Friedhelm Funkel Freizeit nach der Höchststrafe

Er ist ein Synonym für Rhein-Ruhrgebietsfußball. Doch nach seinem Rauswurf in Frankfurt hat Friedhelm Funkel das Glück verlassen. Vergangene Saison wurde er gleich zweimal entlassen, seitdem wartet der Trainer auf einen Job. Das Magazin "11FREUNDE" über einen eisernen Pragmatiker.
Trainer Funkel: Seit dem 1. April ohne Job

Trainer Funkel: Seit dem 1. April ohne Job

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Dies ist der zweite Teil des "11FREUNDE"-Artikels über den Trainer Friedhelm Funkel. Zum ersten Teil gelangen Sie hier.

Die Männer, die Friedhelm Funkel geprägt haben, stehen für bodenständigen Rhein-Ruhrgebietsfußball. Einen Fußball, den es so nur noch in der Erinnerung von Traditionalisten gibt. Doch Funkel selbst ist es auf rätselhafte Weise gelungen, trotz Rekordengagements im globalisierten Bundesligabetrieb seiner Heimat nur selten untreu zu werden. Bis auf zwei kurze Episoden in Rostock und Berlin hat der gebürtige Neusser nie außerhalb seines gewohnten Lebensumfeldes gearbeitet.

Selbst seine längste Station, das Engagement in Frankfurt, lag nur eine gute Stunde mit dem ICE entfernt. Es war seine erfolgreichste Amtsperiode. Als er die Eintracht nach dem Bundesligaabstieg im Sommer 2004 übernahm, ging der Club ohne große Verstärkungen in die Saison. Dennoch gelang es dem Trainer, den klammen Absteiger postwendend zurück in die erste Liga zu führen und zwei Jahre später sogar ins Pokalfinale.

Vier Spielzeiten hielt Funkel die Frankfurter genau dort, wo sie von ihrem Potential her zu verorten waren. Eine Saison spielte der Club zwar Europa League, ansonsten fristete man ein Dasein im grauen Niemandsland der Liga - und kam dort langsam wirtschaftlich wieder auf die Beine. Vorstandsboss Bruchhagen machte unmissverständlich klar, dass es unter seiner Führung keine Diskussion um den Trainer geben würde. Doch nach vier Jahren zwischen den Plätzen vierzehn und neun wurden die Stimmen der prätentiösen Kritiker im Umfeld schlicht zu laut. Funkel musste gehen und verabschiedete sich pflichtschuldig: "Weil aus meiner Sicht die Möglichkeiten nicht ausreichten, um die Eintracht zumindest auf den sechsten Platz zu führen."

Funkel weinte beim Eintracht-Abstieg

Er sollte recht behalten. Als die Eintracht zwei Jahre später abstieg, kämpfte er - obwohl längst in Bochum in Amt und Würden - mit den Tränen. Er konnte nicht verstehen, dass sich dieser gefestigte Club statt im Bereich der Europa-League-Platzierungen nun in der Zweitklassigkeit wiederfand.

Seinen eisernen Pragmatismus wendet Funkel auch auf die negativen Begleitumstände seines Jobs an. Auf die Frage, woran ein Trainer merkt, dass seine Zeit abläuft, hat er einmal geantwortet: "Wenn die Frau am Empfang der Geschäftsstelle vergisst, den Trainer am Morgen beim Reinkommen zu grüßen, weiß er, dass es langsam eng wird."

Fünf Mal in seiner Laufbahn bekam Funkel vorzeitig seine Papiere zurück. Doch in der zurückliegenden Saison erlebte er die Höchststrafe: Nach dem siebten Spieltag wurde er beim Tabellenvorletzten der zweiten Liga, VfL Bochum, gefeuert. Nur wenige Tage später heuerte er beim Schlusslicht in Aachen an, wo man ihm nach dem 28. Spieltag ebenfalls den Laufpass gab. Funkels Team hatte achtmal in Folge nicht gewonnen.

Das Prozedere in dieser schicksalhaften Spielzeit aber überraschte ihn auf seine alten Tage. Zunächst weil ihm nie in den Sinn gekommen wäre, dass ihn die Bochumer so früh in der Saison feuern.

"Ich will einmal noch in die Bundesliga. Das ist das Geilste."

Der Rauch um seine Entlassung hatte sich noch nicht verzogen, da rief Funkels früherer Spieler aus der Uerdinger Zeit an, Erik Meijer. Der Manager von Alemannia Aachen bearbeitete ihn mit all seiner Überzeugungskraft. Die Versuchung war zu groß. Funkel glaubte, nicht viel verlieren zu können. Beim kurzen Blick auf den Kader fiel ihm nichts gravierend Negatives auf. Eine solide Zweitligastation, ein Traditionsclub. Dazu die Nähe zu seinem Wohnort in Krefeld. Keine Wartezeit bis zum nächsten Job. Seine Lebensgefährtin fand das Angebot ebenfalls schlüssig.

Doch der flüchtige Blick auf den Kader rächte sich. Funkel gelang es nicht, die Trendwende zu schaffen. Der Druck stieg. Angestellte der Geschäftsstelle klopften an seine Tür, um sich nach den Chancen des Klassenerhalts zu erkundigen. "Wenn ich in die Gesichter blickte, sah ich, wie die Menschen um ihren Job fürchteten." Am 1. April 2012 saß er im Auto auf dem Parkplatz der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch, als wieder sein Telefon klingelte. Einige Reporter hatten ihn schon behelligt. Nun war Erik Meijer dran und teilte ihm direkt mit, dass sich die Alemannia von ihm trennen werde.

Funkel reagierte ungewohnt erzürnt über dieses Verhalten: "Enttäuschend, dass so was am Telefon passiert. Normalerweise trifft man sich und setzt sich zusammen. Aber so ist es nun mal."

Mit 58 gehört ein Trainer noch nicht zum alten Eisen, aber im Westen hat Funkel langsam aber sicher alle Mittelklasseclubs gehabt. Dass ihm die beiden jüngsten Entlassungen geschadet haben, kann er sich nicht vorstellen. Dafür hat er zu lange solide gearbeitet und sich nichts zuschulden kommen lassen. Ein konkretes Angebot liegt bis jetzt aber noch nicht vor. Den Sommer über wird er von einem Clubhotel ins nächste reisen und an Fußballtalks teilnehmen.

Was wünscht sich einer wie er, der seit 40 Jahren nichts anderes als deutschen Profifußball gesehen hat? Weltreisen, Zeit zum Angeln, einen Spitzenclub? Friedhelm Funkel sagt: "Ich will einmal noch in die Bundesliga. Das ist das Geilste."

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