Frankreich vor dem EM-Finale Nur noch einmal siegen

EM-Begeisterung? Davon war in Frankreich lange wenig zu spüren. Rechtzeitig zum Finale sind die Fans nun euphorisiert: Stürmer Griezmann soll die Equipe zum Titel schießen.

Moussa Sissoko, Antoine Griezmann, Olivier Giroud (v.l.)
AP

Moussa Sissoko, Antoine Griezmann, Olivier Giroud (v.l.)

Aus Paris berichtet


In Frankreich fehlt die Fußballbegeisterung. Diese Klage hat man in den vergangenen Wochen immer wieder gehört - seit Donnerstagabend ist sie verstummt. Denn nun ist sie da, die Euphorie. Schon in der Nacht auf Freitag gab es in den größeren Städten Autokorsos, die zum Teil bis drei Uhr morgens dauerten. Seit der Finaleinzug feststeht, hat auch die Trikolore Konjunktur: Blau-weiß-rot hängt an Wohnungen, Autos und Gartenzäunen, viele Franzosen trugen auch am Freitag und Samstag Fankleidung, ein Vorgeschmack auf den Finaltag, an dem die eigentliche Feier erst beginnen soll.

Vorausgesetzt, die Hoffnungen der Franzosen erfüllen sich und die Elf von Didier Deschamps schafft im Finale tatsächlich den sechsten Sieg im siebten EM-Spiel. Den Montag haben sich jedenfalls schon mal viele Fans freigenommen.

Dass es am Sonntagabend (21 Uhr, High-Liveticker bei SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) zum Aufeinandertreffen der zwei auffälligsten Angreifer dieses Turniers kommt, heizt die Vorfreude zusätzlich an. Doch Cristiano Ronaldo hin oder her - nach Antoine Griezmanns Vorstellung gegen Deutschland sind zumindest die Landsleute von "Grizou" überzeugt, dass der französische Stürmer Mann des Turniers wird. Sechs Tore hat er bereits geschossen. Mannschaftskollege Blaise Matuidi ist kein Superlativ zu groß: "Wenn ich abstimmen dürfte, würde ich ihn zum Weltfußballer des Jahres wählen."

Für Griezmanns Arbeitgeber Atlético Madrid ist die derzeitige "Griezmania" die reine Freude. Am 23. Juni wurde der bis 2020 datierte Vertrag um ein Jahr verlängert. Griezmann, der im Übrigen einen portugiesischen Opa in der Ahnenkette hat, der selbst Profifußballer war, verdient seither noch besser. Und Atlético freut sich über eine Ausstiegsklausel, die bei 100 Millionen Euro liegt. Doch egal, ob nun Griezmann, Giroud, Payet oder Pogba treffen - dass die Offensive die wohl stärkste des Turniers ist, wusste man in Frankreich schon lange. Umso überraschender, dass auch die Defensive zuletzt ordentliche Noten bekam.

"Das hier ist eine Einheit auf dem Platz und außerhalb"

Deschamps, der in der Vorrunde viel experimentierte, hat auch in der Abwehr seine Stammformation gefunden. Für Adil Rami bedeutet das mit ziemlicher Sicherheit, dass er auf der Bank sitzt. Samuel Umtiti bekam schließlich schon gegen Deutschland den Vorzug als Innenverteidiger und machte seine Sache gut.

Von den elf Spielern, die gegen Deutschland in der Startelf standen, können sich lediglich Moussa Sissoko und Dimitri Payet ihrer Sache nicht ganz so sicher sein. Für Payet, der ein schwaches Spiel zeigte, könnten Kingsley Coman oder Anthony Martial zum Zuge kommen. Dass Deschamps, der ja schon gegen Deutschland defensiv spielen ließ, das Zentrum mit der Hereinnahme von N'Golo Kanté stärkt, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich müsste Griezmann dann auf den Flügel ausweichen, wo er nur ungern spielt.

Glaubt man Deschamps, kann ohnehin keine Personalrochade die Stimmung ruinieren: "Seit dem Beginn der Vorbereitung musste ich mich nicht mit einem einzigen Problem herumschlagen. Das hier ist eine Einheit auf dem Platz und außerhalb."

