Supercup-Niederlage gegen Real Madrid Das Ende der alten Eintracht

Niemand hatte einen Frankfurter Sieg erwartet. Und doch zeigte die Supercup-Niederlage gegen Real Madrid, dass es in dieser Saison eine neue SGE geben muss. Eine nach Filip Kostić.
Kevin Trapp ist geschlagen: Das 0:1 durch David Alaba leitete die zweite Frankfurter Niederlage in sechs Tagen ein

Kevin Trapp ist geschlagen: Das 0:1 durch David Alaba leitete die zweite Frankfurter Niederlage in sechs Tagen ein

Foto: Arne Dedert / dpa

Zäsur auf der Schiene: Darf man vier Jahre eine Ära nennen? Bei Filip Kostić muss man das wohl tun: Während der Serbe die Frankfurter Außenbahn rauf- und runtersprintete, stürmte der Klub erst 2019 ins Halbfinale der Europa League, um den Pokal drei Jahre später dann gar in den Händen zu halten. Der nächste Schritt, die Champions League, findet ohne Kostić statt: Der Europapokal-Held von der linken Schiene fehlte bereits gegen Real Madrid im Supercup, er steht vor einem Wechsel zu Juventus. Seine Krönung, die Auszeichnung als bester Europa-League-Spieler der Vorsaison, nahm Kostić nicht persönlich entgegen. »Dann merke ich doch, wie versaut das Geschäft am Ende des Tages ist«, stoßseufzte Eintracht-Präsident Peter Fischer.

Das Ergebnis: 0:2 (0:1) hieß es in Helsinki letztlich gegen Real Madrid, auch das ist aus SGE-Sicht wohl einen Stoßseufzer wert. Hier lesen Sie die Spielmeldung.

Ein Dank dem Rest: Außer Kostić, den Christopher Lenz unauffällig vertrat, brachte Oliver Glasner exakt die Elf, die im Mai in Sevilla gegen die Glasgow Rangers den ersten europäischen Titel seit 1980 an den Main geholt hatte. »Weil die Jungs so Außergewöhnliches für die Eintracht geleistet haben«, wolle er sie mit dieser Partie belohnen, verriet Glasner – und erklärte so auch, warum er auf die prominenten Einkäufe Mario Götze und Randal Kolo Muani verzichtete.

15 Minuten Retro-Eintracht: Und tatsächlich: Anfangs schien es, als spielte die Eintracht hier einfach das nächste Spiel der vergangenen Europapokal-Saison. Bissig, griffig gegen den großen Favoriten aus Madrid, mit schnörkellosen, technisch feinen Zuspielen in die Tiefe. Ansgar Knauff luchste rechts auf dem Flügel Ferland Mendy den Ball ab, Final-Held Rafael Borré schickte den Ball per Außenrist auf die Reise, Daichi Kamada tauchte allein vor Thibaut Courtois auf (14. Minute). Hörte Reals Torhüter nicht auf den Namen Thibaut Courtois, die Frankfurter wären wohl in Führung gegangen.

Chance vertan: Daichi Kamada nutzte die Gelegenheit zur Eintracht-Führung nicht.

Chance vertan: Daichi Kamada nutzte die Gelegenheit zur Eintracht-Führung nicht.

Foto: Antonio Calanni / AP

Gewinnen aus Gewohnheit: Ärgerlich aus SGE-Sicht, dass auch Carlo Ancelottis Madrilenen schlicht dort ansetzten, wo der Champions-League-Sieger in der Vorsaison aufgehört hatte: Real feuerte nicht vom Anpfiff weg aus allen Rohren, hatte aber Weltklassemann Courtois, fast immer die Spielkontrolle sowie die nötige Effizienz vor dem Tor. Vinícius Júniors Versuch klärte Tuta noch heroisch vor der Linie (17.), als Casemiro eine Kroos-Ecke noch einmal quer köpfte und David Alaba nur noch einschieben musste, war dann auch Kevin Trapp im Eintracht-Tor geschlagen (38.). Real wäre nicht Real, wäre diese Führung nicht bereits gleichbedeutend mit der Vorentscheidung.

Besser als Raúl: Anders als bei der 1:6-Klatsche zum Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern München gelang der Eintracht diesmal keine Versöhnung in der zweiten Hälfte. Reals Routiniers wirbelten nicht mit so viel Spielfreude wie die Bayern, jedoch hatte der Fußballklub gewordene Schraubstock das Spiel komplett im Griff. Wo Manuel Neuer einen lustigen Patzer einstreute, spielten die Real-Profis weiter auf das 2:0. Vini Júnior scheiterte noch an Trapp (55.), Casemiro an der Latte (61.), Karim Benzema schließlich entschied das Spiel (64.). Dabei überholte der Franzose eine Klublegende: Benzema hat nun mehr Pflichtspieltore (324) für die Königlichen erzielt als Raúl (323), nur Cristiano Ronaldo (450) thront noch weit jenseits der Konkurrenz.

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Tonis Sorgen: RTL-Reporter Florian König hatte Glück: Der Spielverlauf bot wenig Anlass, mit kritischen Bemerkungen zur Real-Leistung aufzufallen. Und so geriet auch das Interview mit Toni Kroos nach dem Spiel zu einem harmonischen Unterfangen, anders noch als nach dem Champions-League-Sieg, als der Weltmeister von 2014 das Gespräch mit ZDF-Mann Nils Kaben genervt abbrach. Über den Menschenfänger Ancelotti durfte Kroos reden (»extrem wichtig, die ganze Mannschaft mitzunehmen«), über die fünf weiteren Titelchancen für Real (»Wir werden keinen Wettbewerb abschenken, aber sechs Titel zu gewinnen, ist nicht einfach.«). Und über die Frankfurter Eintracht – und nun klang Kroos fast besorgt: »Ich glaube, dass der Abgang von Kostić schon sehr schwer wiegt«, sagte Kroos. »Für mich schon der beste Spieler der Saison.«

Neue Gesichter, neue Chancen: Immerhin betraten in der zweiten Hälfte nach und nach die Zugänge das Spielfeld, die sich zu den neuen Frankfurter Schlüsselspielern entwickeln könnten. Vielleicht folgt auf die Kostić-Eintracht die Götze-Eintracht, eine Mannschaft, die nicht nur Dampf auf der Außenbahn macht, sondern aus dem Zentrum heraus das Spiel entscheiden kann. Oder die Kolo-Muani-Eintracht, angetrieben von einem so turmhohen wie umtriebigen Knipser im Sturmzentrum. Am besten dürfte der nun notwendige neue Stil gegen Gegner zu beobachten sein, die Frankfurt auf Augenhöhe oder darunter begegnen. Bei Hertha BSC könnte es am Samstag (15.30 Uhr, TV: Sky) so weit sein.

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