Funclub Bayern Unersättliche Lust auf Fußball

Oft waren die Bayern dominant, doch fehlte meist die Brillanz. Das wird sich in dieser Saison ändern. Auch wenn Manager Uli Hoeneß noch zweifelt: In dieser Mannschaft haben drei Akteure zusammengefunden, die füreinander geschaffen sind. Findet unser Autor Christoph Biermann.


Es gibt ihn noch, den Zweifler beim FC Bayern. In den vergangenen Tagen hatte er den Mund zu einem Strich zusammengepresst und stapfte mit verspannter Mine durchs Mannschaftshotel in Donaueschingen. Man sah ihn kaum lächeln, nicht einmal nach dem 4:0-Sieg beim Schweizer Zweitligisten Schaffhausen. Uli Hoeneß hat sich nach den Qualen der Vorsaison und den Transferkämpfen des Sommers noch nicht wieder entspannt. "Wir sind alle nervös und unruhig, wie das passt", sagte der Manager der Bayern zu Wochenbeginn.

Klose, Toni: "Erstaunlich, wie gut sie zusammenspielen"
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Klose, Toni: "Erstaunlich, wie gut sie zusammenspielen"

Die Investitionen waren gewaltig und die Wende in der Vereinspolitik damit nicht minder, Hoeneß ist damit kräftig ins Risiko gegangen. Doch eigentlich hätte sich seine Stimmung deutlich aufhellen können, wenn er den ersten Eindrücken seiner neuen Mannschaft schon getraut hätte. Es deutete sich an der Quelle der Donau nämlich etwas an, das nicht weniger als eine Sensation wäre: Dieser FC Bayern München könnte richtig Spaß machen.

Nach der ersten ganz großen Ära des Clubs zu Beginn der siebziger Jahre, stand der Rekordmeister selten einmal für wirklich attraktiven oder auch nur interessanten Fußball. Totale Dominanz übten die Bayern zwar oft aus, aber viele Titelgewinne der letzten anderthalb Jahrzehnte waren eher Triumphe der Zweckmäßigkeit. Durch den Millionenrausch dieses Sommers scheint aber mehr als nur ein Haufen guter Spieler zusammengekommen zu sein, mit dem man wieder an die Spitze kommt. Es besteht die Aussicht auf eine Mannschaft, die ihre Ziele nicht nur minimal kalkulierend zu erreichen versucht.

Noch ist das alles in den frühesten Anfängen, doch selbst da schon kann man erkennen, dass in der neuen Mannschaft drei Spieler zusammengekommen sind, bei denen man das Gefühl hat, sie hätten ihr ganzes Leben darauf gewartet, endlich in einem Team zu spielen. Bei zwei von ihnen merkte es Ottmar Hitzfeld nach dem Test in Schaffhausen an: "Es ist erstaunlich, wie gut Klose und Toni zusammengespielt haben, schließlich sind beide Torjäger."

Doch schon jetzt ist klar, dass die beiden keine konkurrierenden Egoisten sind, sondern instinktiv eine Aufteilung im Sturm gefunden haben, die beiden gefällt und Gültigkeit behalten könnte. Luca Toni ist dabei als die vorderste Spitze nicht nur kopfballstarker Rammbock und hochgefährliche Tormaschine, sondern kann durchaus in feine Kombinationen eingebunden werden. Miroslav Klose spielte auf eine Weise um ihn herum, wie man es bei ihm in Bremen oder bei der Nationalmannschaft schon oft gesehen hat. Dabei war unübersehbar, dass Klose auf dem besten Weg zu der Form ist, die er im Laufe seiner Transferwirren vollständig verloren hatte.

Die wahre Sensation und die Komplettierung des Trios ist aber der von seinen neuen Mitspielern eifrig bestaunte Frank Ribery. Der Franzose hat mit seiner atemberaubenden Schnelligkeit, vor allem aber mit seiner spürbar unersättlichen Lust auf Fußball alle Chancen, zu einer der großen Attraktionen der Bundesliga zu werden. Außerdem könnte er von der Position auf der linken Seite der Spielmacher der Bayern sein, den es nominell nicht geben soll. Ribery kann nicht nur gut flanken oder spektakulär dribbeln, er ist auch in der Lage, ein Spiel zu entwickeln.

