Francesco Toldo Italiens neues Idol

Er parierte drei von fünf holländischen Strafstößen und wurde als Held des Abends gefeiert. Selbst Trainer Dino Zoff, eigentlich kein Freund von demonstrativen Gesten, ließ sich zu einer innigen Umarmung hinreißen.

Von Katrin Weber-Klüver


Francenso Toldo: "Er hat seinen Job gut gemacht"
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Francenso Toldo: "Er hat seinen Job gut gemacht"

Amsterdam - Francesco Toldo hatte am Donnerstagabend das rare Erlebnis, in aller Öffentlichkeit der Amsterdam Arena von Dino Zoff ans Herz gedrückt zu werden. Von Zoff, der noch direkt nach dem gewonnen Elfmeterschießen wie üblich die Umarmungen aus dem eigen Stab eher ungnädig über sich hatte ergehen lassen.

Es hätte allerdings auch nachgerade von antarktischem Gemüt gezeugt, hätte der Trainer der italienischen Nationalmannschaft nun bei Toldo nicht eine Ausnahme gemacht. Der Torwart war der Mann, der das Spiel für Italien gewann, das die zehn anderen nur nicht verlieren wollten. Sechs Elfmetern, zwei aus dem Spiel, vieren im Elfmeterschießen musste der 29-jährige Keeper des AC Florenz sich stellen. Nur einen einzigen, Kluiverts Schuss zum 3:1, ließ er passieren.

Als Toldo in der ersten Halbzeit den ersten Foulelfmeter (verschuldet von einem an Kluiverts Trikot zupfenden Nesta) von Frank de Boer sensationell gut abwehrte, konnte er sich vor Freude kaum halten. Demonstrativ posierte er vor der eigenen Fankurve wie ein Gladiator. Als in der zweiten Halbzeit Patrick Kluivert antrat, um den zweiten Foulelfmeter (verschuldet vom Edgar Davids' zu Fall bringenden Mark Iuliano) zu schießen, war Toldo schon in dramatisch guter Elfmeterstimmung. Kluivert aber war außer Fassung und schoss an den linken Pfosten, während sich Toldo in die entgegengesetzte Richtung bewegte. Sein Jubel war da verhaltener, vielleicht auch schon siegessicher, vielleicht voller Vorahnung, was noch kommen würde.

Diese "ungünstige psychologische Disposition" (Frank Rijkaard) zweier nicht verwandelter Strafstöße schlug auf das Elfmeterschießen durch. Toldo parierte erneut de Boers Schuss, brachte dann Stam dazu, seinen Elfmeter gleich auf die Tribüne zu jagen und schnappte sich auch noch den Ball von Paul Bosvelt. Edwin van der Sar aber, der kein großer Freund des Elfmeterschießens ist, konnte nur den Schuss Maldinis abwehren. Di Biagio, Pessotto und Totti hingegen verwandelten ihre Möglichkeiten. Nachdem Toldo sich daraufhin auf dem Platz ausgetobt hatte, hatte er kein Bedürfnis über seine Verfassung als Held Auskunft zu geben. Als sei es die Verlängerung des italienischen Defensivprogramms, kommentierte er seine Wahl zum "Man of the Match" mit nichts anderem als dem Hinweis, hinter einer "aufopferungsbereiten Mannschaft" gestanden zu haben. Dino Zoff sah das als den richtigen, devoten Geist an. Der Trainer lobte die ganze Mannschaft ("Helden" mit "phantastischem Teamgeist", auf die nun "Ruhm" und "Applaus" warte), und Toldo nicht mehr und nicht weniger: "Was soll ich sagen? Danke Torwart. Er hat seinen Job gut gemacht."



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