Fragwürdiges Tschad-Sponsoring Viertärmstes Land unterstützt Frankreichs Fußballprofis

"Tschad, die Oase der Sahel-Zone" steht auf den Trikots des Erstligisten FC Metz. Dabei ist der afrikanische Staat vor allem eins: bitterarm. Der millionenschwere Werbevertrag wirft Fragen auf.
Simon Falette (r.) vom FC Metz

Simon Falette (r.) vom FC Metz

Foto: JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN/ dpa

Der französische Erstligist FC Metz, der im Sommer wieder in die Ligue 1 aufgestiegen ist, wirbt auf seinen Trikots für den Tschad. Auf der Brust der Spieler ist seit dem dritten Spieltag der Saison der Schriftzug "Tchad. Oasis du Sahel" ("Tschad. Oase der Sahelzone") zu sehen.

Der zentralafrikanische Staat Tschad ist das viertärmste Land der Welt und ist von schweren wirtschaftlichen Problemen geplagt. Die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen aus der benachbarten Darfur-Region des Sudan, ein fünfjähriger Bürgerkrieg, der erst 2010 beendet wurde, sowie eine Hungersnot haben dem Land in den letzten Jahren zugesetzt. Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram aus dem benachbarten Nigeria ist ebenfalls im Tschad aktiv.

Im Tschad stirbt der Weltbank zufolge etwa jedes siebte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahrs, eine der höchsten Quoten weltweit. Die Lebenserwartung liegt demnach bei 51 Jahren (Deutschland: 81).

In dieser Situation hat der Millionenvertrag für Tourismuswerbung auf Fußballtrikots viel Kritik hervorgerufen. "Ist das nicht rausgeschmissenes Geld?", fragt die französische Zeitung "Le Progrès". Der Vorsitzende des tschadischen Athletikverbandes, Hissène Ngaro, sprach von einem "schlechten Witz".

Sportminister: Keine öffentlichen Gelder

Woher das Geld wirklich stammt, bleibt allerdings umstritten. Der tschadische Sportminister Bétel Miarom wies in einer Stellungnahme  Berichte zurück, wonach der Staat einen Vertrag mit dem Klub geschlossen habe. Eine solche Finanzierung laufe den Interessen der Bevölkerung zuwider.

Der Präsident des FC Metz, Bernard Serin, sagte der Lokalzeitung  "Le Républicain Lorrain", der Sponsorenvertrag sei mit der panafrikanischen Mediengruppe "LC2 International Afnex" ausgehandelt worden. Um sicher zu gehen, dass der Tschad mit dem Deal einverstanden sei, habe er auf der Anwesenheit von Ministern bei der Präsentation bestanden: "Das konnte im Tschad vielleicht für Verwirrung sorgen, aber ich habe den Vertrag mit LC2 abgeschlossen."

Minister Miarom betont, es gehe ihm vor allem darum, tschadischen Fußballern eine Perspektive zu bieten. Schließlich seien im Vertrag auch Jugendförderung in Afrika und Austauschprogramme für Nachwuchsspieler enthalten.

Ob tatsächlich öffentliche Gelder aus dem Tschad in den europäischen Profifußball fließen, oder ob es sich in Wirklichkeit um ein privates Investment handelt, bleibt zunächst unklar. Sicher ist aber schon, dass der Wüstenstaat seine mediale Präsenz in Frankreich massiv gesteigert hat.

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rae/dpa