Affäre um WM-Vergabe 2006 Beckenbauer bediente sich eines alten Schweizer Netzwerks

Gute Freunde kann niemand trennen: Bei der Millionenzahlung an den Fifa-Funktionär Bin Hammam setzte Franz Beckenbauer auf einen Bekannten aus dem Schweizer Ort Sarnen.
Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer

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Der Anwalt Othmar Gabriel, über den Franz Beckenbauer und sein früherer Manager Robert Schwan nach Erkenntnissen der Kanzlei Freshfields von Ende Mai 2002 an sechs Millionen Franken an den früheren Fifa-Funktionär Mohamed Bin Hammam überweisen ließen, gehört nach SPIEGEL-Informationen zu einem alten Geschäfts-Netzwerk Beckenbauers im Schweizer Städtchen Sarnen.

In den Achtzigerjahren hatte Gabriel in der Kanzlei des früheren Beckenbauer-Beraters Hans Hess gearbeitet, erst als Praktikant, dann als Anwalt, und sich danach selbstständig gemacht. Der Jurist aus dem Kanton Obwalden stand um die Jahrtausendwende neben Beckenbauers Manager Schwan im Handelsregister der Vermarktungsfirma SKK-Rofa. Gabriel war auch der Liquidator, als diese Firma im Jahr 2010 aufgelöst wurde.

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Franz Beckenbauer hatte seinen Wohnsitz 1977 aus steuerlichen Gründen nach Sarnen im Kanton Obwalden verlegt. Dort soll er trotz seiner damaligen Millioneneinnahmen pro Jahr weniger als 20.000 Franken Steuern gezahlt haben. Möglich gemacht hatte dies der Anwalt Hans Hess aus Sarnen, der gleichzeitig einer der Spitzenpolitiker des Kantons war, ab 1981 sogar Justizdirektor.

Hess kümmerte sich für Beckenbauer um die gemeinsame Firma Heka GmbH, in der Werbeeinnahmen Beckenbauers aus den Jahren 1970 bis 1975 eingelaufen waren. Als Hess die Firma Heka liquidierte, versuchte er, wie die Richter später feststellen, gut 1,2 Millionen Franken an der Steuer vorbeizuschleusen. Hess kassierte eine Verurteilung wegen "eventualvorsätzlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung", Beckenbauer musste Steuern nachzahlen.

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