So manche Abwehrreihe in der Bundesliga könnte in der kommenden Saison alptraumhafte Momente erleben, denn Ribery, Klose und Toni passen auf dem Platz schon jetzt erschreckend gut zusammen. Alle drei wirken wie Mannschaftsspieler, unkompliziert und ohne Allüren. Ottmar Hitzfeld wird gar nicht viel mit ihnen an irgendwelcher Abstimmung arbeiten müssen, eigentlich braucht er ihnen nur den Ball zum Spielen hinzuwerfen. Das ist zwar noch keine ganze Wahrheit über das Spiel einer Mannschaft, aber mit den Tagen von Donaueschingen liegt ein Versprechen in der Luft. Es kündet von einem Spaßfußball, der vielleicht auch Uli Hoeneß irgendwann wieder lächeln lässt.

insgesamt 580 Beiträge
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Seite 1
Dirk Ahlbrecht, 05.06.2007
1. ...
Man hätte, wo man schon gerade dabei war, noch etwas Geld für einen neuen Trainer in die Hand nehmen sollen. Das wäre dann eine runde Sache gewesen. So wird man erst noch zur Mitte der Saison einen anderen Trainer installieren, der dann den Zug ins Rollen bringt.
Golden Age 05.06.2007
2.
Vor allem sind diese Einkäufe das Salz in der Suppe für die Zuschauer. Sie garantieren zwar den Erfolg nicht, aber sie machen ihn doch wahrscheinlicher. Schalke, Bremen und Stuttgart müssen nun ihre Leistung aus dem Vorjahr bestätigen, während die Bayern eigentlich nur besser werden können als Platz 4. Zu Ribery: Ich glaube es erst, wenn dieser offiziell von den Bayern vorgestellt wird. Es wäre der spektakulärste Neuzugang eines Bundesligisten aus dem Ausland in den letzten 5 Jahren und er wäre der unbestrittene Star der Liga selbst vor Diego und Klose. Ich befürchte, dass Real Madrid den Bayern wie letztes Jahr bei van Nistelrooy einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Dieser Transfer wäre gleichbedeutend mit einem enormen Renomee-Gewinn der gesamten Bundesliga.
Carolusmagnus, 05.06.2007
3. FC Panoptikum
Die Bayern hatten schon seit Jahren andere Vereine erstmal systematisch kaputtgekauft, indem sie die besten Spieler wegholten, für die sie oft nur selten Verwendung hatten. Zudem konnte kaum ein Spieler bei den bayern sein Niveau halten, viele hatten sich danach dramtisch verschlechtert. Der FC Bayern ist keine harmonische Elf, sondern eine zusammengewürfelte Söldnertruppe, ohne Herz, ohne Stil. Podolski, Klose, Schlaudraff, wie sie alle heißen mögen, werden bei den Bayern dahinkümmern. Gerade Klose, der bei Werder einen solchen Schub hatte, wird als ein Schatten seiner selbst dahinvegetieren. Mit Geld kann man keine harmonische Fußballtruppe zusammenkaufen, aber man kann andere, harmonische Mannschaften zerstören.
Eisenhieb, 05.06.2007
4.
Zitat von sysopDer FC Bayern hat groß aufgerüstet. Doch sind Luca Toni, Franck Ribery und Ze Roberto eine Garantie für nationale und internationale Titelgewinne? Oder prophezeien Sie dem FC Bayern weiterhin eine schwere Zukunft auf er europäischen Bühne?
Ich bin zwar ganz bestimmt kein Bayern Fan, und ich wünsche Bayern auch kein Glück in der kommenden Saison für die Meisterschaft. Trotzdem hoffe ich, dass die Bayern wenigstens nächste Saison auf der kleinen europäischen Bühne UEFA Cup, erfolgreich sind und den Titel nach Deutschland holen. In Sachen Meisterschaft (und CL Titel) soll dann bitteschön wieder der VfB trumpfen... ;)
oli0602 05.06.2007
5.
Zitat von sysopDer FC Bayern hat groß aufgerüstet. Doch sind Luca Toni, Franck Ribery und Ze Roberto eine Garantie für nationale und internationale Titelgewinne? Oder prophezeien Sie dem FC Bayern weiterhin eine schwere Zukunft auf er europäischen Bühne?
Naja also ich bin der Meinung, dass die Neuzugänge nun nicht DIE Kracher sind. Luca Toni und Ze Roberto sind schon über 30. Schlaudrauff und dieser andere Mittelfeldspieler sind graue Mäuse. Einzig Ribery und Klose sind sehr gut. Super Alter, super Spieler. Vom Rest bin ich enttäuscht. Ich an des Gegners Stelle würde davor keine Angst kriegen und Geld allein schießt keine Tore (bestes Beispiel ist Chelsea die grade mal ein paar Ligapokale gewinnen)... Mit besten Grüssen
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