"Mental gebrochen" Warum Weltfußballerin Hegerberg bei der WM nicht für Norwegen spielt

Wenn am Freitag die WM in Frankreich beginnt, wird die weltbeste Fußballerin fehlen. Nun hat Ada Hegerberg über ihre Probleme mit dem norwegischen Verband gesprochen. Eine Reaktion kam von Fußballer Martin Ødegaard.

Ada Hegerberg im Trikot von Olympique Lyon
Bernadett Szabo/REUTERS

Ada Hegerberg im Trikot von Olympique Lyon


Nach einem Streit mit dem norwegischen Verband über den Umgang mit Fußballerinnen und ihre Beteiligung an Prämien hatte Ada Hegerberg 2017 ihren Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt. Wenn ihr Team am Samstag sein erstes Spiel bei der Weltmeisterschaft in Frankreich bestreitet, wird die 23-Jährige nach wie vor nicht für ihr Land auflaufen, sondern das Turnier als TV-Expertin begleiten.

Hegerberg steht bei Olympique Lyon unter Vertrag und gewann unter anderem dreimal die Champions League. 2018 wurde sie mit dem Ballon d'Or als Weltfußballerin ausgezeichnet. "Fußball ist der beliebteste Sport in Norwegen für Mädchen und Jungen und das schon seit Jahren, aber gleichzeitig haben Mädchen nicht die gleichen Chancen wie die Jungen", hatte sie einst dem "Guardian" gesagt.

Lohnungleichheit im Sport und der sogenannten "Gender Pay Gap" sind kein norwegisches Problem, die Geschlechter-Einkommenslückefindet sich in vielen Ländern. In Deutschland prangerte Ende April Nationaltorhüterin Almuth Schult unter anderem die Haltung beim DFB in Bezug auf Gleichberechtigung an.

Einen Rücktritt vom Rücktritt hatte Hegerberg ausgeschlossen - und nun dem norwegischen Fußballmagazin "Josimar" ein Interview gegeben, in dem sie über ihre Erfahrungen spricht, die sie mit dem norwegischen Verband während ihres Einsatzes für gleiche Bezahlung gemacht hat. "Bei so vielen Trainingslagern war es hart. Ich war mental gebrochen", sagte die Stürmerin von Olympique Lyon.

"Es war ein zutiefst deprimierendes Gefühl. Ich hatte Albträume, nachdem ich bei der Nationalmannschaft war. So etwas sollte man nicht haben", sagte Hegerberg, die 66 Länderspiele für Norwegen bestritten hat. "Mir kam schlagartig der Gedanke, dass ich meine Laufbahn im Nationalteam beenden muss." Die Entscheidung habe geholfen, sagt sie: "Alles fiel danach von mir ab, und ich habe wieder gut geschlafen."

"Es kann hart sein, allein für etwas einzustehen, an das man glaubt"

Ihr Rücktritt war nicht ohne Effekt in Norwegen geblieben und sorgte für Diskussionen. Der Verband hatte sich in der Folge entschieden, die Prämien für Nationalspielerinnen von 316.000 auf 612.000 Euro zu steigern und somit fast zu verdoppeln. Allerdings kam die Anpassungen auch deshalb zustande, weil Norwegens Nationalmannschaft der Männer sich bereiterklärt hatte, auf einen Teil der eigenen Prämien zu verzichten.

Hegerberg repräsentiert Norwegen - nur nicht im Nationalteam
Lisi Niesner / REUTERS

Hegerberg repräsentiert Norwegen - nur nicht im Nationalteam

Einige Nationalspielerinnen dankten Spielern und Verband öffentlich, Hegerberg reichte der Schritt nicht aus. Und er änderte nichts an ihrem Entschluss. "Es kann hart sein, allein für etwas einzustehen, an das man glaubt", hatte sie dem TV-Sender "CNN" im vergangenen Monat gesagt. "Aber ich bin bereit, das auszuhalten, um für meine Werte und Überzeugungen einzustehen - und meinen Weg zu gehen."

