Franz Beckenbauer "Unser Fußball ist ganz unten"

In der Kritik am Zustand der Nationalmannschaft gibt der Präsident des FC Bayern München seinem Spieler Jens Jeremies prinzipiell recht. Nur die Methode gefällt Franz Beckenbauer nicht.


München - Franz Beckenbauer hat in der Diskussion um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft deutlich Position für Teamchef Erich Ribbeck und gegen dessen Kritiker Uli Hoeneß und Jens Jeremies bezogen. "Einfach überflüssig" nannte der Präsident des FC Bayern München und Vizepräsident des DFB in einem Interview der Münchner "Abendzeitung" die Attacken der Bayern-Akteure Hoeneß und Jeremies.

"Wo sind denn die Übermannschaften, die uns weghauen?"
DPA

"Wo sind denn die Übermannschaften, die uns weghauen?"

Nach Ansicht Beckenbauers ist Jeremies, der den Zustand der Nationalmannschaft als "jämmerlich" bezeichnet hatte, "deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Solche Schläge kann Teamchef Erich Ribbeck nicht akzeptieren. Passiert so was in einer Firma, kriegst du eine Abmahnung". In Anspielung auf Hoeneß-Äußerungen, wonach Spieler "geschockt" vom Länderspiel gegen die Niederlande zurück gekehrt seien, konterte der Bayern-Präsident, dies sei "auch eine gewaltige Ablenkung von eigenen Schwächen. Viele schieben die Schuld auf den angeblich konfusen Teamchef". Doch seiner Meinung nach könne "kein Teamchef der Welt" Leistungsunterschiede wie zwischen den Deutschen und den Niederländern ausgleichen.

Beckenbauer stellte der deutschen Sportart Nummer eins ein ähnlich schlechtes Zeugnis aus wie Jeremies vor zwei Wochen: "Unser Fußball ist derzeit ganz unten." Dies liege aber nicht an Ribbeck, sondern an der mangelnden Ausbildung. Dennoch sieht der "Kaiser" für die bevorstehende Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden alles andere als schwarz. Er beteilige sich nicht "an den modischen Untergangsreden", so der einstige Teamchef: "Wo sind denn die Übermannschaften, die uns weghauen? Sicher, die Holländer sind eine Stufe besser. Aber danach kommt nichts, was uns eine Angst einjagen muss."



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