Franz Beckenbauer zur WM 2006 "Keine Stimmen gekauft"

Erstmals in der Affäre um die mutmaßlich gekaufte WM in Deutschland 2006 hat sich Franz Beckenbauer öffentlich geäußert. Einen Stimmenkauf bestreitet er - gibt aber einen Fehler zu.
Ex-OK-Präsident Beckenbauer: "Für diesen Fehler trage ich die Verantwortung"

Ex-OK-Präsident Beckenbauer: "Für diesen Fehler trage ich die Verantwortung"

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Franz Beckenbauer hat sich in der WM-Affäre vor der externen Untersuchungskommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erklärt und eine Manipulation bei der Vergabe der WM 2006 bestritten. "Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen", teilte der 70-Jährige am Montagabend in einer knappen Stellungnahme mit.

Gleichzeitig räumte Beckenbauer ein Fehlverhalten des Organisationskomitees ein, an dessen Spitze er stand. "Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung", so Beckenbauer.

Der SPIEGEL hatte enthüllt, dass das Bewerbungskomitee für die WM 2006 eine schwarze Kasse eingerichtet hatte, mit der die Vergabe des Turniers mutmaßlich gekauft wurde. An diesem Wochenende legte der SPIEGEL nach und untermauerte die Vorwürfe.

Laut eigener Aussage stand Beckenbauer am Montag in München der externen Untersuchungskommission des DFB Rede und Antwort. Der Verband hat die internationale Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beauftragt, die Affäre aufzuklären. (Lesen Sie hier Beckenbauers Erklärung im Wortlaut.)

Beckenbauer äußerte sich in seiner Erklärung damit ähnlich wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Dieser hatte am Donnerstag mit Hinweis auf persönliche Erinnerungen von Beckenbauer eine angebliche 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus erläutert. Demnach soll die Fifa-Finanzkommission die Zahlung gegenüber Beckenbauer zur Bedingung für einen späteren 170-Millionen-Euro-Zuschuss der Fifa für die deutschen WM-Macher erklärt haben, ehe Dreyfus für das WM-OK gegen einen Schuldschein Beckenbauers in Vorleistung gegangen wäre. 2005 sollen die WM-Organisatoren das Geld über den Umweg Fifa als Beitrag zu einem Kulturprogramm an Dreyfus zurückgezahlt haben.

Fifa-Chef Joseph Blatter sagt dazu: "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht."

Video: Niersbachs Version zu den dubiosen 6,7 Millionen Euro

kicker.tv

Eine weitere Erklärung will Beckenbauer vorerst nicht abgeben. "Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission", sagte Beckenbauer und kritisierte damit offenkundig den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der im SPIEGEL von schwarzen Kassen bei der WM-Bewerbung gesprochen und Niersbach der Lüge bezichtigt hatte.

Video: Zwanziger über die WM-Bewerbung 2006

SPIEGEL TV
wal/syd/sid/dpa
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