Freitagsspiel Schalke gewinnt, Unruhe bleibt

Pfiffe gegen Trainer, Team und Manager: Schalkes Anhänger waren auch nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln nicht versöhnt. Spielerisch konnte die Mannschaft erneut nicht überzeugen, dennoch rückt die Qualifikation für den Uefa-Cup wieder in greifbare Nähe.
Von Jan Reschke

Hamburg - "Müller raus, Rutten raus!" Die Rufe des Schalker Anhangs gegen Manager Andreas Müller und Trainer Fred Rutten sind an und für sich nichts Verwunderliches nach den fußballerischen Tiefschlägen in den vergangenen Wochen. Allerdings - die Sprechchöre ertönten in der 84. Minute bei einer 1:0-Führung gegen den 1. FC Köln. Zuvor waren die Ein- und Auswechslungen des Coaches bereits mit gellenden Pfeifkonzerten quittiert worden. Die Reaktion der Schalker Spieler: Sie verzichteten nach dem Sieg auf den obligatorischen Gang in die Fankurve. Schon während des Spiels gestikulierte Verteidiger Mladen Krstajic wütend in Richtung der Anhängerschaft. "Wir rackern und kämpfen und werden trotzdem ausgepfiffen. Ich kann das nicht verstehen", sagte der Torschütze Jermaine Jones nach dem Spiel. Schalke und seine Fans - ein Verhältnis, das kein gutes mehr ist.

Und wahrscheinlich ist es egal, was Rutten derzeit auch anstellt, die Anhänger und er werden wohl nicht so schnell wieder zu Freunden. Diesmal hatte er eine überraschende Startformation gewählt, Kapitän Marcelo Bordon saß nur auf der Bank. Den vakanten Platz in der Innenverteidigung nahm dafür Youngster Benedikt Höwedes ein.

Bei Schalke lief im ersten Durchgang im Spiel nach vorne wie schon in der gesamten Spielzeit nicht viel Ansehnliches zusammen. Durchdachte Angriffszüge, schnelle Kombinationen, trickreiche Angreifer, all das sah man nicht vor dem Tor des Kölner Torhüters Faryd Mondragon. Allenfalls Standards beschworen ein wenig Gefahr herauf, doch Spielkultur mochte man das nicht nennen.

Umso verwunderlicher, dass die wohl schönste Kombination der Saison die Führung brachte: Kevin Kuranyi spielte einen Ball auf Sanchez, der immer wertvoller zu werden scheint, und den Ball kunstvoll mit der Hacke auf Rakitic weiter leitete. Rakitic legte den Ball überlegt zu Jones ab und der Kapitän traf mit einem satten Schuss zur Führung (28.). Kölns Trainer Christoph Daum sagte: "Schalke hat sehr sehr stark begonnen und uns in der Defensive festgenagelt. Wir konnten uns vom Druck überhaupt nicht befreien. Sie sind klar verdient in Führung gegangen."

Doch die spielerische Tristesse geriet nur kurz in Vergessenheit, schnell machten sich die Schalker Beteiligten wieder daran, den guten Eindruck zu verwischen. Und ihre Kölner Kollegen standen dem in Nichts nach. Ihre wenigen Konter wurden uninspiriert vorgetragen, in der Regel verbrachten die Kölner ihre Zeit in der eigenen Hälfte.

Auch wenn in der zweiten Halbzeit das Niveau der Partie besser wurde und Köln sich mal aus dem Spiel heraus in des Gegners Hälfte wagte, es blieb eine schwache Begegnung. Trotz der Führung war die Verunsicherung der Schalker Spieler und des Trainers greifbar. "Das Nervenkostüm der Mannschaft ist nicht sehr sattelfest", gestand auch Manager Andreas Müller.

Rutten tauschte in der 69. Minute Bordon gegen Rakitic, die Defensive wurde gestärkt. Die Fans pfiffen. Kurze Zeit später musste der starke Sanchez für Asamoah das Feld verlassen. Die Fans pfiffen. Und Schalke wackelte. "Ich möchte die Wechsel erklären: Ich habe Ivan Rakitic rausgenommen, weil wir körperliche Kraft brauchten. Und Vicente Sanchez war platt, das ist normal nach drei Spielen in einer Woche. Wir brauchten heute drei Punkte, das war das wichtigste. Deshalb habe ich die Auswechslungen gemacht", sagte Rutten.

Köln machte in der Endphase viel Druck und hätte den Ausgleich erzielen müssen, doch Schalkes Torwart Neuer bewahrte den wichtigen Dreier.

Und damit die Chance trotz einer bislang miserablen Saison den Einzug in den Uefa-Cup zu schaffen, denn durch den Sieg ist Schalke nur noch zwei Zähler vom ebenfalls kriselnden FC Bayern München entfernt. Sollte doch noch der Einzug ins europäische Geschäft gelingen, könnte es für Müller doch noch eine Chance geben, weiter auf Schalke zu arbeiten, denn intern, so erklärte Müller gegenüber Premiere, gebe es ein Bekenntnis zu ihm. Dies wirke nur nicht nach außen. Nun denn.

Am kommenden Wochenende trifft der FC Schalke 04 auswärts auf den VfL Wolfsburg, das bislang hinter Hertha BSC Berlin die meisten Punkte im eigenen Stadion sammeln konnte, bei zwei weniger absolvierten Spielen. Wahrlich kein einfaches Unterfangen, "eine Serie zu starten", wie Jones den Auftrag an seine Mannschaft formulierte.

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