Frankreich im Finale Zinedine sei Dank

Ein kleiner Fehler hat im WM-Halbfinale zwischen Portugal und Frankreich die Entscheidung gebracht: Nutznießer war Superstar Zinedine Zidane. Mit dem Siegtreffer sorgte der Mittelfeldspieler persönlich dafür, dass er seine Karriere am Sonntag im Endspiel krönen kann.
Von Jens Todt, Mike Glindmeier und Pavo Prskalo

München - Die märchenhafte Laufbahn Zinedine Zidanes steht vor einem glorreichen Abschluss. Wie schon 1998 hat der 34-Jährige mit der französischen Nationalmannschaft das WM-Finale erreicht. Der geniale Spielmacher, der nach der Partie am Sonntag abtreten wird, war einziger Torschütze - und der Matchwinner des Abends beim 1:0 (1:0) gegen Portugal.

Vor zwölf Jahren streifte sich Zidane zum ersten Mal das Trikot der Nationalelf über. Am Sonntag, beim Finale in Berlin, wird er es zum letzten Mal tun. "Ich hätte mir nichts besseres vorstellen können, als zum Abschluss meiner Karriere in einem WM-Finale zu stehen", sagte Zidane dem französischen TV-Sender Canal+. "Ich bin sehr zufrieden. Jetzt werden wir versuchen, den Cup zu holen", so der Kapitän. Dass es überhaupt so weit kam, verdankt das Team von Trainer Raymond Domenech der Nervenstärke des genialen Spielmachers. "Zidane président" - "Zidane soll Präsident werden" forderten die Anhänger in den Straßen von Paris bereits während der Partie.

Bereits vor sechs Jahren, bei der EM 2000, wurde Zidane zum Alptraum der Iberer. Drei Minuten vor dem Ende der Verlängerung verwandelte er im Halbfinale einen Hand-Elfmeter. Portugal schied aus, Frankreich wurde später Europameister - durch einen Sieg gegen Italien. Doch nicht nur der dreimalige Weltfußballer des Jahres, der wie schon im Spiel gegen Brasilien eine starke Leistung zeigte, machte den Unterschied. Mitentscheidend waren die Stürmer.

Denn die beiden Mittelfeldreihen um Zidane auf französischer und Luis Figo auf portugiesischer Seite bewiesen zwar durch teilweise großartige Ballstafetten ihre Weltklasse, neutralisierten sich jedoch nahezu. "Wir hatten das Glück, dass wir das Tor geschossen haben, das die anderen nicht geschossen haben", sagte Domenech. "Es gab keinen Unterschied zwischen den Teams." Doch mit dieser Einschätzung lag der Coach etwas daneben.

Denn das Spiel zweier technisch hervorragender Mannschaften, die sich auf gleicher Augenhöhe begegneten, wurde durch einen kurzen Moment der Athletik und Entschlossenheit des französischen Stürmers Tierry Henry entschieden. So geschehen in der 32. Minute, als Henry von Ricardo Carvalho im Strafraum nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Schiedsrichter Jorge Larrionda, der keinerlei Schwierigkeiten mit der ausgesprochen fairen Partie hatte, zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Zidane lief nur einen Schritt an und verwandelte eiskalt. "Ich habe mir nur gedacht, wenn ich jetzt treffe, sind wir im Finale", sagte der Schütze des goldenen Treffers.

"Wir haben alles versucht"

Nach dem Rückstand rannten die Portugiesen zwar verzweifelt an, kamen jedoch kaum zu klaren Torchancen. Dank der wieder einmal überragenden Leistung der französischen Innenverteidiger Lilian Thuram und William Gallas konnte sich Torhüter Fabien Barthez sogar einige Unsicherheiten leisten. Erst in der Nachspielzeit geriet die Hintermannschaft kurzzeitig in Schwierigkeiten, doch den portugiesischen Bemühungen fehlte die Durchschlagskraft - die "Equipe Tricolore" konnte den Vorsprung über die Zeit retten.

"Wir haben alles versucht, es aber nicht geschafft", sagte Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari, "ich kann die Franzosen nur beglückwünschen. Als Schande oder Schmach kann man unser Ausscheiden nicht bezeichnen", so Scolari weiter. "Ich denke, wir müssen die Niederlage akzeptieren. Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird. Wir hatten auch einige Möglichkeiten. Aber insgesamt war es ein verdienter Sieg für Frankreich."

Einer der Besten auf portugiesischer Seite war Cristiano Ronaldo. Zwar wurde der 21-Jährige von Beginn an bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen, weil er im Viertelfinale gegen England eine Rote Karte für Wayne Rooney gefordert hatte. Doch der Jungstar ließ sich von den Pfiffen und Buh-Rufen nicht einschüchtern.

Der Jungstar von Manchester United trat enorm selbstbewusst, gelegentlich sogar selbstverliebt auf und war bei seinen Tempodribblings über die linke Seite kaum vom Ball zu trennen. Doch auch er konnte die Niederlage letzten Endes nicht verhindern.

Portugal, das sich erst zum zweiten Mal nach 1966 für ein WM-Halbfinale qualifiziert hat, spielt am Samstag in Stuttgart in der Partie um Platz drei gegen Deutschland. Frankreich trifft am Sonntag in Berlin (20 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Finale auf Italien. Nach dem Finaleinzug feierten Hundertausende auf Frankreichs Straßen mit Hupkonzerten, Schlachtgesängen und Feuerwerkskörpern.

"Jetzt müssen wir bis Sonntag noch einmal alle Kräfte bündeln, um unser ganz großes Ziel auch wirklich zu erreichen", sagte Trainer Domenech. Im Finale kann der 54-Jährige erneut seine beste Elf aufbieten. Die mit Gelb vorbelasteten Spieler blieben gegen Portugal mit Ausnahme des eingewechselten Louis Saha ohne Verwarnung.

Portugal - Frankreich 0:1 (0:1)
0:1 Zidane (33./Foulelfmeter)
Portugal: Ricardo - Miguel (62. Paulo Ferreira), Fernando Meira, Ricardo Carvalho, Nuno Valente - Costinha (75. Hélder Postiga), Maniche - Figo, Deco, Cristiano Ronaldo - Pauleta (68. Simão)
Frankreich: Barthez - Sagnol, Thuram, Gallas, Abidal - Vieira, Makelele - Ribéry (72. Govou), Zidane, Malouda (69. Wiltord) - Henry (85. Saha)
Schiedsrichter: Larrionda (Uruguay)
Zuschauer: 66 000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ricardo Carvalho / Saha

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