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20. Februar 2017, 07:21 Uhr

Honorar aus Südafrika

Beckenbauer durch bislang unbekannte Zahlungen belastet

Weil Südafrikas Fußballverband ein Honorar für Berater Beckenbauer nicht zahlen konnte, ist angeblich die Fifa eingesprungen. Das Geld soll laut einem Medienbericht an eine Firma in Gibraltar überwiesen worden sein.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat vor rund einem halben Jahr wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Untreue im Zuge der Fußball-WM 2006 in Deutschland ein Ermittlungsverfahren gegen Franz Beckenbauer eröffnet. Offenbar soll der 71-Jährige nun auch durch bislang unbekannte Zahlungen belastet sein, die mit der WM 2010 in Südafrika in Zusammenhang stehen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Demnach soll das Geld, das Beckenbauer von der Fifa bekommen haben soll, an eine Firma im Steuerparadies Gibraltar überwiesen worden sein.

Die Zeitung, die sich auf vorliegende Ermittlungsakten beruft, berichtet weiter, dass der südafrikanische Fußballverband 2005 in finanzielle Schieflage geraten sei. Deshalb habe sich dieser an die Fifa gewandt und um Hilfe gebeten. Dabei soll es den Angaben zufolge auch um Rechnungen für drei Berater gegangen sein, die Südafrika bei der WM-Bewerbung geholfen hatten: Beckenbauer sowie seine Vertrauten Andreas Abold und Fedor Radmann. Mindestens 1,7 Millionen Euro soll die Fifa für den südafrikanischen Fußballverband an die drei gezahlt haben.

Angeblich soll der damalige Fifa-Generalsekretär Urs Linsi die Begleichung der Rechnungen persönlich veranlasst haben, obwohl der Fußballweltverband Bewerbungskosten nicht erstatten darf. Laut der Ermittlungsakten sollen Abold und Radmann ihre Honorare direkt erhalten haben, Beckenbauers Geld soll auf ein Konto einer Firma in Gibraltar überwiesen worden sein. Das hat offenbar der damalige Fifa-Finanzchef Markus Kattner bei der Schweizer Staatsanwaltschaft ausgesagt.

Weder Beckenbauer noch die Fifa äußerten sich zu dem Bericht.

Der SPIEGEL hatte im September über die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens gegen Beckenbauer berichtet. Grund für die Ermittlungen ist eine Reihe dubioser Zahlungsströme über zehn Millionen Schweizer Franken, die 2002 ihren Anfang nahmen und 2005 endeten. Diese hatte der SPIEGEL 2015 aufgedeckt.

max

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