Englands Sieg gegen Argentinien Diese WM wird auf den Außenbahnen entschieden

Lucy Bronze ist die beste Rechtsverteidigerin der WM. Zusammen mit Nikita Parris und Beth Mead bestimmt sie das englische Spiel. Ein solches Tempo auf den Außen kann das deutsche Team nicht bieten.

Augen auf den Ball: Lucy Bronze und Estefania Banini
Marc Atkins/Getty Images

Augen auf den Ball: Lucy Bronze und Estefania Banini

Aus Le Havre berichtet


Es fehlte nicht viel, und Argentinien hätte gegen England den zweiten Punktgewinn der WM-Geschichte feiern können. Wieder wäre es, wie im ersten Spiel gegen Japan, ein torloses Remis gewesen. Möglich hätte es Torhüterin Vanina Correa gemacht. Die Spielerin des Spiels vereitelte insgesamt sieben Torchancen, darunter einen Elfmeter von Nikita Parris. "Die Torhüterinnen sind bei dieser WM wirklich fantastisch", sagte Englands Trainer Phil Neville. "Correas Parade beim Schuss von Parris war Weltklasse."

Am Ende gewannen die Lionesses vor 20.294 Zuschauern in Le Havre dann aber doch 1:0 (0:0), und es überraschte nicht, dass der siegbringende Angriff über die linke Seite vorgetragen wurde. Argentinien, mit einer ansonsten zaghaften Offensive ausgestattet, hatte sich in der 61. Minute doch einmal etwas weiter nach vorne gewagt und lief direkt in einen Konter. Der Ball kam im Mittelfeld zu Fran Kirby, die Beth Mead freispielte. Die Spielerin des FC Arsenal passte scharf in den Fünfmeterraum, wo Jodie Taylor den Ball ins leere Tor schieben konnte. Correa war geschlagen - das erste Mal bei dieser WM.

Englands Partien - zuvor wurde Schottland 2:1 besiegt - haben gezeigt, dass die Spielerinnen sich in Sachen Chancenverwertung etwas zu sehr an ihrem Trainer orientieren. Neville hatte in 59 Länderspielen für England kein Tor und in fast 700 Vereinsspielen gerade mal 13 Tore erzielt. Andererseits tritt das Team sehr dominant auf, steht mit Spielführerin Steph Houghton defensiv sicher und verfügt über zwei Pärchen auf den Außenbahnen, die Englands Spiel extrem variabel machen.

Argentiniens Torhüterin Vanina Correa zeigte gegen England eine herausragende Leistung.
Bernadett Szabo/REUTERS

Argentiniens Torhüterin Vanina Correa zeigte gegen England eine herausragende Leistung.

Hinter Mead auf der linken Seite spielt Alex Greenwood. Rechts übernimmt Parris den offensiveren Part, dahinter hat Neville mit Lucy Bronze von Olympique Lyon die beste Rechtsverteidigerin der Welt zur Verfügung. Das sind zwei explosive Duos, die ihre Abläufe im Training erkennbar einstudiert haben, immer wieder bis zur Grundlinie gehen und gegen Argentinien in unterschiedlichen Konstellationen an nahezu allen gefährlichen Aktionen beteiligt waren.

Eine unspektakuläre Szene aus der 18. Minute zeigt, was die beiden Außenbahnen Englands besonders macht: der Drang zum gegnerischen Tor. Diesmal war Taylor auf die rechts Seite ausgewichen, der Angriff war wegen einer argentinischen Überzahl nicht erfolgsversprechend. Bronze marschierte trotzdem im Vollsprint in den Strafraum, immer bereit einzugreifen, doch als Taylors Flanke abgewehrt wurde, ging es für Bronze im gleichen Tempo zurück auf die Verteidigerposition.

Ob es für England zum durch Neville als Ziel ausgegebenen WM-Titel reichen wird, ist noch nicht zu sagen. Feststeht aber, dass die Lionesses zu den bisher drei besten Teams dieser Weltmeisterschaft zählt, neben Frankreich und den USA. Und alle drei Nationen zeichnet das Tempo, die Dribblings und die Tiefe im Spiel auf den Außenbahnen aus. Bei den Amerikanerinnen liegt das insbesondere an den Stürmerinnen Tobin Heath und Megan Rapinoe. Frankreich hat mit Eugenie Le Sommer, Amel Majri, Kadidiatou Diani und Delphine Cascarino ebenfalls vier Profis, die Spiele entscheiden können.

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Das deutsche Team hat diese Möglichkeiten auf den Außenbahnen nicht. Im bisher bevorzugten 4-4-2 kamen auf den vier Positionen insgesamt sieben Spielerinnen zum Einsatz. Wirklich überzeugt hat nur Svenja Huth. Die Außenverteidigerinnen konzentrierten sich bislang auf die Defensive, es wurde zu häufig aus dem Halbfeld geflankt und einstudierte Spielzüge waren nicht zu erkennen. Im linken Mittelfeld zeichnet sich keine Lösung ab.

Doch zurück zu den Engländerinnen. Neville hatte sich zu vier Wechseln in der Startelf entschieden. Weichen mussten auch Stammtorhüterin Karen Bardsley und Ellen White, Torschützin gegen Schottland. Das war riskant, blieb jedoch folgenlos. "Wir sind eine Familie", sagte der Trainer: "Ich vertraue allen meinen Spielerinnen und es kann sein, dass ich gegen Japan wieder umstellen werde." Dann geht es am 19. Juni um den Gruppensieg (21 Uhr, ZDF-Stream; Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Für die Außendienstler Bronze, Mead, Parris und Greenwood die nächste Chance, Neville zu zeigen, wie man Tore schießt.

England - Argentinien 1:0 (0:0)
1:0 Taylor (61.)
England: Telford - Bronze, Houghton, McManus, Greenwood - J. Scott, Moore, Parris (87. Daly), Kirby (89. Carney) , Mead (81. Stanway) - Taylor
Argentinien: Correa - Sachs, Barroso, Cometti, Stabile - Banini (68. Larroquette), Bravo, Mayorga, Benitez (77. Santana), Bonsegundo - Sole Jaimes (90. Oviedo)
Schiedsrichterin:
Qin (China)
Gelbe Karten: Moore / Barroso, Cometti



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