Freiburg-Coach Robin Dutt Der Trainer der Zukunft

Freiburgs Robin Dutt ist der Prototyp einer Trainergeneration, die in der Liga aufhorchen lässt. Auch deshalb ist er bei so vielen Clubs im Gespräch. Doch Dutt bleibt eher beim SC, als zu einem schlecht geführten Verein zu gehen.

Getty Images

"Machen Sie sich nie, nie abhängig vom Cheftrainer. Auch nicht von Robin Dutt." Sagt Robin Dutt. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Club schon bald nachweisen muss, dass seine Strukturen auch ohne ihren Cheftrainer tragen.

Denn der wird fast überall gehandelt, wo in absehbarer Zeit eine Trainerstelle frei werden dürfte - ob in Wolfsburg, Leverkusen, Hamburg oder auf Schalke.

Wer Dutt in den vergangenen dreieinhalb Jahren in Freiburg erlebt hat, kann zu den gegenwärtigen Spekulationen über seinen künftigen Arbeitgeber zwei halbwegs gesicherte Erkenntnisse beitragen. Erstens: Man kann sich sehr gut vorstellen, dass er am Ende der Saison geht. Der Mann ist ehrgeizig und selbstbewusst genug, sich den nächsten Karriereschritt zuzutrauen. Zweitens: Eher wird Dutt seinen bis 2012 datierten Vertrag in Freiburg doch erfüllen, als dass er zu einem Verein wechselt, bei dem das erschwert wird, was ihm am wichtigsten ist: die Möglichkeit, von den 24 Stunden, die ein Tag bietet, möglichst viele mit dem Thema Fußball zu füllen.

Zustände in Freiburg "wie im Paradies"

Am Donnerstag hat Dutt in der Spieltagspressekonferenz gesagt, dass er es in Freiburg "doch wie im Paradies" habe. Er meint damit weder die Temperaturen noch das Nadelholz-Panorama. Sondern das Privileg, sich ungestört um seine Mannschaft kümmern zu können.

Deshalb würde Leverkusen am besten auf Dutts Bedürfnisse passen - falls der jetzige Bayer-Trainer Jupp Heynckes seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert und dem Werben des FC Bayern folgen sollte. Sportchef Rudi Völler ist ein umgänglicher, kompetenter Zeitgenosse, die Nachwuchsabteilung hat seit Jahrzehnten Erfolge. Und sowohl Fans als auch Medien agieren auf einer mittleren Betriebstemperatur.

Ruhiges Arbeiten würde hingegen auf Schalke, vor allem aber beim HSV auf absehbarer Zeit kaum möglich sein. Wenn ein aus Fachfremden bestehendes Gremium dafür sorgt, dass der Kapitän vom Boot geschossen wird, ohne dass ein Nachfolger bereitsteht, kann ein Trainer, der etwas bewirken will, nur weiträumig einen Bogen um diesen Arbeitsplatz machen.

Konzepttrainer versus System Magath

Auch Schalke dürfte für Dutt ausscheiden. Dort wirkt derzeit noch ein Trainer, dessen Methoden in einer Liga, die von den Dutts, Klopps, Heckings und Tuchels geprägt wird, seltsam aus der Zeit gefallen wirken. Während die Trainer, die man der Einfachheit halber gerne "Konzepttrainer" nennt, sich auch über ihre Spielphilosophie definieren, basiert das "System Magath" ja gerade darauf, dass ein spielerisch schlüssiges, nachhaltiges Konzept durch maximalen Druck und kurzfristiges Erfolgsstreben ersetzt wird.

Das geht ein, zwei Jahre halbwegs gut - man sollte nicht vergessen, dass Magath einer der erfolgreichsten deutschen Trainer ist. Doch über kurz oder lang meutern Spieler und Umfeld. Zumal Magath, der hier seinen ehemaligen Trainer Branko Zebec als Vorbild nennt, auch in der Menschenführung an Maximen festhält, die sich auch am Fußballstammtisch ungebrochener Popularität erfreuen.

Dass man den verwöhnten Jungstars kräftig in den Hintern treten müsse, ist ja eine beliebte Forderung. Magath sieht das auch so. Heimniederlagen werden deshalb mit endlosen Waldläufen bestraft - wie vor 30 Jahren. Dutt, Klopp oder Tuchel - aber auch ältere Kollegen wie Armin Veh, Ralf Rangnick oder Jupp Heynckes - wissen hingegen, dass die heutige Spielergeneration einen anderen Umgang(ston) braucht.

