Frauenfußball-EM Deutschland ist Europameister

Sechs Treffer gegen England bringen Titel Nummer sieben: Deutschlands Fußballfrauen haben die EM gewonnen. In einem großartigen Endspiel demontierten sie ihre Gegnerinnen. Doppeltorschützen waren Spielführerin Prinz und Stürmerin Grings, die auch noch Torschützenkönigin des Turniers wurde.

AFP

Hamburg - Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat gegen England den höchsten EM-Finalsieg der Geschichte gefeiert. Die DFB-Auswahl setzte sich 6:2 (2:1) gegen die "Three Lions" durch und machte damit den siebten kontinentalen Triumph insgesamt sowie den fünften EM-Sieg in Folge perfekt. Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz (20., 76.), Melanie Behringer (22.), Kim Kulig (50.) und Inka Grings (62., 73.) erzielten die Treffer für den zweimaligen Weltmeister, der seit nunmehr 26 EM-Spielen ungeschlagen ist und bei allen sieben Endspielteilnahmen als Sieger vom Platz ging.

"Einfach cool. Das war ein hart umkämpftes Match und wir haben verdient gewonnen", sagte Kapitänin Prinz. Wir haben einfach zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht." Bundestrainerin Silvia Neid war die Erleichterung anzumerken. "Insgesamt bin ich sehr zufrieden und sehr glücklich", sagte sie. "Der Endspielgegner hatte eine große Klasse. Es war das Spiel, das ich erwartet habe. Aber ich habe nicht gedacht, dass so viele Tore fallen würden."

Mit der Titelverteidigung, die durch die Tore von Karen Carney (24.) und Kelly Smith (55.) zwischenzeitlich gefährdet war, sicherte sich jede deutsche Spielerin zudem die vom DFB ausgelobte Siegprämie in Höhe von 12.000 Euro. Für die Engländerinnen bleibt es dagegen dabei, dass sie gegen die Deutschen chancenlos sind. Die Mannschaft aus dem Fußball-Mutterland, die sich schon bei der ersten EM 1984 im Finale den Schwedinnen geschlagen geben musste, kassierte die 17. Pleite im 19. Duell gegen Deutschland.

Vor 15.877 Zuschauern im Olympiastadion von Helsinki begann das Team von Silvia Neid, die zum siebten Mal als Spielerin, Co-Trainerin oder Cheftrainerin im EM-Finale stand, zunächst verhalten. England agierte überraschend offensiv und hatte durch einen Freistoß von Fara Williams die erste gute Möglichkeit (9.). Wenig später sorgte Deutschland für einen Doppelschlag. Zunächst erzielte Spielführerin Prinz nach guter Vorarbeit von Sturmpartnerin Grings ihr erstes EM-Tor, dann traf Behringer aus über 30 Metern Entfernung.

Grings nach 2005 erneut EM-Torschützenkönigin

Der Vorsprung gab der Mannschaft allerdings nicht die erhoffte Sicherheit. Die Engländerinnen nutzten dies zum Anschlusstreffer durch Carney nach überragender Vorarbeit von Starspielerin Smith. Neun Minuten vor der Pause konnte Behringer bei einem Kopfball von Jill Scott gerade noch auf der Torlinie retten.

Kurz nach dem Seitenwechsel baute Kulig den Vorsprung wieder auf zwei Tore aus. Die 19-Jährige brachte den Ball nach einem Pfostenschuss von Simone Laudehr über die Torlinie. Die Engländerinnen zeigten sich aber nur kurz geschockt und drängten auf den erneuten Anschlusstreffer, den Smith dann auch erzielte. Grings stellte mit ihrem fünften Turniertor den alten Abstand wieder her, sorgte anschließend für die Entscheidung und kürte sich wie vor vier Jahren zur besten Torschützin der EM. Auch Prinz kam danach noch zu ihrem zweiten Treffer.

"Und das Wichtigste: Hier geht es nicht um das große Geld"

Auf der Tribüne sahen zahlreiche prominente Zuschauer den Titelgewinn der deutschen Auswahl. Neben Bundespräsident Horst Köhler und Innenminister Wolfgang Schäuble waren auch DOSB-Präsident Thomas Bach, DFB-Präsident Theo Zwanziger sowie DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach Finnland gekommen. Köhler sagte nach der Partie: "Das war ein wichtiger Titel und eine tolle Vorbereitung auf die WM 2011 in Deutschland. Und das Wichtigste: Hier geht es nicht um das große Geld."

