Französische Presse Unverdauliches am Mittagstisch


Paris - Die französische Presse hat mit herber Kritik, aber auch mit Humor auf das 0:1 der "Equipe tricolore" gegen Senegal im Eröffnungsmatch der Fußball-WM reagiert. Für die Sport-Tageszeitung "L'Equipe" war die Niederlage eine Katastrophe wie der Einzug des Rechtsradikalen Jean Marie Le Pen in die Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten: "Die Wahrheit auf dem Feld trat mit einem Paukenschlag zutage wie ein 21. April."

Während "Le Parisien" titelte: "Das war ein Donnerschlag im Weltfußball", analysierte die "Presse de la Manche": "Weniger als die Niederlage beunruhigt die Tatsache, dass der Herausforderer viel besser die Dynamik und Spielfreude vortrug, die bei einer Weltmeisterschaft erwartet werden kann."

Für "La Liberte de l'Est" lag ein Grund der Niederlage in der Überforderung der Stars des Weltmeisters in den jeweiligen Ligen: "Die jungen Talente des Senegal, die alle in der französischen Meisterschaft spielen, haben eine Frische gezeigt, mit der der Weltmeister, ausgelaugt von den infernalischen Anforderungen in der italienischen, spanischen und englischen Meisterschaft, nicht zurecht kam. Das Fehlen von Spielwitz, die Apathie, die Unfähigkeit, die Zweikämpfe zu bestehen begründen die Zweifel über die WM-Zukunft dieser Mannschaft."

Mit Humor nahm dagegen "Le Progres" die Auftaktpleite des Titelverteidigers: "Zu einer Zeit, da ganz Frankreich am Mittagstisch saß, bot Frankreich Unverdauliches."



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