Zweiter Sieg für Titelverteidiger USA Die nächste Bestmarke wartet schon

Wer soll die USA bei dieser WM schlagen? Gegen Chile veränderte Trainerin Jill Ellis die Startelf auf sieben Positionen, an der Dominanz änderte das nichts. Die Jüngste im Kader bereitete zwei Tore vor.

Das US-Team jubelt über den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel
Alessandra Tarantino / AP

Das US-Team jubelt über den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel

Aus Paris berichtet


Die Verwunderung war groß im Prinzenpark. Da hatte die USA im ersten Gruppenspiel gegen Thailand mit 13 Toren einen WM-Rekord aufgestellt, aber in den Jubel hatten sich auch Fragen nach mangelndem Respekt den Gegnerinnen gegenüber gemischt. Und was machte Trainerin Jill Ellis? Sie nahm vor der Partie gegen Chile gleich sieben Spielerinnen aus der Startelf, darunter die fünffache Torschützin Alex Morgan und Kapitänin Megan Rapinoe. So als seien die Chileninnen nur zweitklassig und es reiche auch eine B-Elf.

Doch diese Einschätzung war so irreführend wie die Kritik an der ausgelassenen Freude über den dreizehnten Treffer gegen Thailand. Die US-Nationalspielerinnen sind extrem ehrgeizig, sie wollen immer den maximalen Erfolg und tun das für sich. Gegen Chile sprang dabei ein 3:0 (3:0)-Sieg heraus, ein deutlich höheres Ergebnis verhinderte nur Torhüterin Christiane Endler mit mehreren beachtenswerten Paraden. Ellis weiß jetzt: Sie hat keine B-Elf, sondern zwei nahezu gleichwerte A-Formationen, die beide um den WM-Titel spielen würden.

"Ich habe keine Angst, dass die Spielerinnen ihren Rhythmus verlieren", sagte die Trainerin nach dem Spiel. Ellis betont bei jeder Gelegenheit, dass im Laufe einer Weltmeisterschaft viel passieren könne und wie wichtig ausgeruhte Spielerinnen seien: "Fußball ist ein verrücktes Spiel." So verrückt, dass die als Ergänzungsspielerin angereiste Carli Lloyd mittlerweile schon drei Tore erzielt hat und nun die erste Spielerin ist, die in sechs aufeinanderfolgenden WM-Spielen getroffen hat. Wenn die USA antreten, fallen Rekorde.

Die USA brauchen noch zwei Tore für den nächsten Rekord

Die nächste Bestmarke wartet schon. Die 17 Vorrundentore der späteren Weltmeisterinnen aus Norwegen 1995 schienen angesichts der immer größer werdenden Leistungsdichte in der Weltspitze ein schwer zu knackender Rekord, doch die USA stehen bereits bei 16. Am kommenden Donnerstag steht das dritte Gruppenspiel gegen Schweden an (21 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE), dann geht es um Platz eins in der Gruppe F.

In der Geschichte der Weltmeisterschaften gab es schon viele herausragende Teams. Die USA selbst gewannen bereits drei Titel (1991, 1999, 2015). Norwegen ließ 1995 im gesamten Turnierverlauf nur ein Gegentor zu. Komplett ohne Gegentreffer blieb Nadine Angerer 2007 beim zweiten WM-Titel der deutschen Mannschaft. Doch das aktuelle US-Team scheint noch eine Stufe höher zu stehen.

Die Spielerinnen sind außergewöhnlich athletisch, aber auch technisch gut geschult. Im 4-3-3 gibt es eine klare taktische Idee, die durch die individuelle Qualität der Spielerinnen immer wieder aufgebrochen wird. Das Tempo, mit dem nahezu alle Pässe gespielt werden, bietet kein anderes Team bei dieser WM. In zwei Spielen schoss die USA bereits 65-mal auf das gegnerische Tor. Und dann sind da noch die Standardsituationen, die jederzeit für eine Entscheidung im Spiel sorgen können.

Davidson bereitet zwei Tore vor

Gegen Chile führte die Jüngste im Kader viele Ecken und Freistöße aus und bereitete so ein Tor von Lloyd und das 2:0 von Julie Ertz vor. Tierna Davidson ist 20 Jahre alt, sie spielt bei den Chicago Red Stars in der Profiliga NWSL, und der Linksverteidigerin wurden als Vertreterin der etablierten Crystal Dunn nur geringe Einsatzchancen eingeräumt. "Davidson kann Spiele mit ihren Pässen und Standardsituationen entscheiden", sagte Ellis und lächelte dabei wie Hannibal vom A-Team, wenn ein Plan funktioniert.

