Beckenbauer-Vertrauter Radmann Der Kulissenschieber des Kaisers

Franz Beckenbauer und Fedor Radmann waren über Jahre ohne einander nicht denkbar. Der Kaiser strahlte in der Öffentlichkeit, sein Berater zog die Fäden hinter der Bühne. Und verdiente dabei Millionen.

Eingespieltes Duo: Fedor Radmann (l.) und Franz Beckenbauer
Vladimir Rys Getty Images

Eingespieltes Duo: Fedor Radmann (l.) und Franz Beckenbauer

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Seine Qualitäten hat Fedor Radmann schon in jungen Jahren entfaltet. Als einmal die Bediensteten im Bayreuther Restaurantbetrieb seines Vaters in den Ausstand traten, habe er, so erzählt man sich, als junger Kerl kurzerhand Studenten direkt aus dem Hörsaal der dortigen Hochschule engagiert, die den Ausschank am Laufen hielten. Organisieren, Kontakte nutzen, Netzwerke knüpfen - das ist immer schon das Leben des Fedor Radmann gewesen.

Strippenzieher, das ist der zweite Vorname des heute 75-Jährigen geworden, das war damals in der Bayreuther Festspielgastronomie von Radmann Senior nicht anders als später bei der Fifa und beim Deutschen Fußball-Bund oder als Berater der australischen WM-Bewerbung, die ihm jetzt die Vorwürfe des Stimmenhandels eingebracht hat. In Bayreuth, in der Welt der Wagner-Opern, habe er schon als Jugendlicher gerne "hinter die Bühne geschaut", hat er mal der "Welt" erzählt. Hinter der Bühne, da hat er sich immer am wohlsten gefühlt.

Daher war ihm die Rolle als Sherpa von Franz Beckenbauer auch wie auf den Leib geschnitten. Es war seine größte Rolle, die ganz große Oper sozusagen. Beckenbauer war vorne im Scheinwerferlicht der Heldentenor, Radmann hat ihm dafür die Partitur geschrieben. Für diesen Job seines Lebens hat er sich jahrelang warmlaufen können, angefangen schon Ende der Sechziger Jahre, als Willi Daume den jungen Radmann ins Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele in München 1972 holte. Damals, im Job des Leiters des Referats Touristik, Unterbringung und Information, wurde das Kulissenschieben in der Sportwelt zu seiner Passion.

Adidas, ISL, DFB - alles dabei

Tatsächlich hat er im Grunde alle Stationen durchlaufen, die einen zum wetterfesten Cheflobbyisten werden lassen. Er war beim NOK und hat dort die Verbindung zum Internationalen Olympischen Komitee aufgebaut. Er war anschließend jahrelang bei Adidas, dem Ausrüstergiganten aus Herzogenaurach, ohne den in der Fußballwelt keine Entscheidung gefällt wird, zuständig für das Ressort "Internationale Beziehungen". Ein Fach, das er weiter ausfüllte, als er Adidas längst verlassen hatte: Internationale Beziehungen, das könnte auf der Visitenkarte unter seinem Namen stehen.

Nach Adidas ging es zu ISL, dem Sportvermarkter der Kirch-Gruppe, es waren die Jahre, in denen die Agentur am ganz großen Rad drehte, die Großveranstaltungen des Sports und ihre Fernsehübertragungen zu Geld machte, mit welchen Mitteln auch immer. ISL, das wurde zum Kürzel für Korruption im Sport. Damals waren schon diejenigen mit im Spiel, die erst Jahrzehnte später über ihre Politik des Handaufhaltens zu Fall kamen: Joseph Blatter, Mohammed Bin Hammam, Joao Havelange. Radmann begann, bei ihnen ein- und auszugehen.

Blatter, Beckenbauer, Radmann - man versteht sich
Walter Bier DPA

Blatter, Beckenbauer, Radmann - man versteht sich

Der Weg zu Franz Beckenbauer war von dort nicht weit. Der Kaiser und sein langjähriger Manager und Türöffner Robert Schwan hatten immer schon gute Verbindungen zur ISL gehabt, über die Adidas-Eigentümerfamilie Dassler, die als Anteilseigner in der ISL steckte, war auch der Draht zum Ausrüster kurz. Radmann war überall mittendrin statt nur dabei.

2003 musste er als OK-Vize gehen

Als Beckenbauer zum OK-Chef der Heim-WM 2006 berufen wurde, stieg Radmann 2001 zu seinem Vizepräsidenten auf, die Beraterverträge für Adidas und ISL ließ er ungeachtet dessen aber weiterlaufen. Als dies zwei Jahre später öffentlich wurde, musste Radmann das Amt aufgeben. Offiziell hieß es damals, Radmann habe "aus persönlichen Gründen um Zustimmung gebeten, aus dem operativen Geschäft ausscheiden zu können".

Radmann wäre aber nicht Radmann, wenn er damals nicht durch die Hintertür wieder zurückgekommen wäre. Als Berater fürs Organisationskomitee kassierte er weiter. Die Zahlen kommen erst 2016 im Zuge der Ermittlungen um die Sommermärchen-Affäre an die Öffentlichkeit: Als Vizepräsident ließ er sich 60.000 Euro im Monat auszahlen, einmal gab es eine Bonuszahlung von 500.000 Euro, dessen Ursache nicht ganz klar ist. Als er 2003 gehen musste, wurde ihm eine Abfindung von 250.000 Euro gegönnt, als Berater verdiente er sich danach 320.000 Euro im Jahr. Insgesamt hat ihm die WM zusammengerechnet rund drei Millionen Euro eingebracht.

