Frauenfußball-WM 2015 Deutschland fährt ohne Medaille heim

Das hatte sich die DFB-Auswahl anders vorgestellt: Mit einer Niederlage beendet das Team um Bundestrainerin Silvia Neid die WM in Kanada und verpasst damit auch das Minimalziel Bronze.

Deutschlands Leupolz: Erneute Enttäuschung bei der WM
AFP

Deutschlands Leupolz: Erneute Enttäuschung bei der WM


Enttäuschung für die Frauennationalmannschaft: Im Spiel um Platz drei hat das Team von Bundestrainerin Silvia Neid unglücklich 0:1 nach Verlängerung gegen England verloren und sich damit ohne eine Medaille von der Weltmeisterschaft in Kanada verabschiedet. Fara Williams erzielte in der zweiten Hälfte der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer per Elfmeter (108. Minute). Zuvor soll Verteidigerin Tabea Kemme die eingewechselte Lianne Sanderson strafstoßwürdig gehalten haben.

"Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, bis auf den Torabschluss", sagte Nadine Angerer, die ihre Karriere im DFB-Dress nach 19 Jahren mit einer Niederlage beendet: "Es zieht sich durch das ganze Turnier, dass wir nicht gut im Torabschluss waren. Wenn man keine Tore schießt, kann man nicht gewinnen." Für die "Three Lionesses" war es im 21. Versuch der erste Länderspielsieg überhaupt gegen eine DFB-Elf.

Neid, die im Vorfeld der Partie harsch kritisiert worden war, veränderte im Vergleich zur Halbfinal-Niederlage gegen die Amerikanerinnen (0:2) ihre Startelf auf fünf Positionen. Und zwei der Neuen machten gleich auf sich aufmerksam: Nach nicht einmal einer Minute flankte Sara Däbritz auf Lena Petermann, doch den Versuch der Freiburgerin rettete Englands Torfrau Karen Bardsley auf der Linie. Die DFB-Mannschaft beließ es nicht beim kurzen Offensivwirbel, sondern machte weiter Druck. Beinahe hätte ein Fehler von Bardsley zur Führung gereicht. Kapitänin Stephanie Houghton konnte den Kopfball der Mitspielerin aber artistisch retten (8.) und hatte nur wenige Minuten später auf der anderen Seite die Chance, England in Führung zu schießen. Ihr Schuss aus rund sieben Metern war aber zu schwach, Angerer konnte ihn sogar festhalten.

Nur Däbritz überzeugt

Anschließend verflachte die Partie zunehmend, nur Däbritz zeigte im neuen 4-4-2-System der DFB-Mannschaft ein paar Mal ihre Klasse. Zunächst unterlief Mitspielerin Lena Goeßling allerdings ein technischer Fehler (17.), dann zielte die Bald-Münchnerin etwas zu hoch (18.). Viel mehr passierte in der ersten Hälfte nicht. Vorne fehlte dem deutschen Team die Durchschlagskraft, das Aufbauspiel war fehlerhaft. So gab es kaum klare Torchancen, dafür zahlreiche kleine Fouls.

Es musste also etwas passieren, doch auch der zweite Durchgang verlief zunächst ereignislos, bis erneut die 21-jährige Däbritz für einen Weckruf sorgte. Ihre starke Direktabnahme hätte einen Treffer verdient gehabt, doch Bardsley parierte stark (53.). Die deutsche Elf erhöhte nun das Tempo, wollte die Partie noch in der regulären Spielzeit entscheiden. Petermanns Schuss wurde aber abgeblockt (54.), Kemme zielte nach einem Solo zu ungenau (69.).

Moment der Entscheidung: Williams jubelt über Elfmetertreffer
Getty Images

Moment der Entscheidung: Williams jubelt über Elfmetertreffer

Mittags Wechsel hilft den Engländerinnen

Neid wechselte: Für die diesmal unauffällige Celia Sasic kam Anja Mittag. Doch nicht die Deutschen wurden dadurch gefährlicher, sondern die Engländerinnen zeigten sich erstmals wieder in der Offensive. Einen Schuss aus der Distanz konnte Bianca Schmidt noch blocken, dann aber war Jill Scott durch, kam in der 76. Minute jedoch ebenso nicht zum Abschluss wie kurz darauf Karen Carney - Glück für die DFB-Elf, die auch anschließend nur in der Defensive gefordert war, sich aber immerhin in die Verlängerung retten konnte.