Dutt würde ein bestelltes Feld hinterlassen

Die Liga besteht ja zunehmend aus smarten Spielern, die einigermaßen wissen, wie sie sich zu benehmen haben. Die mag man ein wenig langweilig finden, weil sie mit 18 Jahren schon so reden wie 48-Jährige. Aber man kann sie aus genau diesem Grund nicht anders als Erwachsene behandeln.

Man darf daher davon ausgehen, dass der nächste Schalke-Trainer ein "modernerer" Vertreter seiner Zunft sein wird - Dutt dürfte es aber nicht werden. Diesem zusammengekauften Team aus alternden B-Promis, echten Talenten und überragenden Einzelkönnern beizubringen, als Mannschaft zu funktionieren, erfordert dann doch sehr viel Konzept.

Zumal Magath Jurado, Raúl und Co. erst einmal das abtrainieren wollte, was Dutt seinen deutlich günstigeren Spielern beizubringen versucht. Als Schalke in der Hinrunde in Freiburg spielte, monierte Magath, Jurado sei "eben noch das spanische Klein-Klein gewohnt, da muss er sich in der Bundesliga noch umstellen".

Dutt hat wie immer höflich zugehört. Innerlich dürfte es ihn gegraust haben. Dutt, Tuchel oder Klopp sind derzeit auch deshalb so begehrt, weil sie sich wohl eher das Standbein abhacken würden, als ihre Mannschaften wie Schalke spielen zu lassen.

Dutt ist ein Coach mit einer Handschrift. Er hinterließe zudem ein bestelltes Feld, wenn er tatsächlich ginge. In Freiburg hat Dutt ein solches von seinem Vorgänger Volker Finke übernommen, er wird es am Tag X wohlbehalten an seinen Nachfolger weiterreichen. Und wenn er tatsächlich bereits in diesem Sommer geht, wird das wohl auch nicht ohne eine hübsche Ablösesumme vonstatten gehen.

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Andreas Rolfes 14.03.2011
1. Sicher kein schelchter
Dutt ist sicher kein schlechter Trainer. Das sind Magath, Slomka oder Rangnik auch nicht. Veh und van Gaal verstehen ebenso wie Klopp ne Menge von dem Geschäft Fussball. Der Trainer ist allerdings auch nur eines von sehr vielen Rädchen im Getriebe eines Fussballvereins. Und zumeist ist es das Rädchen Trainer, welches bei Misserfolg zuerst ausgewechselt wird. Mag man Freiburg für die Kontinuität loben, bei Misserfolg ist Dutt aber auch weg. Egal ob der Verein dann Bayern, BVB, Schalke, Werder, HSV oder eben Leverkusen heißt.
hjka 14.03.2011
2. 1:2 Verloren !
es lebe der FCK :-)
goethestrasse 14.03.2011
3. alt = veraltet ??
werden da einige Trainer nicht ein wenig überschätzt ??? Der BVB ist im DFB Pokal an Offenbach gescheitert und hat in europa die Gruppenphase nicht überstanden. Freiburg, 05 und 96 können keine Konstanz halten. Nürnberg hat ne gute Phase und gegen die Wechselabsichten von Sölndern hat auch ein Softie und Speilerversteher kein Rezept.
Bembelbock 14.03.2011
4. Schaefer fehlt
---Zitat--- Dort wirkt derzeit noch ein Trainer, dessen Methoden in einer Liga, die von den Dutts, Klopps, Heckings und Tuchels geprägt wird, seltsam aus der Zeit gefallen wirken. ---Zitatende--- Dutts, Klopps und Co. sind sicherlich erwähnenswert, aber einer kommt mir hier noch zu kurz (was sich aber wohl auch bald ändern dürfte): Was Frank Schaefer aus den in der Hinrunde noch völlig harmlosen und zerstrittenen Kölnern gemacht hat, sollte in diesem Zuge auch erwähnt werden.
Haio Forler 14.03.2011
5. .
Da haben die alten Trainer 30 Jahre zuviel falsch gemnacht und mit der "neuen Methode" wäre es noch besser und erfolgreicher gewesen? Ach so ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.