Franck Ribéry bei AC Florenz Nummer 7 lebt

Florenz steht Kopf: Franck Ribéry soll den Klub aus der Serie A wieder nach oben führen. "Bring uns nach Europa", jubeln die Fans. Beim ersten Spiel des Ex-Bayern-Stars gab es ein Spektakel mit sieben Toren.

Franck Ribéry, 36 Jahre, neuer Superstar der Serie A
Claudio Giovannini/ANSA/AP/dpa

Franck Ribéry, 36 Jahre, neuer Superstar der Serie A


Florenz am Mittwoch, Flughafen Amerigo Vespucci, es ist 11.05 Uhr, die Sonne scheint, die Tür des gerade gelandeten Charter-Jets öffnet sich, ein Mann tritt heraus. In seinen raspelkurzen Haaren, an der linken Schläfe, ist eine große "7" einrasiert. Ein paar Hundert Menschen haben ihn erwartet, sie jubeln. Der Mann strahlt und winkt, er trägt ein violettes Trikot, darüber einen violetten Schal.

Am Abend des folgenden Tages präsentiert er sich im gleichen Hemd im Fußballstadion Franchi, Lichtershow, laute Musik. Etwa 15.000 Menschen umjubeln ihn wie einen Heilsbringer. Mit ihm soll eine neue Zeit beginnen, ein neuer Traum für die Menschen in Florenz. Für jene jedenfalls, die mit ganzem Herzen an ihrem Fußballklub hängen, der Associazione Calcio Firenze Fiorentina, kurz: ACF Fiorentina, in Deutschland AC Florenz genannt.

Der umjubelte Mann heißt Franck Ribéry, ist mit 36 Jahren im gehobenen Fußballeralter, und hatte beim FC Bayern deshalb keine Zukunft mehr. Doch in Florenz verehren sie ihn schon jetzt. Sie wissen, was er in München erreicht hat: Neunmal ist der Franzose mit dem FC Bayern Deutscher Meister geworden, war Publikumsliebling, 2013 gewann er die Champions League. Ribéry war einer der besten Spieler seiner Zeit.

Ribéry lässt sich von seinen neuen Fans in Florenz feiern
REUTERS/Jennifer Lorenzini

Ribéry lässt sich von seinen neuen Fans in Florenz feiern

Dann folgte im Sommer der Umbruch beim FC Bayern, Ribéry musste gehen, und weil ihm der frühere Fiorentina-Stürmer und Ex-Bayern-Kumpel Luca Toni (von 2007 bis 2010 in München unter Vertrag) Florenz empfahl, spielt Ribéry nun in der Serie A. "Der Klub sei toll und die Stadt schön", habe ihm der Luca gesagt, so Ribéry, und seine Familie fand das Ziel auch okay. So ist er nun da - und soll für große Fußballmomente sorgen.

Mit ihm will der Klub wieder vorne angreifen. Er wolle helfen, die Fiorentina "unter die ersten fünf, vielleicht - warum nicht - unter die ersten drei Teams" zu bringen, versprach Ribéry. Das wird nicht leicht, am Ende der vergangenen Saison lag der Klub auf Platz 16, gerade noch drei Punkte von Absteiger Empoli getrennt.

Jetzt rufen die Fans Ribéry zu: "Bring uns nach Europa!" So etwas in der Art erwartet auch der neue Eigentümer des Fußballklubs der toskanischen Hauptstadt, Rocco Commisso. Italo-Amerikaner, Milliardär (sein Vermögen wird auf 4,7 Milliarden Dollar geschätzt), Gründer und Chef des fünftgrößten US-Kabelunternehmens Mediacom.

Er hat den Klub vom italienischen Todd's-Schuhe-Eigner Diego Della Valle gekauft, auch Milliardär (freilich nur auf knapp über eine Milliarde Euro taxiert), der die Faxen dicke hatte. 17 Jahre lang haben er und seine Familie Millionen Euro in den Verein investiert - der Erfolg blieb aber aus. Zuletzt hatten ihn die Fans beschimpft, weil zu wenig Geld für neue Topspieler da war.