Dort riskierten beide Teams nicht mehr viel, die Kräfte schwanden, Chancen gab es fast nur noch durch Standardsituationen. Die eingewechselte Melanie Leupolz hatte noch die beste Möglichkeit, schoss aber weit drüber (105.). Dann wurde es kurios: In der zweiten Hälfte der Verlängerung hielt zunächst Saunderson Kemme, die sich daraufhin revanchierte. Schiedsrichterin Hyang Ok Ri aus Nordkorea entschied auf Elfmeter, Williams verwandelte sicher.

Die DFB-Elf warf nun noch mal alles nach vorne. Mittags Schuss von der Strafraumgrenze ließ Bardsley aber nur kurz nach vorne abprallen (115.). Eine Minute später kam Schmidt völlig frei zum Kopfball, setzte den Ball aber neben das Tor. So verzweifelte die Auswahl des DFB einmal mehr an der schwachen Chancenauswertung und fährt mit einem Negativerlebnis zurück nach Deutschland. Das Finale bestreiten am Sonntag Deutschland-Bezwinger USA und Titelverteidiger Japan.

Deutschland - England 0:1 (0:0) n.V.
0:1 Williams (108. Foulelfmeter)
Deutschland: Angerer - Schmidt, Peter, Bartusiak, Kemme - Goeßling (101. Popp), Behringer (46. Leupolz) - Laudehr, Däbritz - Petermann, Sasic (73. Mittag)
England: Bardsley - Houghton, Bassett, Potter - Bronze, J. Scott, Williams (112. Stoney), Chapman (80. Sanderson), Greenwood - White (61. Aluko), Carney.
Schiedsrichterin: Ri Hyang Ok (Nordkorea)
Zuschauer: 21.483
Gelbe Karten: - Chapman, Bardsley, Bassett

zaf



insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
peterpretscher 05.07.2015
1. Deutschland vs. England 0 : 1
Deutschland Nur Vierter! Was jetzt DFB und Neid!?? Weitermachen wie bisher?
Blaue Libelle 05.07.2015
2. Na und?
Es mag politisch nicht korrekt sein: Damen-Fußball wird es nicht bringen. Es interessiert einfach k(aum)einen. Lasst es als Nischensport weiterlaufen, aber hyped es nicht hoch.
murun 05.07.2015
3. Schade.
Nadine Angerer: Werden Sie bitte realistisch. Fazit: Silvia Neid ist wirklich beratungsresistent und sucht gar nicht erst bei sich nach Fehlern... Bis 2106 sind wir ihr sicher, weil sie ja als Spielerin so wichtig war...
BettyB. 05.07.2015
4. Nun ja...
Zu verlieren ist wahrlich weder Schande noch Problem, für die Spielerinnen aber gewiss bitter. Die Lehre: Es klappt nicht immer. Auch zu bedenken: Frau sollte mal Einwurf üben. Wie bei der Weltmeisterschaft der Männer die Gegner so trafen die eingeworfenen Bälle fast ausschließlich die köpfe oder Körper der Gegnerinnen. Also: Üben, üben, üben, denn jeder sträflich verlorene Ball ist ein Übel...
L.B. 05.07.2015
5. Für den 4. Platz hat es noch gereicht.
Mit dem vierten Platz kommen sie noch gut weg. Ihre Leistung mögen andere Bewerten, als Sympathisant konnte ich zwar die Leistungsbereitschaft bei den Frauen immer erkennen, doch war die Aufwand-Effizienz Relation im großen und ganzen...naja...Jetzt habe ich doch bewertet. Sie haben es mit der leistung überrschanderweise ins Spiel um Platz 3 geschafft. Nimmt man diese Leistung als Maßstab, ist der 4. Platz angemessen. Ob die Mannschaft samt Stab mit dem Niveau zufrieden sind?
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