Frauenfußball-WM Keks und Krümel

Sie könnten kaum unterschiedlicher sein und ergänzen sich gerade deshalb perfekt: Birgit Prinz und Sandra Smisek sind das Herzstück der DFB-Offensive. Auch im WM-Halbfinale gegen Norwegen könnte das Duo wieder eine entscheidende Rolle auf dem Platz spielen.
Von Katrin Weber-Klüver

Sie sind beide Jahrgang 1977, beide Stürmerinnen, beide Weltmeisterinnen, beide beim Serienmeister 1. FFC Frankfurt unter Vertrag. Sie haben schon als Mädchen in Frankfurt zusammen im Verein gespielt, wurden zum Duo mit den Spitznamen Keks und Krümel und sind seit Mitte der neunziger Jahre beide Nationalspielerinnen. "Es war wie gesucht und gefunden, wir verstehen uns blind", sagt die eine. "Wir kennen uns in- und auswendig", die andere.

Das hört sich alles nach Karrieren im Gleichschritt an. Tatsächlich könnten Birgit Prinz und Sandra Smisek kaum unterschiedlicher sein. In jeder Beziehung.

Rein sportlich sehen sie es so: "Wir gleichen unsere Stärken und Schwächen aus", sagt die zierliche Smisek, die sich selbst als "quirligen Typ" beschreibt, der gern die Vorarbeit zu Toren leistet. Prinz hingegen sei "dynamischer" und schließe eher selbst ab. So ist die Rekordnationalspielerin in 169 Partien auf 114 Treffer gekommen, während Smisek in 121 Spielen 31 Tore gelangen. Die rustikalere Prinz sagt über Smisek: "Die Smi ist technisch perfekt, läuferisch stark, spielintelligent."

Und doch ist Smisek über Jahre eine unter vielen Stürmerinnen geblieben. Sie hatte es "schwer, sich in der Nationalmannschaft durchzusetzen", sagt Prinz. Birgit Prinz hatte solche Probleme bekanntlich nicht. Sie mag technisch nicht das Non-Plus-Ultra sein, aber sie ist seit über einem Jahrzehnt die Frau, die die Tore macht. Und sei es, weil sie sie unbedingt machen will.

Birgit Prinz kann es überall auf der Welt passieren, angesprochen zu werden; Smisek würde nicht einmal in einer Frankfurter Fußgängerzone für Aufsehen sorgen. Prinz hat alle Titel abgeräumt, die es überhaupt gibt im Frauenfußball, inklusive des WM-Gewinns 2003, Smisek war damals auch dabei, aber eben mehr dabei als mittendrin. Während Prinz in den USA auch noch beste Stürmerin war, zur besten Spielerin der WM und später zur Weltfußballerin gewählt zu werden, hatte Sandra Smisek gerade mal zehn Minuten Einsatzzeit im gesamten Turnier.

Vier Jahre später sieht das anders aus. Die auch kurz vor dieser WM als flexibel besetzbar gehandelte Position an Prinz' Seite ist unversehens zu Smiseks Stammplatz geworden. Es ist keine Frage, dass sie im Halbfinale gegen Norwegen (Morgen 14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der Startelf stehen wird. Smisek schießt in China selbst Tore (wenn auch alle drei beim 11:0 gegen Argentinien) und sie legt vor, wie im Spiel gegen Nordkorea für ein Tor von Renate Lingor. Ob dieser Neigung, "im Verborgenen" zu wirken, werde "die Smi häufig vergessen", glaubt Prinz.

Davon kann im Moment nicht mehr unbedingt die Rede sein. Es hat zwar sehr viele Jahre gedauert, bis die beiden Frankfurter Mädchen sich auch als erfolgreiches Sturmduo der deutschen Auswahl gefunden haben, aber besser spät als nie.

Und mit 30 Jahren ist Sandra Smisek auch erfahren genug zu wissen, dass der Höhenflug auch schnell wieder vorbei sein kann. Wenn man nicht Birgit Prinz ist. Smisek sagt: "Ich genieße es, wie es gerade ist."

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