Vorschlag der Findungskommission Freiburgs Präsident Fritz Keller soll neuer DFB-Boss werden

Skandale um eine mutmaßlich gekaufte WM oder Luxusuhren prägten zuletzt den DFB. An die Spitze soll nun Fritz Keller rücken, bislang Präsident des SC Freiburg. Dem fällt der Schritt offensichtlich schwer.

Fritz Keller ist Fußballfunktionär, Winzer - und soll DFB-Präsident werden
Jan Huebner/ imago images

Fritz Keller ist Fußballfunktionär, Winzer - und soll DFB-Präsident werden


Fritz Keller soll neuer DFB-Boss werden. Der Präsident des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg ist von der Findungskommission des Deutschen Fußball-Bundes für das Amt vorgeschlagen worden. Am 27. September soll sich Keller im Rahmen des DFB-Bundestags zur Wahl stellen. Das gab der Verband in einer Mitteilung bekannt.

Zwar muss sich der 62-Jährige zunächst der Konferenz der Regional- und Landesverbände sowie der Generalversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) stellen, es gilt aber als sicher, dass der vorgeschlagene Kandidat der Findungskommission auch zum Präsidenten ernannt wird.

"Mit Blick auf den SC Freiburg ist mir die Entscheidung, für das Amt des DFB-Präsidenten zur Verfügung zu stehen, alles andere als leichtgefallen", wird Keller in einer Mitteilung des SC Freiburg zitiert. "Da die beiden Ämter nicht miteinander zu vereinbaren wären, werde ich im Falle einer erfolgreichen Wahl als DFB-Präsident mein Amt als Präsident des SC Freiburg schweren Herzens niederlegen."

Nachfolge von Grindel

Keller wird die Nachfolge des im April zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel übernehmen. Grindel hatte in Folge der Luxusuhr-Affäre, bei der er eine Luxusuhr als Geschenk angenommen hatte, seinen Posten geräumt.

"Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten für das Amt des DFB-Präsidenten", wird der DFB-Vizepräsident Rainer Koch in der Mitteilung zitiert. "Jahrzehntelange Erfahrung mit enger Verbindung zum Profi- und Amateurfußball, auch zum Frauenfußball und der Jugendarbeit, sowie eine große unternehmerische Lebensleistung zeichnen ihn aus."

Keller ist neben seiner Tätigkeit als Fußballfunktionär als Winzer und Gastronom tätig.

Intransparentes Verfahren kritisiert

Im Juli war Kritik über das Auswahlverfahren des DFB laut geworden. Sachsens Fußballchef Hermann Winkler nannte die Präsidentensuche "das intransparenteste und undemokratischste Verfahren (...), das man sich denken kann".

"Der Prozess zur Auswahl wurde von einer renommierten Personalberatung begleitet", schreibt der DFB in seiner Mitteilung. Der Prozess hätte "zunächst eingehende Gespräche mit wichtigen Interessenvertretern aus den Bereichen des DFB sowie seiner Regional- und Landesverbände, des Profifußballs, der Partner des DFB sowie sonstiger Vertreter aus Gesellschaft und Politik" umfasst. Dem daraus festgelegten Suchprofil entspreche Keller uneingeschränkt.

Wie der SPIEGEL berichtete, hatte sich der DFB zuvor einige Absagen für das Amt des Verbandspräsidenten eingehandelt. Demnach hätten der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer, der langjährige Aufsichtsratschef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, und auch der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Posten abgelehnt.

In seiner Mitteilung schreibt der DFB, dass Keller der erste und einzige Kandidat gewesen sei, mit dem die Findungskommission Gespräche geführt habe.

hba



insgesamt 37 Beiträge
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freddygrant 15.08.2019
1. Da hat es der DFB aber weit gebracht!
Der Keller Fritz ist ein echtes fußballerisches und wein- bauliches Symbol mit gastronomisches Kenntnissen. Mit solchen Experten aus der süd-westlichen Provinz haben die VFB-Profis in Stuttgart auch schon bedeutende Manage- menterfolge gemacht. Schwierig ist eben nur, dass wir zur Zeit ein Überangebot an Wein, Gastronomie und auch Profifußball haben. An Fan- und Bürgernähe wird der Fritz mal vorest nicht scheitern - wenn es denn so kommt!
hochwart 15.08.2019
2. sehr treffend
Zugegeben, ich interessieren mich überhaupt nicht für Fußball - ja das gibt es wirklich. Dennoch hat mich allein die Überschrift des Artikels sehr erheitert: Sind Bosse landläufig nicht die Oberhäupter krimineller Organisationen? Seht schön... ;-)
Bakturs 15.08.2019
3. Wird sich was ändern?
Wird sich was ändern? Ich habe das Gefühl, dass es keinen DFB, Fifa oder IOC-Funktionär/Präsident etc. gibt, der sich durch "Gastgeschenke" eine goldene Nase damit verdient. Warum lässt man dann nicht einfach die Alten an Bord? Da weiß man wenigsens, dass sie bestechlich sind und man muss kein neues Presse-Fass aufmachen und so tun, als ob es eine Sensationsbotschaft wäre.
RalfHenrichs 15.08.2019
4. Gute Wahl
Vor allem wenn man ihn vergleicht mit den anderen Personen, die angeblich oder nicht laut SPON, zur Auswahl standen oder gestanden haben sollen. Ob sich Keller im Haifischbecken DFB durchsetzen kann, weiß ich nicht, auch nicht ob und welche Konzepte er hat. Aber es stimmt ja, was SPON schreibt: als Person mit diesem Hintergrund bringt er alles mit, was man mitbringen muss. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Fussballfans etwas gegen diese Entscheidung haben könnten.
ALEMANNE2 15.08.2019
5. Gute Wahl
Fritz Keller wäre in der Tat eine gute Wahl. Down to earth, ruhig sachlich im Hintergrund agierend. Und das mit großem Erfolg, wie man beim SC Freiburg sieht. Abseits des Fussballs ist der Mann als erfolgreicher Winzer, Gastronom, Weinhändler und Hotelier finanziell unabhängig. Außerdem: Wenn einer es sich zum erklärten Ziel gemacht hat, guten Wein verbunden mit gutem Essen den Menschen näher zu bringen, dann ist das eine schöne Voraussetzung für ein fruchtvolles Miteinander :-)
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