Frings-Urteil Blatter gesteht Fehler ein
Hamburg - "Wir haben einen Nachholbedarf bei der Auswertung von Fernsehbildern, die in einem Disziplinarverfahren gebraucht werden", sagte der Chef des Weltverbandes, "dies haben wir aus der Angelegenheit gelernt. Ich nehme das auf meine Kappe, dass das so lange gedauert hat."
Frings war gestern Abend von der Fifa-Disziplinarkommission für das heutige Halbfinale gegen Italien (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gesperrt worden, nachdem er am Freitag nach dem Spiel gegen Argentinien bei einer Rangelei eine Tätlichkeit begangen hatte. Anhand von TV-Bildern wurde er überführt. Die Fifa sah sich danach der Kritik ausgesetzt, die Fernsehbilder nach den Tumulten nicht systematisch und schnell genug gesichtet zu haben.
Das Disziplinarreglement des Weltverbandes sieht vor, dass noch 72 Stunden nach einem Regelverstoß eine Strafe verhängt werden kann. Die Fifa hatte am Wochenende zunächst erklärt, nicht gegen deutsche Spieler ermitteln zu wollen, nachdem die Argentinier die Tumulte angezettelt hatten. Am Sonntagabend wurde dann nach dem Studium von Fernsehbildern das Verfahren eingeleitet.
"Wenn es aber etwas so Wichtiges ist, das Einfluss auf das nächste Spiel hat, sollte der Entscheid mehr als einen Tag vorher gefällt werden", räumte Blatter ein. Die Fifa habe aus dieser Angelegenheit gelernt, so der Schweizer.
"Grundsätzlich richtig nach den Regeln" sei laut Blatter aber die Entscheidung gewesen, Frings für eine Partie zu suspendieren und eine weitere Spielsperre auf Bewährung festzusetzen. Christoph Schickhardt, Rechtsberater des Deutschen Fußball Bundes, kritisierte gegenüber dem Nachrichtensender N24 allerdings diese Entscheidung: "Das Urteil ist so ausgefallen, dass es die Überschrift trägt: Er konnte nicht ganz ungeschoren davon kommen."
Den Umgang mit Verwarnungen will die Fifa angesichts der Flut von 293 Gelben Karten und 27 Platzverweisen in den bisherigen 60 Begegnungen allerdings überdenken. Auch in diesem Zusammenhang räumte Blatter Fehler ein. "Es gibt Ligen, bei denen erst nach drei, vier oder fünf Gelben Karten eine Sperre ausgesprochen wird", sagte der Schweizer, "bei der WM wäre es vielleicht sinnvoll, drei statt zwei Gelbe Karten als Maß zu nehmen."
Künftig will Blatter auf technische Unterstützung bei strittigen Entscheidungen wie etwa den Tor-Beweis per Mikrochip bauen: "Ich denke, bis zur Club-Weltmeisterschaft oder dem Confederations Cup 2009 könnte es eingeführt sein. Wir sind nah dran."
guv/AP/dpa