Vom Entgegenkommen des Verbands ist sie noch immer nicht überzeugt. "Ich war sehr ehrlich mit den Verantwortlichen des Nationalteams", sagte Hegerberg. "Für mein Gefühl war es nicht gut genug - und es ist nicht gut genug."

Kritik von Martin Ødegaard

Eine Reaktion kam vom norwegischen Nationalspieler Martin Ødegaard. Er bemängelte den Zeitpunkt, den Hegerberg gewählt hat, um dem Magazin das Interview zu geben und darin ihre Kritik zu erneuern. "Vielleicht könnte man sich mit anderen Sachen beschäftigen, als die Vorbereitung des Teams auf die WM zu stören?", schrieb der an Vitesse Arnheim ausgeliehene Spieler auf Instagram.

"Sie haben sich mit ihrem Land für die Weltmeisterschaft qualifiziert (eine der größten Sachen, die man im Fußball erleben kann), und sie hatten bereits genug negative Aufmerksamkeit. Sie verdienen etwas Besseres", sagte Ødegaard weiter. Den Zeitpunkt des Interviews nannte er unbegreiflich und furchtbar und sagte direkt an Hegerberg gewandt: "Die Entscheidung, nicht für Norwegen zu spielen, ist deine. Aber respektiere Norwegen und unser Nationalteam. Es reicht jetzt."

Aus Hegerbergs Perspektive ist der Zeitpunkt ihres Interviews allerdings nicht unpassend, im Gegenteil: Welche Bühne wäre besser als eine WM geeignet, die Öffentlichkeit für den Kampf gegen Ungleichheit zu sensibilisieren?

Zu Ødegaards Aussagen wollte sich Hegerberg nicht äußern, das gaben ihre Vertreter bekannt.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die ursprüngliche Textversion überarbeitet und Hegerbergs Anliegen deutlicher gemacht. Zudem haben wir Ergänzungen zu Hegerberg selbst und dem Konflikt mit Norwegens Verband vorgenommen.

tip/mon/Reuters



insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thorgur 05.06.2019
1. Schlechter Artikel
Es wird nicht klar in dem Artikel worum es eigtl. geht. Wieso ist sie jetzt zurückgetreten ? Wegen zuvieler Trainingslager ? Oder ging es ums Geld ? Oder worum geht es ? Es wird nur zusammenhangslos mit Informationen rumgeworfen.
Polemski 06.06.2019
2. Geht mir genauso
Zitat von thorgurEs wird nicht klar in dem Artikel worum es eigtl. geht. Wieso ist sie jetzt zurückgetreten ? Wegen zuvieler Trainingslager ? Oder ging es ums Geld ? Oder worum geht es ? Es wird nur zusammenhangslos mit Informationen rumgeworfen.
Für die Leser ohne Vorkenntnisse werden üblicherweise am Ende des Artikels die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengefasst. Hier hatte ich auch darauf gehofft, aber leider Fehlanzeige.
awes 06.06.2019
3. Schlampig geschrieben
.... wenn ich drei Mal im Artikel suchen muss, weswegen die Frau Probleme mit dem Verband hat, ist der Artikel schlampig geschrieben. Sorry, ist so.
RalfHenrichs 06.06.2019
4.
Hegerberg hat darum gekämpft, dass die Frauen gleich hohe Prämien wie Männer erhalten. Dieser Kampf hat natürlich Kraft gekostet und mit einigen im Verband, hat sie sich überworfen. Auch wenn sich sich schließlich durchgesetzt hat, sind im norwegischen Verband und wahrscheinlich auch jetzt in Frankreich beim norwegischen Team Personen dabei, die ihr schlicht unsympathisch sind und mit denen sie keine Zeit verbringen will. Erinnert mich an Bernd Schuster, auch wenn die Gründe natürlich andere waren. Aber auch ein großer Fußballer, der mit den damals aktiven Leuten im DFB nichts anfangen konnte und dann nie wieder für die Nationalmannschaft gespielt hat.
Leser1000 06.06.2019
5. @1 stimmt
...Ich habe mich auch gefragt, was dem geneigten Leser vermittelt werden soll, ausser das die Dame aus irgendwelchen Gründen nicht spielen mag. Geld wird angedeutet, aber sonst noch was?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.