Karim Benzema im Oktober 2015, damals noch Nationalspieler
AFP

Karim Benzema im Oktober 2015, damals noch Nationalspieler

Wie Karim Benzema das empfindet, weiß man nicht. Ihn halten viele für einen der weltbesten Stürmer, mit seiner Suspendierung wegen der Verwicklung in eine Erpressungsgeschichte hat Deschamps aber in der Öffentlichkeit gepunktet. Sportlich vermisst ihn derzeit niemand. Das ahnt offenbar auch der Angreifer von Real Madrid, der sich am Freitag via Twitter zu Wort meldete und sich dabei selbst als verhinderter Teamplayer zeigte: "Bravo an die ganze Mannschaft und den Staff. Auf gehts, noch ein Spiel!"



insgesamt 16 Beiträge
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Sal.Paradies 10.07.2016
1. Endlich hat es ein Ende!
Ich bin froh, dass diese EM Heute endlich zu Ende geht und es hat nichts damit zu tun, dass die NM nicht im Finale steht. Seit ich denken kann, habe ich vom Niveau her eine so schlechte EM verfolgen müssen, was aber nicht nur an den Aussenseitern lag. Wenn ich sehe, was diese angeblichen und hochgelobten "Superstars" so vor sich hinstolpern, dann kann ich lediglich eine perfekt inszenierte Mogelpackung erkennen.Es genügt heute ein einziges mal den Ball vernünftig zu treffen um aus einem 2´klassigen Spieler einen Star zu generieren. Und wenn ich Aussagen höre, dieses Spiel agiert auf einem "hohen Niveau", könnte ich gleich wegschalten, weil man dann sicher sein kann, dass der Ball in 90 Minuten kein einziges mal in Richtung Tor gespielt wurde. Da freue ich mich direkt wieder auf die BuLi, wo ich wenigstens jedes Wochenende ein, zwei wirklich "spannende" Spiele sehe. Lucien Favre hat schon recht wenn er sagt, er habe noch niemals so eine grottige EM verfolgen müssen und das die NM eigentlich die einzige Mannschaft gewesen sei, die Fussball "spielen" wollte. Was er als Fachmann so sieht, habe ich die ganze EM über als "Laie" oder Interessierter Fussball-Fan auch empfunden. Schade eigentlich... ;-)
KuGen 10.07.2016
2. Ach Bunbdesliga
Zitat von Sal.ParadiesIch bin froh, dass diese EM Heute endlich zu Ende geht und es hat nichts damit zu tun, dass die NM nicht im Finale steht. Seit ich denken kann, habe ich vom Niveau her eine so schlechte EM verfolgen müssen, was aber nicht nur an den Aussenseitern lag. Wenn ich sehe, was diese angeblichen und hochgelobten "Superstars" so vor sich hinstolpern, dann kann ich lediglich eine perfekt inszenierte Mogelpackung erkennen.Es genügt heute ein einziges mal den Ball vernünftig zu treffen um aus einem 2´klassigen Spieler einen Star zu generieren. Und wenn ich Aussagen höre, dieses Spiel agiert auf einem "hohen Niveau", könnte ich gleich wegschalten, weil man dann sicher sein kann, dass der Ball in 90 Minuten kein einziges mal in Richtung Tor gespielt wurde. Da freue ich mich direkt wieder auf die BuLi, wo ich wenigstens jedes Wochenende ein, zwei wirklich "spannende" Spiele sehe. Lucien Favre hat schon recht wenn er sagt, er habe noch niemals so eine grottige EM verfolgen müssen und das die NM eigentlich die einzige Mannschaft gewesen sei, die Fussball "spielen" wollte. Was er als Fachmann so sieht, habe ich die ganze EM über als "Laie" oder Interessierter Fussball-Fan auch empfunden. Schade eigentlich... ;-)
Das Anschauen die BuLi habe ich vor ca 20 Jahren aufgeben. Immer wieder das gleiche Gekicke von minderbemittelten Athletensöldnern. Grauenhaft! Das Eanzige, was ich mir noch anschaue, sind EMs und WMs
pefete 10.07.2016
3. Heute Abend
bin ich Franzose. Hoffentlich wird der FC Ronaldo geschlagen!!!
Sal.Paradies 10.07.2016
4. Zu früh aufgehört
Zitat von KuGenDas Anschauen die BuLi habe ich vor ca 20 Jahren aufgeben. Immer wieder das gleiche Gekicke von minderbemittelten Athletensöldnern. Grauenhaft! Das Eanzige, was ich mir noch anschaue, sind EMs und WMs
Du schaust seit > 20 Jahren keine Bundesliga und bildest Dir doch ein Urteil über die Qualität? Kannst Du mir verraten, wie das geht? Immerhin hast Du leider zu früh aufgehört die BuLi anzugucken, da das Niveau haute sehr viel besser als vor 20 Jahren ist.... ;-)
vielflieger_1970 10.07.2016
5.
Zitat von pefetebin ich Franzose. Hoffentlich wird der FC Ronaldo geschlagen!!!
Naja, da spielt Not gegen Elend. Beide Mannschaften sind fragwürdig ins Finale gestolpert, dieses ewige "Superstar-Gelabere" mag man sich nicht mehr antun. Verdient hat es keiner der beiden, meine Sympathie gilt allerdings eher den Portugiesen. Hat aber eher persönliche Gründe, sportlich scheinen beide Mannschaften ähnliche Anlagen zu haben.
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