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EM-Gruppe D: Ribéry und Co. gehen gegen England die Ideen aus

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Frankreich-Remis gegen England Grande Enttäuschung

Ribéry, Nasri, Benzema: Frankreich verfügt über eine namhafte Offensive. Zum EM-Auftakt gegen England war von ihr wenig zu sehen, es reichte nur zu einem Unentschieden. Schlimmer als das reine Ergebnis war der Auftritt an sich: Frankreich spielte ohne Elan, Bewegung und Ideen.
Von Nils Lehnebach

Hamburg - Auf einen Geheimfavoriten, das lässt der Name leicht erkennen, setzen nur wenige. Frankreich wurde vor der EM in Polen und der Ukraine mit diesem Prädikat versehen. Nach der ersten Partie der "Grande Nation" weiß nun jeder, warum das Team eben nur Geheim- und nicht Top-Favorit ist. Die Mannschaft von Trainer Laurent Blanc enttäuschte zum Auftakt der Gruppe D und quälte sich zu einem 1:1 (1:1) gegen England. Samir Nasri (39. Minute) glich dabei das Führungstor von Joleon Lescott (30.) aus.

"Wir wären über einen Sieg froh gewesen, aber das Unentschieden passt uns gut. Wir sind zufrieden. Wir müssen sehen, dass wir nach dem nächsten Spiel vier Punkte haben", so Englands Kapitän Steven Gerrard. Und Blanc sagte: "Man muss zufrieden sein. Wir haben zu ängstlich gespielt. Paradoxerweise haben wir ein Gegentor gebraucht, um initiativ zu werden. Das 1:1 ist okay"

15 Minuten passierte in Donezk wenig, dann hatte England die erste Großchance. Nach einem Zuspiel von Ashley Young war James Milner frei vor Frankreichs Torwart Hugo Lloris, umkurvte diesen - schoss dann aber aus spitzem Winkel neben das leere Tor.

Es blieb für lange Zeit die einzige Strafraumszene. Dies lag vor allem an Frankreichs hoch gehandelter Offensive, die zunächst mit wenig Kreativität und Esprit spielte. Franck Ribéry, Florent Malouda, Nasri und Karim Benzema - das klingt nach tollem Fußball. Auf dem Platz aber bot sich ein anderes Bild. Ähnlich wie Deutschland im Auftaktspiel gegen Portugal taten sich auch "Les Bleus" extrem schwer, offensiv Akzente zu setzen.

Folglich wurde es zunächst nur bei ruhenden Bällen spannend. Nach einem Freistoß von Steven Gerrad köpfte dann Lescott England in Führung. Ausgerechnet der Innenverteidiger von Manchester City, der nur spielte, weil der ihm eigentlich vorgezogene Gary Cahill das Turnier mit einem doppelten Kieferbruch verpasst.

Englands Führung hält nur neun Minuten

Die Freude bei den Engländern um Neu-Trainer Roy Hodgson hielt aber nur kurz. Frankreich zeigte plötzlich doch gesteigertes Interesse, seine Serie aus 21 Partien ohne Niederlage fortzusetzen. Nachdem Alou Diarra mit einem Kopfball noch knapp gescheitert war (35.), gelang Nasri wenig später der Ausgleich. Der Schuss des Mittelfeldspielers von der Strafraumgrenze war verdeckt, keine Frage, unhaltbar schien der Ball für Englands Torhüter Joe Hart aber nicht zu sein. Und beinahe hätten die Franzosen die Partie noch vor der Pause gedreht, Benzema (45.) vergab aber gegen Hart.

Die Hoffnung, diese elanvollen Minuten würden nach der Halbzeitpause eine Fortsetzung finden, wurde schnell enttäuscht. Frankreich agierte extrem behäbig. Mit viel weniger Tempo als die Mannschaft von Blanc kann man eigentlich kaum nach vorne spielen. Obwohl: Wenn England mal im Ballbesitz war, sah es noch ein wenig schlechter aus.

In der letzten halben Stunde spielte sich die Partie zum Großteil in Englands Hälfte ab. Häufig fällt bei solchen Spielen der Verweis auf eine handball-ähnliche Situation. Das klingt nach Spannung, war in diesem Fall aber extrem langweilig. Vor allem aber hat der Handball noch einen weiteren Vorteil: Er garantiert eine gewissen Anzahl von Treffern. Um dies zu erreichen, muss man sich aber zumindest ernsthaft in Richtung gegnerisches Tor bewegen. Dazu war Frankreich im zweiten Durchgang aber nur ganz selten in der Lage.

Frankreich - England 1:1 (1:1)
0:1 Lescott (30.)
1:1 Nasri (39.)
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexes, Evra - Diarra - Cabaye (84. Ben Arfa), Malouda (85. Martin) - Nasri, Ribéry - Benzema
England: Hart - Johnson, Terry, Lescott, Cole - Gerrard, Parker (78. Henderson) - Milner, Oxlade-Chamberlain (77. Defoe) - Young, Welbeck (90.+1 Walcott)
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Schweiz)
Zuschauer: 50.000
Gelbe Karten: / - Oxlade-Chamberlain, Young

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