Brasilien-Check zur WM Stadien, Sicherheit, Samba

Die Gruppen stehen fest, die WM kann kommen. Doch ist Brasilien wirklich schon für den Besucheransturm anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft gerüstet? Die wichtigsten Infos zu Stadien, Flughäfen, Hotels und Verpflegung.

DPA

Von , Rio de Janeiro


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Die Auslosung der WM-Gruppen ist Geschichte, nun können sich die 32 teilnehmenden Teams auf ihre Gegner vorbereiten, Hotels buchen und Anfahrten planen. Gastgeber Brasilien muss zusehen, dass Stadien und Flughäfen rechtzeitig fertig werden. Und auch für viele Fans beginnt nun der Vorbereitungsendspurt (Hier geht's zum kompletten WM-Spielplan).

Auf welchen WM-Baustellen hakt es noch? Wie sicher ist Ihre WM-Reise? Und welche Impfungen brauchen Brasilien-Gäste? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zur Weltmeisterschaft 2014:

  • Stadien: Sechs der zwölf WM-Arenen sind noch nicht fertig: São Paulo, Natal, Porto Alegre, Manaus, Cuiabá und Curitiba. Vor allem in Cuiabá und im regnerisch-schwülen Manaus macht den Bauarbeitern das Wetter zu schaffen, aber auch Architekten und deren Planungen sind in Brasilien in die Kritik geraten. Fast überall musste mehr Geld als geplant in den Bau der Stadien gepumpt werden. Am meisten Sorgen machen die Arenen in Cuiabá (wegen der erdrückenden Hitze) und São Paulo. Dort stürzte am 27. November ein 500-Tonnen-Kran auf das Stadiondach und tötete zwei Bauarbeiter. Es wird mit vier Monaten Verspätung bei der Fertigstellung gerechnet.

  • Nachhaltigkeit: Vor allem in entlegenen Städten wie Manaus oder Cuiabá ist mehr als fraglich, wer die Stadien nach der WM nutzen soll. Hochklassige Clubs, die die Arenen füllen könnten, gibt es dort nicht. Allein mit Konzerten wird man die Neubauten, die jeweils nur für vier Gruppenspiele errichtet wurde, nicht auslasten können. Den Organisatoren war es jedoch sehr wichtig, die WM auch ins Landesinnere zu bringen.

  • Infrastruktur: 600.000 ausländische WM-Touristen werden erwartet - und die wollen reisen. Sechs Flughäfen sind jedoch noch nicht fertig, darunter die Drehkreuze Brasilia, São Paulo und Rio de Janeiro. Zum Teil werden noch komplett neue Terminals aus dem Boden gestampft. In den WM-Städten selbst wird nicht alles pünktlich zum Turnier fertig werden: In Cuiabá etwa wird derzeit beinahe die ganze Stadt umgepflügt, rund 30 Baustellen bringen den Verkehr täglich zum Erliegen. Auch in São Paulo laufen ambitionierte Projekte wie der Bau einer Stadtbahntrasse auf riesigen Stelzen. Sie soll den Verkehrsinfarkt in der 20-Millionen-Metropole verhindern.

  • Sicherheit: Brasilien ist in den vergangenen Jahren deutlich sicherer geworden. Vor allem in Rio de Janeiro hat die Polizei massiv durchgegriffen. Überall in der Stadt ist die Polizei postiert, man sollte dennoch die Augen offen halten. Sorgen macht den Verantwortlichen die vermehrte Anzahl von Massenüberfällen am Strand. Die Megacity São Paulo bleibt unübersichtlich - in guten Vierteln gibt es überhaupt keine Sicherheitsprobleme, andere Gegenden sollten Touristen besser meiden. Und die Gewalteskalation am letzten Spieltag der brasilianischen Liga geben Anlass zur Beunruhigung und werfen ein schlechtes Licht auf das Gastgeberland.

  • Proteste: Zurzeit ist es relativ ruhig in Brasilien, die Regierung will dennoch in jeder WM-Stadt 1500 Soldaten abstellen. Experten rechnen damit, dass die Demos, die es beim Confederations Cup im Sommer wegen der Korruption und Verschwendung von Geldern gab, bei der WM wieder aufflammen werden. Landesweit organisiert sich derzeit der Widerstand. Banken im Stadtzentrum von Rio de Janeiro sind immer noch mit Brettern verrammelt. Viele Brasilianer kritisieren die vermummten Randalierer, die sich an die zum Großteil friedlichen Proteste hängen und nächtelang randalieren, Busse anzünden und Bankautomaten zerstören. Aber auch Bilder von prügelnden Polizisten sind natürlich keine gute Werbung.

  • Hotels: In Rio de Janeiro droht Abzocke: So kostet ein Bett pro Nacht in einem Backpacker-Hostel bis zu 350 Euro. Im Sechserzimmer und mit Gemeinschaftsdusche. Die brasilianische Regierung ist dabei, diesen Preiswucher zu stoppen. Doch auch Brasilia droht, ein sehr teures Pflaster zu werden, in Salvador hingegen ist derzeit für 150 Euro ein Mittelklassedoppelzimmer zu bekommen. Kompliziert wird es in Cuiabá - dort gibt es viel zu wenige Hotels. Eine große und bezahlbare Auswahl an Schlafmöglichkeiten finden Touristen in São Paulo.

