Fußball-Betrug Ermittlungen gegen Juve-Stars Ibrahimovic und Cannavaro

Nicht nur der Fußball Italiens steht unter Manipulationsverdacht – auch in der niederländischen Liga ist die Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Für Juventus Turin wird die Lage immer bedrohlicher. Die Steuerfahndung hat nicht nur die Geschäftsstelle des Clubs durchsucht, sondern auch die Wohnung von zwei herausragenden Profis.


Turin/Rom - Heute bekamen die Spieler Zlatan Ibrahimovic (WM-Teilnehmer mit Schweden) und Fabio Cannavaro (Italien) Besuch von der Finanzpolizei. Die Razzia wurde von der Turiner Staatsanwaltschaft angeordnet, die gegen Juventus wegen Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung ermittelt. Außerdem wurde der Hauptsitz des Vereins sowie die Wohnung des am Montag zurückgetretenen Juve-Sportdirektor Luciano Moggi durchsucht und mehrere Dokumente beschlagnahmt.

Juve-Spieler Ibrahimovic: Wohnung durchsucht
REUTERS

Juve-Spieler Ibrahimovic: Wohnung durchsucht

Die Staatsanwälte von Neapel trafen mit dem kommissarischen Vorsitzenden des italienischen Fußballverbands, Guido Rossi, zusammen. Rossi leitet den Verband, nachdem der bisherige Präsident Franco Carraro zurücktreten musste. Nach einem zweistündigen Gespräch mit den Ermittlern in Neapel versicherte Rossi, er werde mit der Staatsanwaltschaft eng zusammenarbeiten, um die Affäre zu klären.

Heute wollen die Ermittler auch Nationaltrainer Marcello Lippi befragen. Medienberichten zufolge habe Moggi auf den ehemaligen Juve-Coach Druck ausgeübt, Spieler zu nominieren, die bei der Vermittlungsagentur GEA seines Sohnes Alessandro unter Vertrag stehen. Damit sollte der Marktwert der Profis gehoben werden. Lippi bestreitet das.

Wegen der neuen Entwicklungen verloren die Juve-Aktien an der Mailänder Börse am Donnerstag fast acht Prozent ihres Wertes. Diese Woche waren die Papiere wegen starker Kurseinbrüche häufiger vom Handel ausgesetzt worden. Auch die Aktien des Juve-Hauptaktionärs, der Finanzholding Ifil unter Kontrolle der Unternehmerfamilie Agnelli, mussten heute schwere Verluste hinnehmen.

Merkwürdig reiche niederländische Profis

Auch im niederländischen Fußball soll es Manipulationen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft in Den Haag hat laut eines Berichts der Zeitung "De Telegraaf" Ermittlungen über mögliche Bestechung und Betrug im niederländischen Profifußball aufgenommen. "Wir stehen noch am Anfang und werden untersuchen, ob es hier um Straftaten geht", erklärte ein Justizsprecher.

Anlass der Ermittlungen sind die Geldausgaben einiger Fußball-Profis. Es soll sich um Spieler von Clubs der Ehrendivision (erste Liga) und ersten Division (zweite Liga) handeln, die mit ihren Vereinen im unteren Teil der Tabelle angesiedelt sind. Einige Spieler hätten mehr Geld ausgegeben als sie verdienen würden, hieß es im "Telegraaf". Nach Informationen der Zeitung sollen Wettbüros, die Fußballergebnisse beeinflusst haben sollen, dahinterstecken. Sie sollen angeblich die Fußball-Wetten auch zur "Geldwäsche" benutzt haben.

sge/sid



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