Die Trainerin hat es schon nach der zweiten Partie geschafft, alle 20 Feldspielerinnen ihres Kaders einzusetzen. Davidson wusste seit dem Vortag, dass sie in die Startelf rücken wird. "Ich war schon ein bisschen nervös", sagte sie, "und um ehrlich zu sein, habe ich schon länger keine Eckbälle mehr in Spielen getreten."

Wer soll also diese Mannschaft schlagen? Zunächst gilt es festzuhalten, dass nun schwierige Gegnerinnen kommen werden, Thailand und Chile waren in der Offensive sehr limitiert. Nach Schweden kommt es im Achtelfinale zu einem Duell mit China oder Spanien, alles Teams, die die USA defensiv kaum fordern werden. Am meisten überzeugt haben bisher Gastgeber Frankreich und England, mögliche Gegner im Viertel- und Halbfinale.

Besiegen kann sich dieses US-Team letztlich aber nur selbst.

Chile - USA 0:3 (0:3)
0:1 Lloyd (11.)
0:2 Ertz (26.)
0:3 Lloyd (35.)
Chile: Endler - Galaz, Guerrero, Sáez, Toro - Soto (46. López), Araya, Lara (89. Pardo) - Zamora, Urrutia, Balmaceda
USA: Naeher - Krieger, Dahlkemper (82. Sonnett), Sauerbrunn, Davidson - Brian, Ertz (46. McDonald), Horan (59. Long) - Pugh, Lloyd, Press
Gelbe Karten: Lara, Huenteo, Galaz / Horan, Long
Schiedsrichterin: Hussein
Zuschauer: 45.594 in Paris



insgesamt 9 Beiträge
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ade 17.06.2019
1. Was
soll der Zwergerlaufstand bis jetzt haben sie nur gegen Fußballerische Entwicklungsländer gespielt
coyote38 17.06.2019
2. Die US-Girls ...
verdienen als EINZIGE Mannschaft bei dieser Frauen-WM mit ihrem Spiel das Prädikat "Fußball". Das konnte man(n) sich gestern sogar richtig angucken. Athletik, Tempo, Spielidee, taktisches Verständnis ... Chapeau, Mädels.
Sumerer 17.06.2019
3.
Zitat von coyote38verdienen als EINZIGE Mannschaft bei dieser Frauen-WM mit ihrem Spiel das Prädikat "Fußball". Das konnte man(n) sich gestern sogar richtig angucken. Athletik, Tempo, Spielidee, taktisches Verständnis ... Chapeau, Mädels.
Der US-Trainerin gebührt auch ein dickes Lob. In nur zwei Spielen hat sie ihre Mannschaft belastet und eingesetzt. Sie wusste um die Fähigkeiten ihrer einzelnen Spielerinnen und wie sie diese kombinieren kann. Das ist Weltspitze.
wiesenflitzer 17.06.2019
4. Es war einmal eine deutsche Mannschaft,
die in der Weltspitze Fußball spielte. Dies aber noch zu quasi Anfangszeiten des Frauenfußballs!! Warum unsere Damen mittlerweile eher "robust" und träge daherkommen ist mir schleierhaft. Wenn ich mir das schnelle Spiel der Französinnen und der Amerikanerinnen anschaue, dann frage ich mich, in welchem Tiefschlaf sich Fussballdeutschland in den letzten Jahren befunden hat. Ich habe mir schon wirklich viele Spiele angeschaut, zwischen den deutschen Spielerinnen und mehreren anderen Ländern liegen mittlerweile schon Welten. Ich verstehe nicht, warum das so ist. Die Amis sind viel schneller, beweglicher, athletischer, präziser, äußerst Willensstark; dazu taktisch gut geschult. Hallo DFB, AUFWACHEN!!!!
Stefan_C 17.06.2019
5. Wohl wahr ...
Zitat von coyote38verdienen als EINZIGE Mannschaft bei dieser Frauen-WM mit ihrem Spiel das Prädikat "Fußball". Das konnte man(n) sich gestern sogar richtig angucken. Athletik, Tempo, Spielidee, taktisches Verständnis ... Chapeau, Mädels.
die Spiele anderer Mannschaften sind häufig ein Festival an Fehlpässen, technischen Fehlern und falschen Pass-Entscheidungen ... auch das der deutschen Frauen. Trotzdem schaue ich mir die Spiele gern an, weil die Frauen mit Leidenschaft dabei sind und von sich aus über ihre Tore positiv ausrasten und nicht routiniert jubeln. Bessere Mannschaften sind für mich England, Schweden, Norwegen, Frankreich und natürlich die USA (die sind wie eine Walze auf dem Platz).
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