Am Freitagnachmittag wird die Mannschaft nach der Rückkehr in die Heimat ab 14.00 Uhr in Frankfurt am Main offiziell empfangen.

England - Deutschland 2:6 (1:2)
0:1 Prinz (20.)
0:2 Behringer (22.)
1:2 Carney (24.)
1:3 Kulig (50.)
2:3 Smith (55.)
2:4 Grings (62.)
2:5 Grings (73. )
2:6 Prinz (76.)
England: Brown - Alex Scott, Asante, White, Stoney - Jill Scott, Chapman (ab 86. Westwood) - Carney, Williams, Aluko (ab 81. Sanderson) - Smith. - Trainerin: Powell
Deutschland: Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Garefrekes (ab 83. Bajramaj), Kulig, Laudehr, Behringer (ab 60. da Mbabi) - Prinz, Grings. - Trainerin: Neid
Zuschauer: 15877
Gelbe Karten: Stoney

fsc/sid

insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
torgum, 10.09.2009
1. ich beurteile sie überhaupt
und das is scheinbar mehr, als der durchschnittliche Leser dieser Webseite tut. Grundsätzlich habe ich die Frau Fussball EM am Rande verfolgt. Was im übrigen nicht heisst, dass ich dem Frauenfussball wenig Beachtung schenke. Ich verfolge auch sonstigen Fussball eher am Rande. Was mir aufgefallen ist, war die höhere Medienpräsenz. Bravo. Das finde ich wirklich gut, denn wo arschlahme "profifussballer" hohe Beträge/prämien und Parties einsacken erinnere ich mich, dass eine Frauenmannschaft vom DFB mal ein Kaffeeservice bekommen hat, als sie einen Titel holten. Das ist mehr als peinlich !
Brieli 10.09.2009
2.
Zitat von torgumund das is scheinbar mehr, als der durchschnittliche Leser dieser Webseite tut. Grundsätzlich habe ich die Frau Fussball EM am Rande verfolgt. Was im übrigen nicht heisst, dass ich dem Frauenfussball wenig Beachtung schenke. Ich verfolge auch sonstigen Fussball eher am Rande. Was mir aufgefallen ist, war die höhere Medienpräsenz. Bravo. Das finde ich wirklich gut, denn wo arschlahme "profifussballer" hohe Beträge/prämien und Parties einsacken erinnere ich mich, dass eine Frauenmannschaft vom DFB mal ein Kaffeeservice bekommen hat, als sie einen Titel holten. Das ist mehr als peinlich !
Ja und? glauben Sie, dass Olympiasieger im modernen Fünfkampf mehr Beachtuung erhalten? Wie hieß die Dame noch?
chesster, 10.09.2009
3.
Zitat von sysopTitel Nummer sieben - Deutschlands Fußballfrauen sind wieder Europameister. Wie beurteilen Sie die Leistung bei der EM?
Ganz große Leistung von ganz starken Frauen. Da sind echte Persönlichkeiten auf dem Rasen. Selbstbewußt, sachlich und fußballerisch ziemlich stark. Diese Frauen nötigen mir höchsten Respekt ab. Und schön anzuschauen sind sie auch noch, wenn man das ohne beschimpft zu werden sagen darf.
Marlin, 10.09.2009
4.
Die Damen sind schon Spitze. Da ich kaum noch Fernsehe, ist das meiste leider an mir vorbeigegangen. Aber vielleicht schaffe ich es ja noch und gehe zu den Damen ins Stadion. Da ist bisher nicht so unangenehm wie bei den Herrenvereinen. Laut und besoffen, bleh. Naja, man muss sich nur mal aufraffen.
Eimsbüttler 10.09.2009
5. hä
Zitat von sysopTitel Nummer sieben - Deutschlands Fußballfrauen sind wieder Europameister. Wie beurteilen Sie die Leistung bei der EM?
Im kommenden Jahr werden Deutschlands Herren Fussballweltmeister. SPON fragt: "Deutschlands Fußballmänner sind wieder (mal) Weltmeister. Wie beurteilen Sie die Leistung bei der WM?" Antwort?
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