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Fotostrecke: Fifa macht die Stars rasend

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Frauenfußball-WM Das Gras? Kannst du in der Pfeife rauchen

Vor der Fußball-WM der Frauen in Kanada wird bisher fast nur über den umstrittenen Kunstrasen geredet. Die sportlichen Aussichten geraten dabei in den Hintergrund. Dabei gäbe es auch dort Gesprächsbedarf.

Im Tennissport entscheidet der Belag häufig über Erfolg und Misserfolg. Die einen bevorzugen die langsamen Sandplätze für ihr Grundlinienspiel, andere lieben den schnellen Hartplatz, auf dem sie ihre Aufschlagstärke einsetzen können. Im Fußball ist die Belagfrage dagegen bislang eher zweitrangig, wenn nicht gerade Fritz-Walter-Wetter und ein Wolkenbruch den Boden schwer machen.

Bei der Fußball-WM der Frauen im kommenden Sommer (6. Juni bis 5. Juli) wird das anders ein. Der Unmut unter den Spielerinnen über die in Kanada zu bespielenden Kunstrasenplätze ist mittlerweile so groß, dass er das Sportliche dieses fußballerischen Großereignisses komplett überlagert. Der Streit beschäftigt inzwischen die Gerichte. Eine Klage von 61 Spielerinnen gegen den Kunstrasen ist anhängig. Die Fifa ist allerdings bislang in keiner Weise bereit, von ihrem Konzept abzurücken.

Die Liste der Klagenden liest sich wie ein Who's who des Weltfußballs. Deutschlands Torfrau Nadine Angerer ist ebenso dabei wie US-Star Abby Wambach. Abgesehen von dem "fehlenden Gefühl, das Gras unter den Füßen zu spüren", wie es DFB-Angreiferin Celia Sasic ausdrückt, fühlen sich die Frauen auch vom Weltverband diskriminiert. Bei den Männern ist bislang niemand auf die Idee gekommen, die großen Turniere auf künstlichem Geläuf auszuspielen.

"Fehlender Respekt gegenüber uns Athletinnen"

"Das zeugt von fehlendem Respekt gegenüber uns Athletinnen", sagte Nationalspielerin Pauline Bremer SPIEGEL ONLINE. Fifa-Chef Joseph Blatter hält Kunstrasen dagegen für die Zukunft des Fußballs. Die mal eben an den Frauen ausgetestet werden soll.

Immerhin: Die favorisierten Teams aus Japan, den USA, Frankreich, Schweden, Brasilien oder Deutschland hätten am Ende zumindest eine Ausrede parat, wenn aus dem angepeilten Titel nichts werden sollte. Dass der Weltmeister aus dem Kreis dieser sechs Mannschaften kommt, ist unter den Experten ziemlich unstrittig. Gastgeber Kanada werden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt.

Das DFB-Team als amtierender Europameister gehört natürlich zu den Titelanwärtern. Die Enttäuschungen der Heim-WM scheinen überwunden, Probleme tun sich im Team von Bundestrainerin Silvia Neid dennoch auf. Und die sollten dem DFB vielleicht noch größere Sorgen bereiten als die Frage, ob der Rasen echt oder künstlich ist.

Defizite vor allem bei Ballbesitzfußball

Beim Testspiel im Oktober gegen Frankreich (0:2) offenbarte das deutsche Team bemerkenswerte Defizite, vor allem dann, wenn es galt, mit viel Ballbesitz den Gegner zu dominieren. Frankreich mit seinen Spielerinnen vom mehrfachen Champions-League-Gewinner Olympique Lyon ist kein leichter Gegner, dennoch war der Unterschied augenfällig, wie gezielt die Französinnen kombinierten und wie schwer sich im Gegenzug dazu die Neid-Elf tat.

Hier wird die Bundestrainerin ansetzen müssen, allerdings war das auch schon eine Schwäche, die 2011 bei der WM vor heimischer Kulisse zutage getreten war. Deutschland hat ein starkes Mittelfeld mit der Wolfsburgerin Nadine Keßler an der Spitze, sie hat mit Sasic eine der treffsichersten Stürmerinnen der Welt, mit Angerer die aktuelle Weltfußballerin im Tor - trotzdem: Die USA, Frankreich, auch der Titelverteidiger Japan werden dem deutschen Team alles abverlangen.

Das kann man von den Vorrundengegnerinnen beileibe nicht behaupten. Thailand und die Elfenbeinküste, die ersten beiden Teams, auf die die Neid-Elf bei der WM treffen wird, sind keine Prüfsteine. Der dritte Gruppengegner Norwegen ist zwar Vizeeuropameister, Chancen auf den Titel traut man ihnen aber nicht zu. Ein Vordringen ins Achtelfinale, erstmals ausgetragen bei einer Frauen-WM, ist absolute Pflicht, alles andere nicht vorstellbar.

Der Streit über den Rasen wird bis dahin entschieden sein. Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke hat schon zugesichert, bei der WM 2019 werde in jedem Fall wieder auf echtem Grün gespielt - was die Argumentation der Fifa, Kunstrasen sei die Zukunft, auch ins Absurde führt.

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