Freitagsspiel Dortmund auf dem Weg in die Hölle

Der Name trügt. Wenn Borussia Dortmund am Freitagabend ins ausverkaufte Cottbuser "Stadion der Freundschaft" reist, weiß Matthias Sammer, erwartet sein Team dort die Hölle.


Fans des FC Energie Cottbus
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Fans des FC Energie Cottbus

Düsseldorf - Nach der 1:3-Niederlage zum Auftakt beim SV Werder Bremen ist die Devise klar. "Wir müssen punkten, egal wie", fordert der Trainer von Energie Cottbus vor der Erstligaheimpremiere gegen Borussia Dortmund am Freitag (20.15 Uhr). Und diese Botschaft Eduard Geyers ist auch bei einem alten Bekannten des 46-jährigen Übungsleiters angekommen.

In Dortmund sitzt Matthias Sammer, der als Kapitän unter dem damaligen Coach Geyer das letzte Spiel einer Fußball-Nationalmannschaft der DDR bestritt. Angst hat der neue Trainer vor der spielerischen Klasse des Aufsteigers aus der Lausitz nicht unbedingt, dennoch nötigen ihm die äußeren Umstände Respekt ab. "Das ist ein ganz enges Stadion, dort wird die Hölle los sein. Deshalb dürfen wir keine Nerven und Schwächen zeigen", sagt Sammer. Bei Sportmanager Michael Zorc scheint der Gang in den äußersten Osten der Republik hingegen existenziellere Gefühle wachzurufen. "Dort warten gewetzte Messer auf uns. Wer sich dort erschreckt und nicht bereit ist, um jeden Zentimeter Boden zu kämpfen, kann dort nichts bestellen."

Das viel umjubelte 1:0 über Hansa Rostock zur Saisonpremiere hat bei den Westfalen Zuversicht ausgelöst, wenngleich Sammer vor zu großem Jubel warnt. "Ich habe noch viele Fehler gesehen. Wir müssen uns erheblich verbessern", meinte der BVB-Trainer, der weiter auf die verletzten Stammkräfte Stefan Reuter und Christian Nerlinger sowie die Rekonvaleszenten Fredi Bobic und Lars Ricken verzichten muss, dafür aber mit dem zuletzt gesperrten Dede planen kann. Ungewiss ist, ob der Brasilianer Evanilson rechtzeitig vom WM-Qualifikationsspiel gegen Chile zurückkehrt, und ob der genesene Christian Wörns bereits sein Comeback feiern kann.

Aber auch Energie plagen Sorgen. Zwar ist das "Stadion der Freundschaft" mit 20.500 Zuschauern ausverkauft, die Probleme liegen aber vor allem in der Abwehr, die vom Kanadier Kevin McKenna schlecht organisiert, hohe Mitschuld am 1:3 in Bremen trug. Doch Geyer will ein gesamtmannschaftliches Problem ausgemacht haben. "Ich sehe nicht nur die Hintermannschaft. Das betrifft auch das Deckungsverhalten im Mittelfeld und fängt bei den Stürmern an", sagte der Trainer, der zudem unter der Woche wegen diverser Länderspiel-Tests auf ein halbes Dutzend Nationalspieler verzichten musste.



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