Frankreichs Sieg gegen Irland Erst Griesgram, dann Griezmann

In der ersten Hälfte gegen Irland tat sich Frankreich sehr schwer. Dann drehte Antoine Griezmann auf. Da half auch alles gesammelte Karma der Iren nicht. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ausgangslage: Der Gastgeber gegen die wohl liebenswertesten Fans der Welt, ein Titelfavorit gegen einen krassen Außenseiter (die Iren stehen erstmals in der eigenen Historie in der K.-o.-Phase einer EM) - sportlich und emotional weckte die Partie hohe Erwartungen. Und dazu liegen beide Mannschaften voll in einem Trend des Turniers: Sie sind beide für Last-minute-Entscheidungen gut. Frankreich gewann gleich zwei Partien in den letzten Sekunden, Irland qualifizierte sich erst sehr spät für das Achtelfinale.

"Betrug" des Spiels: Nur 5.000 Tickets gingen an den irischen Verband - und das gegen den Gastgeber in einem Stadion mit einer Kapazität von knapp 60.000 Plätzen. Die Iren witterten Betrug - erneut. Denn sie fühlten sich erinnert an das Handspiel eines gewissen Thierry Henry in den Playoffs zur WM 2010. Da war ja eh noch eine Rechnung offen.

Ergebnis: 2:1 für Frankreich. Hier gehts zum Spielbericht. Der Gastgeber steht im Viertelfinale und trifft dort auf den Sieger der Partie England-Island am Montag (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Die Startaufstellungen:
Frankreich:
Lloris - Sagna, Koscielny, Rami, Evra - Kanté - Pogba, Matuidi - Griezmann, Payet, Giroud
Irland: Randolph - Coleman, Keogh, Duffy, S. Ward - J. McCarthy, Hendrick - Brady, McClean - S. Long, Dar. Murphy

Die erste Hälfte: Endlich frühes Spektakel! Der schnellste Strafstoß der EM! Das schnellste Tor der EM! Und das auch noch für den Außenseiter. Robbie Brady verwandelte nach 1:58 Minuten aus elf Metern. Die Iren hatten danach durch Daryl Murphy sogar die größte Chance aufs nächste Tor. Frankreich wurde vor allem durch Kopfbälle und einen Freistoß von Paul Pogba gefährlich, wirkte insgesamt aber recht ideenlos - und man muss sagen: wieder mal.

Karma des Spiels: Ein irischer Segenswunsch lautet: "Nimm dir Zeit, freundlich zu sein. Es ist der Weg zum Glück." Die irischen Fans scheinen den Spruch zu kennen. Ob sie den Autoreifen eines Fremden wechseln, ein Baby in den Schlaf singen oder für ein gemeinsames Liebeslied für eine Französin anstimmen - viel netter als die Iren es in Frankreich getan haben, kann sich eine Nation nicht präsentieren. Und so folgte auch das Glück: Vor dem Elfmeter rutschte Adil Rami aus, Pogba verteidigte ungeschickt und der Strafstoß ging vom Innenpfosten ins Tor. Aber Karma allein sollte an diesem Tag nicht reichen.

D ie zweite Hälfte: Frankreich begann verzweifelt: Es gab viele Alleingänge, oft mit dem Kopf durch die Wand. Torwart Hugo Lloris verhinderte das 0:2. Aber plötzlich drehte Antoine Griezmann mit einem Doppelschlag die Partie. Frankreich war in der Folge wie ausgewechselt, mit der Roten Karte gegen Irlands Shane Duffy war das Spiel entschieden. Der eingewechselte André-Pierre Gignac traf noch die Latte. Weitere Chancen zur tatsächlichen Vorentscheidung gab es zu viele, um sie hier alle zu nennen.

Spiegelbild des Spiels: Die Leistung von Antoine Griezmann stand exemplarisch für die seines Teams. In der ersten Halbzeit war er kaum zu sehen, eine kurze Diskussion mit Pogba nach dessen ungenauem Zuspiel zeigte die Unzufriedenheit der Franzosen. Dann folgte eine starke zweite Hälfte mit zwei brillanten Aktionen Griezmanns.

Strafe des Spiels: Durch die schwache erste Hälfte geht Frankreich mit einer Hypothek ins Viertelfinale: Nach der Führung verstrickten die Iren die Franzosen in viele Zweikämpfe, Gelb-Sperren für Rami und N'Golo Kanté sind die Folge.

Erkenntnisse des Spiels: "Mögen die Grenzen, an die du stößt, einen Weg für deine Träume offenlassen", so lautet ein weiterer irischer Segenswunsch. Nach dem Rückstand kam Frankreich tatsächlich an seine Grenzen, aber der Gastgeber fand dank taktischer Umstellungen die Antwort und bestand den Test. Dennoch muss sich die Équipe Tricolore steigern, damit ihr Traum vom Titelgewinn bestehen bleibt. Und die Iren? Ihre Freundlichkeit werden sie nicht verlieren - "Fields of Athenry" hallte ja auch so durchs Stade de Lyon.



insgesamt 4 Beiträge
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klyton68 26.06.2016
1. Griezman
ist überbewertet. Der kommt beim FIFA Daddeln nicht in den Kader. Trotzdem Glückwunsch zum glücklichen Sieg.
ekel-alfred 26.06.2016
2. Man of the Match!
Eindeutig Antoine Griezmann! Diese hervorragende Schauspieleinlage um einen Elfer zu schinden. In der Zeitlupe ist klar zu sehen, das er den Iren trifft und nicht umgekehrt. Widerlich unsportlich!
Attila2009 26.06.2016
3.
Hab das Gefühl dass manche noch bissel eine offene Rechnung mit Griezmann haben ...Atletico oder so....Hat er nicht die Bayern rausgekegelt? Das macht man doch nicht. Für mich ist er ein verdammt guter Stürmer der seine Chancen konzentriert verwertet. Die Franzosen haben aber dann fast noch um den Ausgleich gebettelt.Souverän war das nicht.
comeback0815 26.06.2016
4.
Zitat von Attila2009Hab das Gefühl dass manche noch bissel eine offene Rechnung mit Griezmann haben ...Atletico oder so....Hat er nicht die Bayern rausgekegelt? Das macht man doch nicht. Für mich ist er ein verdammt guter Stürmer der seine Chancen konzentriert verwertet. Die Franzosen haben aber dann fast noch um den Ausgleich gebettelt.Souverän war das nicht.
Kann man so sehen, muss man nicht. Die Franzosen haben das stark und letztlich auch souverän gemacht. Nach dem sehr frühen, zugegeben etwas stupidem 0 : 1, waren sie dominant und druckvoll. Das die Iren noch Mal Chancen hatten, ist oft unvermeidbar. Aber wirklich zwingend war das nicht und in der 2. HZ waren sie dann fußballerisch tot. Das war stark von Frankreich, die das gefährliche Achtelfinale überstanden haben. Ab jetzt wird der Weg ins Finale leichter, denn es kommen zwei Brocken - wer immer das sein wird.
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