Erstes Spiel gegen Napoli: Ribéry mit seinem Ex-Trainer Carlo Ancelotti
Jennifer Lorenzini/DPA

Erstes Spiel gegen Napoli: Ribéry mit seinem Ex-Trainer Carlo Ancelotti

Der florentinische Traum

Nachfolger Commisso ist gleich in die Vollen gegangen: Ein neues Stadion werde gebaut oder zumindest das alte ausgebaut, hat er versprochen, und viele neue Spieler werden die Fiorentina wieder zu einem Spitzenklub machen, so die Ansage. Und der wichtigste Spieler werde Ribéry sein. "Keiner ist wie Ribéry", sagte der neue Boss in Florenz, "allenfalls noch Cristiano Ronaldo". Das Gehalt für Ribéry sei kein Problem. "Wir haben es einfach aus der Kasse geholt." Ribéry soll in zwei Jahren acht Millionen Euro netto verdienen, plus Prämien.

Außerdem bekommt der Ex-Bayern-Star die Rückennummer 7, wie in München, der zuvor verpflichtete chilenische Nationalspieler Erick Pulgar musste dafür seine Rückennummer wieder abgeben und trägt nun die 78.

An Ribérys Seite hilft künftig Kevin Prince Boateng, 32, der von seinem kurzen Engagement beim FC Barcelona in die Toskana wechselte. Wenn die beiden Älteren mit ihrer Klasse die jungen Talente der Fiorentina aufbauen können, so die Sportzeitung "La Gazetta", dann könne in Florenz wieder ein starkes Team entstehen.

Beim Treffer von Milenkovic jubelt Ribéry mit dem Team
Andreas SOLARO / AFP

Beim Treffer von Milenkovic jubelt Ribéry mit dem Team

Der Start war zumindest vielversprechend. Am Samstagabend kam das Team aus Neapel mit Ribérys früheren Trainer Carlo Ancelotti zum ersten Spiel der neuen Saison in die Toskana - immerhin der Vizemeister der vorigen Spielzeit . Ribéry feuerte die neuen Teamkollegen zunächst von der Bank aus an. Drei Treffer erzielten die Florentiner, die seit Februar kein Spiel mehr gewonnen haben. Boateng, Nikola Milenkovi und Pulgar (der mit der Trikotnummer 78) per Elfmeter waren die Torschützen.

Obwohl noch lange nicht in Form und konditionsschwach - wie er selbst sagte - kam schließlich auch er, der neue Hoffnungsträger: Frank Ribéry. Eingewechselt in der 78. Minute, brachte er noch einmal gewaltig Schwung, vor allem in die Fankurve. Auf dem Platz fiel Ribéry nur kurz in den Schlussminuten auf, als er am Strafraum zu Boden gedrückt wurde - doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen, auch der Videoschiedsrichter griff nicht ein. Es hätte noch einmal gefährlich werden können, doch so blieb es beim 3:4. Die Fiorentina hat stark gespielt, mächtig gekämpft - aber wieder verloren.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
FrankDunkel 25.08.2019
1.
Ribery ist für die Fiorentina wie ein Lotto-Gewinn. Er wird dort nicht den Druck wie in München haben, vielleicht wird das ihm sogar fehlen. An einem normalen Tag spielt der auch heute noch die Allermeisten schwindlig.
Scueda 25.08.2019
2. Kein Druck???
Bring uns nach Europa! Bring uns unter die Top 5! Oder Top 3! Wenn das kein Druck ist...
Bärwurz 1412 25.08.2019
3. Ich empfinde diese Rufe
Zitat von ScuedaBring uns nach Europa! Bring uns unter die Top 5! Oder Top 3! Wenn das kein Druck ist...
als Wunsch-Äußerungen und Hoffnungen. Klar, kann man dies auch negativ sehen. Miesmacher, Pessimisten und Krümelk...er tun das in der Regel. Ich jedenfalls wünsche Ribery alles Gute und eine verletzungsfreie Zeit.
rekcufrehtom 25.08.2019
4. Wär doch schön
Denn wenn Franck dereinst doch noch einmal in der CL auflaufen und gegen die Bayern spielte dürfte, wäre ihm ein frenetischer Empfang in München gewiss, selbst wenn er ein Tor gegen seine alte Heimat schiessen würde - das machen die in München nämlich mit den alten Helden, im Gegensatz zu den meisten anderen Fankurven. Da erinnere ich mich gerne an Elber mit Marseille gegen die Bayern vor einer Ewigkeit. Das war richtig schön zu erleben, dass "Treue" nicht nur eine Einbahnstrasse sein muss.
amarildo 26.08.2019
5. meinung
Er ist 36 und nicht 26. Die Fueesse auf dem Boden halten
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