Fußball auf Grönland "Kein Halm, nur Pfützen"

Jens Tang Olesen hat einen schweren Job. Er trainiert das grönländische Fußball-Nationalteam. Leider gibt es auf der Arktis-Insel keine Rasenplätze. Mit dem Magazin "11 FREUNDE" sprach Olesen über sandiges Treiben, den Traum vom feinen Kick und gemütliche Trinkabende.


Frage: Herr Olesen, wie grün ist das Gras auf Grönland?

Antwort: Fragen Sie nicht. Es wächst überhaupt nicht. Wir sind gezwungen, auf Sandplätzen zu spielen, auf denen zu allem Überfluss noch das Wasser steht.

Frage: Klingt, als ob Sie dort oben auch keinen besonders schönen Sommer hatten.

Pfütze: Schön anzusehen, aber schlecht für Fußball
DPA

Pfütze: Schön anzusehen, aber schlecht für Fußball

Antwort: Nicht im Geringsten. Im Juli und August hat es geregnet und gestürmt, oft lagen die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. So wächst kein Halm.

Frage: Als Nationaltrainer von Grönland sind Sie ein weit gereister Mann. Wer hat den schönsten Rasen?

Antwort: Die Dänen haben sehr schöne Plätze. Und auch über den deutschen Rasen kann ich nur staunen. Scheint, als seien die Greenkeeper dort talentierter als bei uns.

Frage: Die werden sich wohl kaum nach Grönland locken lassen. Was nun?

Antwort: Die drei größten Gemeinden Grönlands haben begonnen, Geld für einen Kunstrasenplatz zu sammeln. Ich hoffe, dass er 2009 gebaut werden kann.

Frage: Nur ein Platz für das riesige Land?

Antwort: Auswärtsfahrten wären bei den Entfernungen hier ohnehin unzumutbar. Deshalb tragen wir die Meisterschaft immer in Form eines 14-tägigen Turniers in Nuuk aus. Das Team TM 62 aus Kulusuk, einer Stadt mit 800 Einwohnern im Osten, muss jedes Mal 25.000 Euro für die Anreise investieren, ist drei Tage unterwegs und wird fast immer Letzter. Bedauerlich, aber es geht nicht anders.

Frage: Sandplätze, Pfützen, unendliche Weiten. Und jetzt wird es auch noch Winter.

Antwort: Wie jedes Jahr! Aber wir Grönländer sind sehr gesellige Menschen und kriegen die Zeit schon rum. Wir essen gern, trinken gern. Und danach gehen wir tanzen.

Frage: Träumen Sie dennoch nicht manchmal davon, Nationaltrainer von Jamaika zu werden?

Antwort: Ach, dazu bin ich doch viel zu alt. Außerdem hätte ich da nach zehn Minuten einen Sonnenbrand.

Anmerkung der Redaktion: Die Dokumentationsabteilung des SPIEGEL hat sich diesen Text nach Hinweisen auf mögliche Manipulationen Anfang 2019 noch einmal vorgenommen, aber keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die Fragen stellte Dirk Gieselmann



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