Verschlungene Zahlungsflüsse von der Fifa über Millionensummen, die eigentlich für Beckenbauer gedacht waren, aber über das Konto Radmanns liefen, kamen später hinzu. Die Verbindung Beckenbauer-Radmann war damals schon so eng, dass Beckenbauer selbst bei seiner Vernehmung durch Schweizer Ermittler davon sprach, sie seien "wie siamesische Zwillinge", wenn es ums Geschäft ging. Dass dies spätestens bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 zum Problem werden könnte, war beiden offensichtlich bewusst: Dem Fifa-Exkomitglied Beckenbauer, der den Ausrichter mitwählen konnte, und dem Berater Radmann, der einem der WM-Bewerber mit Rat und Tat zur Seite stand.

Horst Schmidt, Beckenbauer, Radmann, Wolfgang Niersbach
Matthias Schrader DPA

Horst Schmidt, Beckenbauer, Radmann, Wolfgang Niersbach

So tauchte Radmann nur verklausuliert als Berater der Australier auf, offiziell war der Radmann-Freund Andreas Abold derjenige, der die Bewerbung betreute. Abold, Beckenbauer, Radmann - eine Verbindung, die bis heute hält: In Südafrika haben die drei vor Jahren das Weingut Lammershoek gekauft. Wein ist krisensicher.

Auch im Freshfields-Report des DFB, der die Vorfälle ums Sommermärchen untersuchen sollte, wird Radmann fast gar nicht erwähnt, dagegen hat der Fifa-Untersucher Michael Garcia, der sich im Auftrag des Weltverbandes um die WM-Vergaben an Russland und Katar angeschaut hat, die Rolle Radmanns schon vor zwei Jahren deutlich kritisiert. Garcia hatte dazu auch Radmann selbst befragt, die "Bild"-Zeitung hat danach ausgerechnet, dass er laut Protokoll dabei 76 Mal gesagt habe, er wisse von nichts. Der damalige DFB-Chef Grindel reagierte darauf fast seufzend: "Es ist schon sehr bedrückend, was vor allem über die Rolle des früheren WM-OK-Mitglieds Fedor Radmann im Garcia-Report zu lesen ist." Passiert ist danach nichts.

Strippenzieher, Pate, Schattenmann, Beziehungskünstler, Mann fürs Grobe, die Spinne im Netz - Radmann hat sich im Laufe seiner Lobbykarriere viele Attribute verdient. Er selbst formuliert das allerdings anders. Zum 75. Geburtstag vertraute er dem "Berchtesgadener Anzeiger" an: "Ich bin für mein Leben extrem dankbar. Durch die Begegnung mit verschiedenen außergewöhnlichen Menschen konnte ich mich entsprechend entwickeln."



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frankfurtbeat 30.10.2019
1. und ...
und auch hier - weg mit dem Vermögen und ab in die Einraumbude in der Stadelheimer Straße. Unglaublich die Taschen nicht voll kriegen ... lügen bis sich die Balken biegen ... irgendwann kommt es dann doch raus und jetzt schauen wir mal wie sich die deutsche Rechtsprechung verhält. Mich als kleinen unbedeuteten Michel hätten sie bereits in U-Haft gesteckt und gammeln lassen. Der Kaiser hat längst verloren nur begriffen hat er es anscheinend noch nicht wirklich. Ab in den Knast mit beiden und dem ganzen Clan hinten dran.
neanderspezi 30.10.2019
2. Im Sport sind die Funktionäre von Natur aus gegen Korruption immun
Sport, vor allen Dingen im Fußball, ist mit all seinen Funktionären, wie man hier erfahren darf, von Korruption vollkommen unbefleckt, man könnte auch sagen immun gegen Zuwendungen und Absprachen aller Art. Wenn man solche Funktionäre vertrauensvoll lächelnd beieinanderstehen sieht, kann man eigentlich keinen Zweifel haben, dass hierbei nur Ehrenmänner zusammengefunden haben, denn so sehen sie vertrauensvoll betrachtet für den Sportenthusiasten auch aus. Jede andere Betrachtungsweise wäre auch ein nicht gut zu machender Imageschaden für den über alles bewunderten und verehrten Sportzirkus.
anonlegion 30.10.2019
3. So ist das System
Nicht nur im Sport sondern auch in der Politik. Punkt Gefällt uns nicht? Dann müssen wir es ändern.
neanderspezi 30.10.2019
4.
Haie im Sportbecken sind für die Barsche gewöhnlich nicht so sehr angenehm, vor allen Dingen weil sie mit einem ungeheuren Appetit im Becken ihre Kreise ziehen und die Barsche sich gewöhnlich sehr tummeln müssen, um nicht als Appetithappen für sie herhalten zu müssen.
rösti 30.10.2019
5. So
Zitat von anonlegionNicht nur im Sport sondern auch in der Politik. Punkt Gefällt uns nicht? Dann müssen wir es ändern.
Nein so ist nicht das System, ,das sind Stammtisch Slogans, ich zumindest keinen Deutschen Politiker der sich mit Millionen bestechen hat lassen. Das sind Behauptungen und die sind untragbar, aber zur Zeit in Deutschkand üblich. Hier geht es um den so genannten Kaiser, der anscheinend zwei mal unrechtmässig Bestechungsgeld genommen hat und dann vielleicht noch an der Steuer vorbei! Das erste mal,dachte ich der ist Geldgeil und Dumm, aber jertzt nach dem anscheinend zweiten mal ist er einfach kriminell und gehört ins Gefängnis! So mit sind alle Bayern Legenden vom Vorstand kriminelle! Man sollte mal tiefer graben beim FC Bayern um zu sehen welche Leichen noch im Keller liegen.....?.
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