Frankreich ist Weltmeister Das Beste zum Schluss

Das WM-Finale bot all das, was man sich von diesem Turnier versprochen hatte. Offensive Franzosen, Streit um den Videobeweis, viele Tore und ein politisches Statement. Alles Wichtige zum Spiel.
Frankreich feiert

Frankreich feiert

Foto: Matthias Hangst/ Getty Images

Langweilig? Von wegen. Bislang war es eine eher triste WM. Nur in zehn von 64 Spielen fielen in 90 Minuten mehr als drei Tore, 39 Partien endeten mit den Standardergebnissen 0:0, 1:0, 1:1 oder 2:1. Gähn! Das Finale versprach nicht viel mehr. Schließlich waren Frankreich und Kroatien vor allem dank konzentrierter Defensivleistungen ins Endspiel eingezogen. Und dann? Kam alles anders. Na ja, fast alles.

Ideal Standard: Ein Indiz gab es dann doch, dass es sich um ein Spiel der Weltmeisterschaft 2018 handelte: Die ersten drei Treffer fielen allesamt aus Standardsituationen.

Das Ergebnis: Frankreich schlägt Kroatien 4:2 (2:1). Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte I: Kroatien begann mit aggressivem Pressing, wodurch ein kontrollierter Spielaufbau der Franzosen unmöglich wurde. Entsprechend wurden die Tore nicht herauskombiniert, stattdessen mussten - natürlich - ruhende Bälle herhalten. Eine Freistoßflanke von Antoine Griezmann aus dem rechten Halbfeld verlängerte Mario Mandzukic per Kopf ins eigene Tor. Ein historischer Moment.

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Die erste Hälfte II: Dem Ausgleich ging ebenfalls ein Freistoß voraus, den die Kroaten über drei Stationen zu Ivan Perisic brachten. Sein Linksschuss aus zentraler Position schlug im langen Eck ein. Auch am nächsten Treffer war Perisic beteiligt. Nachdem er eine Ecke an die Hand bekommen hatte, entschied Schiedsrichter Néstor Pitana nach Videobeweis auf Elfmeter (siehe unten). Griezmann verwandelte sicher zur erneuten französischen Führung.

Das ist VAR-Sinn: Ja, der Videobeweis ist grundsätzlich eine sinnvolle Innovation. Ja, er wurde im Laufe der Weltmeisterschaft besser genutzt als in der Bundesliga. Aber über den Einsatz der Technologie im Endspiel wird noch länger diskutiert werden. Dem Freistoß, der zum 1:0 führte, ging eine Schwalbe von Griezmann voraus. Zudem stand Pogba bei der Hereingabe möglicherweise im Abseits. Beide Entscheidungen wurde nicht überprüft oder zumindest nicht korrigiert. Dafür griff Videoassistent Massimiliano Irrati vor dem 2:1 ein - zum Unmut einiger Zuschauer und Experten.

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Die zweite Hälfte: Pogba und Mbappé, nach Pelé der zweitjüngste Finaltorschütze der WM-Geschichte, sorgten mit zwei Treffern in kurzer Folge für die Vorentscheidung. Glaubten alle. Nur fünf Minuten später erzielte Mandzukic das 2:4, als er von Frankreichs Keeper Lloris angeschossen wurde (siehe unten). Für eine erneute Aufholjagd der Kroaten wie in den vorangegangenen K.-o.-Spielen reichte es aber nicht mehr. Die Équipe Tricolore brachte die Führung über die Zeit.

Der L(l)oris-Fluch: Torhüter in großen Endspielen, da war doch was... Im Champions-League-Finale hatte Loris Karius mit zwei kapitalen Fehlern wesentlichen Anteil an der Niederlage des FC Liverpool gegen Real Madrid. Unter anderem legte er Karim Benzema einen Treffer mit einer absurden Slapstick-Einlage direkt auf - wohlgemerkt unter Einfluss einer zuvor nach einem Zweikampf mit Sergio Ramos erlittenen Gehirnerschütterung. Einen ähnlichen Aussetzer wie Karius leistete sich der französische Keeper Lloris, als er Mandzukics Tor vorbereitete - ganz ohne Kopfschmerzen.

Fotostrecke

WM-Finale 2018: Fantastique, la France!

Foto: Laurent Cipriani/ AP

Ein politisches Statement: WM in Russland, darf man da eigentlich mitmachen? Oder muss man die Spiele wegen der offensichtlichen Probleme in und um Putins Reich boykottieren? Diese Fragen wurden im Vorfeld diskutiert, während des Turniers schien es eine Weltmeisterschaft zu sein wie alle anderen. Ein Fußballfest eben ohne politische Dimension. Dafür hatten Regierung, Sicherheitskräfte und die Fifa in konzertierter Aktion gesorgt. Demonstrationen und Protestaktionen wurden schlicht untersagt und blieben dementsprechend aus. Bis zum Finale. In der 52. Minute schafften es vier Flitzer in Uniformen aufs Feld. Wenig später tauchten in den sozialen Medien Bekennerschreiben mit politischen Forderungen auf - von der putinkritischen Punkband Pussy Riot.

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Putin lacht, der Himmel weint: Pünktlich zur Übergabe der Medaillen und des WM-Pokals durch das Präsidenten-Quartett aus Wladimir Putin, Emmanuel Macron, Kolinda Grabar-Kitarovic und Gianni Infantino setzte strömender Regen ein. Die Kroaten standen da wie begossene Pudel, während die Franzosen ihre eigene Version von "Singing in the Rain" anstimmten.

Ein Regenschirm, Gianni Infantino, Wladimir Putin, Emmanuel Macron und Kolinda Grabar-Kitarovic

Ein Regenschirm, Gianni Infantino, Wladimir Putin, Emmanuel Macron und Kolinda Grabar-Kitarovic

Foto: CARL RECINE/ REUTERS

Was bleibt: Frankreich ist verdient Weltmeister geworden. Das war ja aber eigentlich schon vor Turnierbeginn klar. Mit der relativ jungen Mannschaft der Franzosen wird auch bei den kommenden Turnieren zu rechnen sein. Mit Kroatien auch - solange Luka Modric spielt, der zum besten Spieler der WM gewählt wurde. Ansonsten haben uns die vergangenen vier Wochen vor allem zwei Dinge gezeigt: Deutschland hat keine Garantie auf den Halbfinaleinzug. Und Standardsituationen sind toll.

Frankreich - Kroatien 4:2 (2:1)
1:0 Mandzukic (Eigentor, 18.)
1:1 Perisic (28.)
2:1 Griezmann (Handelfmeter, 38.)
3:1 Pogba (59.)
4:1 Mbappé (66.)
4:2 Mandzukic (69.)
Frankreich: Lloris - Hernández, Umtiti, Varane, Pavard - Matuidi (73. Tolisso), Kanté (55. N'Zonzi), Pogba, Mbappé - Giroud (81. Fekir), Griezmann
Kroatien: Subasic - Strinic (81. Pjaca), Vida, Lovren, Vrsaljko - Brozovic - Perisic, Rakitic, Modric, Rebic (71. Kramaric) - Mandzukic
Zuschauer: 78.000
Schiedsrichter: Néstor Pitana (Argentinien)
Gelbe Karten: Hernández, Kanté / Vrsaljko

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