederholungstäter. Aber in dieser Situation hat er offenbar die Kontrolle über sich verloren. Der Tritt gegen Hahns Knie, war weder ein Versehen noch ein Unfall. Es war ein folgenschwerer Blackout.

"Sehr, sehr, stolz auf die Mannschaft"

Eine mögliche Erklärung für die Aggressivität in dieser Szene ist der verständliche Schalker Ärger über einige Schiedsrichterentscheidungen und den 2:1-Rückstand. Die Gäste waren der Ansicht, dass weder der Elfmeter, den Lars Stindl im Nachschuss zum 1:0 für die Gladbacher nutzte (32.), noch der Freistoß, den Raffael zum 2:1 verwandelte, berechtigt waren. Sie waren wütend. Nach einer weniger starken ersten Halbzeit hatten sie das Spiel gut im Griff und Andreas Christensens Eigentor zum 1:1 erzwungen (45.).

In dieser Phase habe Schalke "ein ordentliches Spiel gezeigt, Torchancen erarbeitet und sogar fast die Führung erzielt", sagte Kapitän Benedikt Höwedes. Doch dann fiel das vom Schiedsrichter begünstigte Freistoßtor. Dass Geis darüber derart die Kontrolle über sich verlor, bleibt allerdings erstaunlich und ist ein Zeichen mangelnder Reife.

Die Gladbacher spielten dagegen reif, wie lange nicht, sie haben sich wieder in eine Spitzenmannschaft verwandelt. Das Team hat nach fünf Niederlagen zu Saisonbeginn unter Lucien Favre nun alle fünf Partien unter André Schubert gewonnen. Und spielt dabei immer überzeugender. Schubert war "insgesamt sehr, sehr, stolz auf die Mannschaft, sie hat das hervorragend gespielt, wieder mit einer unglaublichen Leidenschaft, mit viel Emotion, mit einer hohen Qualität im Spiel nach vorne."

Und in der Tabelle nähert sich die Borussia ebenfalls wieder den Regionen, wo sie nach Ansicht der meisten Experten hingehört: ins obere Tabellendrittel. Der Abstand zum VfL Wolfsburg auf dem untersten Champions-League-Platz beträgt nur noch drei Punkte - Gladbach befindet sich auf einer unglaublichen Aufholjagd.

Und natürlich sammelt auch Interimstrainer Schubert immer mehr Argumente für eine langfristige Beförderung in die Position des Chefcoaches. Dass diese Personalie erstmals seit dem Rücktritt von Lucien Favre kein großes Thema nach einem Spiel der Gladbacher war, ist jedenfalls ein sehr gutes Zeichen für Schubert. Der Mann ist zu einer Selbstverständlichkeit in der Bundesliga geworden.

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