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Nationalspielerin Popp: Teil der "Generation Neid"

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Fußballnationalspielerin Popp Warten auf die Krönung

Alexandra Popp ist eine Schlüsselspielerin im DFB-Team, am aktuellen Erfolg hat die 24-Jährige großen Anteil. Mit dem WM-Titel will sie ihre Karriere krönen.

Alexandra Popp weiß, wie es sich anfühlt, mit einer Nationalmannschaft den WM-Titel zu holen. Bei der U20-WM in Deutschland vor fünf Jahren gewann die DFB-Auswahl im Finale gegen Nigeria 2:0. Das 1:0 steuerte Popp selbst bei. Bei der anschließenden Siegerehrung erhielt sie den "Goldenen Ball", der die beste Spielerin eines Turniers auszeichnet. Mit zehn Treffern in sechs Spielen war die heute 24-Jährige die prägende Figur des deutschen Spiels. Diese Rolle soll sie bald auch in der A-Nationalmannschaft einnehmen.

Bundestrainerin Silvia Neid weiß, wie wichtig Alexandra Popp für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft ist. Bei der Weltmeisterschaft in Kanada, wo das Team am Abend auf Frankreich trifft (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), stand Popp in allen vier Begegnungen in der Startformation. Sie spielt als schnelle Außenspielerin mit starkem Kopfballspiel im linken Mittelfeld. Mit der Position musste Popp sich erst anfreunden. In ihren frühen Jahren wurde sie überwiegend im Sturm eingesetzt. So erklärt sich auch ihre bislang schwache Torquote: Von den 19 deutschen Toren erzielte Popp lediglich ein einziges, beim 10:0 Auftaktsieg gegen die Elfenbeinküste.

Popps bisherige Nationalelf-Bilanz fällt ernüchternd aus. Sie gehört wie die meisten Nationalspielerinnen zur "Generation Neid". Beinahe die komplette Startformation debütierte unter der Bundestrainerin, die am 1. Juli ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Bei der Heim-WM vor vier Jahren wurde Popp in allen vier Begegnungen nur eingewechselt, Deutschland schied im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Japan aus. Bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren, wo das DFB-Team in überzeugender Manier den Titel holte, musste sie ihre Teilnahme verletzungsbedingt absagen. Kurz gesagt: Alexandra Popp wartet seit nunmehr fünf Jahren auf einen großen Erfolg mit der Nationalmannschaft.

Fußballerin des Jahres

Auf Vereinsebene hingegen ist die 1,74 Meter große Spielerin so erfolgreich wie kaum eine andere. Mit dem VfL Wolfsburg gewann sie in den vergangenen drei Jahren je zweimal die Deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League. 2014 wurde sie erstmals zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gewählt.

Begonnen hat ihre Karriere im westfälischen Recklinghausen. 2008 wurde der FCR Duisburg auf das Ausnahmetalent aufmerksam. Popp lehnte im selben Jahr ein Angebot des französischen Top-Teams Olympique Lyon ab und entschied sich für Duisburg. Im Alter von nur 17 Jahren debütierte sie in der ersten Bundesliga und erzielte schnell ihre ersten Tore. Der FCR Duisburg, damals noch ein internationaler Spitzenklub, holte mit Popp in den Jahren 2009 und 2010 zweimal den DFB-Pokal und einmal die Champions League. Im Finale gegen den russischen Verein Swesda 2005 Perm gehörte Popp bereits zur Startformation.

Dann folgten zwei enttäuschende Jahre. Die 57-fache Nationalspielerin wechselte zum erstarkten VfL Wolfsburg. Der Werksklub, der von den Millionen des VW-Konzerns profitiert, verpflichtete neben Popp ein Jahr zuvor bereits die Nationalspielerinnen Lena Goessling und Nadine Keßler. Nach zwei Meisterschaften musste das Team in der abgelaufenen Saison erstmals einen Rückschlag hinnehmen. Der FC Bayern München sicherte sich die zweite Meisterschaft der Vereinsgeschichte vor dem VfL.

Mit ihren 24 Jahren gehört Popp immer noch zu den jungen Spielerinnen im DFB-Team. Und doch weiß sie, dass sie nicht mehr allzu viele Gelegenheiten bekommen wird, Weltmeisterin zu werden. Auf die Auszeichnung des "Goldenen Balls" für die beste Spielerin wird sie nach dieser WM verzichten müssen. Doch das würde Popp liebend gerne in Kauf nehmen, wenn sie am Ende den WM-Pokal in ihren Händen halten darf.