  • Essen und Trinken: Günstiges Brasilien - das war einmal. Die Preise haben europäisches Niveau und liegen manchmal eher darüber: Ein Mittagstisch kostet rund acht Euro, das beliebte Fleischessen vom Spieß, "Churrasco", 15 bis 25 Euro. Für eine Pizza vom Lieferdienst sind 15 bis 20 Euro fällig, das große Bier kostet zwei bis drei Euro. Eine Caipirinha am Strand gibt es für drei Euro. Supermarktpreise sind meist etwas höher als in Deutschland. WM-Fans sollten also mit täglichen Kosten von 200 bis 250 Euro rechnen, inklusive Hotel und Inlandstransport.

  • Transport: Derzeit kosten Flüge von Deutschland nach Brasilien rund 1250 Euro. Inlandsflüge sind nach Einschreiten der Regierung gegen den Preiswucher wieder relativ günstig geworden. Auch mit den modernen Reisebussen, die in drei Klassen eingeteilt sind, kann man sich günstig und komfortabel durchs Land bewegen. So dauert die Fahrt von Rio nach São Paulo (etwa 430 Kilometer) nur acht Stunden. Wer einen bequemen Schlafplatz im Nachtbus bucht, spart sich die Hotelübernachtung.

  • Tickets: Bislang wurden exakt 1.084.335 Tickets verkauft. Am Sonntag beginnt nun die nächste Verkaufsphase für die Eintrittskarten. Die Fans haben dann bis zum 30. Januar 2014 Zeit, per Internet auf der Fifa-Homepage ihre Bestellung abzugeben. Die Tickets werden dann im Februar per Verlosung vergeben, ehe ab 26. Februar bis zum 1. April noch eine Zuteilung nach dem Prinzip "First Come - First Serve" erfolgt.

  • Klima: In den Spielorten Porto Alegre und Curitiba wird im brasilianischen Winter mit 15 bis 20 Grad zu rechnen sein, in Rio und São Paulo mit 20 bis 25 Grad. Sehr warm wird es im Nordosten mit 30 Grad, richtig heiß und schwül mit 35 Grad in Manaus. In Cuiabá kann das Thermometer sogar auf 40 Grad erreichen.

  • Impfungen: Standardimpfungen wie Polio, Diphterie und Tetanus sind Pflicht, zur Immunisierung gegen Hepatitis und Gelbfieber raten die Experten vom Hamburger Tropeninstitut. Bei Malaria-Prophylaxe scheiden sich die Geister. Die meisten Amazonas-Lodges liegen an säurehaltigen Gewässern, wo es gar keine Moskitos gibt.

  • Sprache: Ein paar Brocken Portugiesisch sind in Brasilien mehr als hilfreich. Englisch spricht man nur in guten Hotels und am Flughafen - auf der Straße und am Strand ist es eher die Ausnahme. Wer den Daumen hochstreckt und dazu ein freundliches "tudo bem" (Alles in Ordnung) sagt, erntet zumindest schon mal ein Lächeln.

  • Stimmung: Die WM ist schon jetzt Gesprächsthema Nummer eins in Brasilien - ganz gleich ob am Strand, in Bars oder Shoppingcentern. Es ärgert die Brasilianer, dass sie in den Zeitungen immer wieder über Verzögerungen beim Bau von Stadien oder Flughäfen lesen müssen. Das wirtschaftlich erfolgreiche Land, in dem die Mittelschicht immer größer wird, möchte ein perfekter Gastgeber sein. Wenn Brasilien zum sechsten Mal Weltmeister wird, ist mit einer großen Sambaparty zu rechnen. Und davon gehen sowieso alle aus. Zumindest in Brasilien.

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Seite 1
iria 09.12.2013
1. Seltsam unkritisch und oberflächlich
finde ich diesen Bericht. Wenn der Autor es sich schon zur Aufgabe macht, den potentiellen Gast bei der WM in Brasilien zu informieren, warum informiert er ihn dann nicht z.B. auch darüber, dass es Zwangsräumungen anlässlich der WM gibt oder dass sich der Durchschnittsbrasilianer keine Eintrittskarte für ein Spiel im Stadion leisten kann, um nur zwei von vielen kritischen Punkten zu nennen?
WilliButz 09.12.2013
2. Wieder mal schnell recherchiert?
Leider wieder etwas sehr oberflächlich beschrieben: man könnte meinen, dass die Flughäfen noch komplette Baustellen sind. Nein, die Flughäfen sind fertig und in Betrieb, die Erweiterungen (Terminal 3 in GRU) sind es nur noch nicht... Die Stadtbahntrassen (eine Monorail auf Stelzen) haben nichts mit der WM zu tun, sondern werden gebaut, weil es billiger ist als die Metro. Fertig wird Anfang 2014 nur ein kleines Stück von Linie 15. Und am Flughafen spricht die Leiharbeiterin an der Immigration, die den Job für die Bundespolizei macht, kein Englisch ;-) Der Bus von Rio nach SP braucht nur 6h.
dr.joe.66 09.12.2013
3. Falsche Erwartungen...
Zitat von sysopDPADie Gruppen stehen fest, die WM kann kommen. Doch ist Brasilien wirklich schon für den Besucheransturm anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft gerüstet? Die wichtigsten Infos zu Stadien, Flughäfen, Hotels und Verpflegung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-brasilien-check-zur-wm-2014-a-936970.html
Da gibt es wohl eine Menge falscher Erwartungen von den Fußball-Fans aus Europa. - Viele erwarten Chaos und organisatorische Unfähigkeit. Aber das werden die Brasilianer besser hinbekommen als viele heute denken. - Andere erwarten das Bild, das das Tourismus-Ministerium gerne verbreitet: Traumstrände und lächelnde Schönheiten. Aber solche Naivität führt schnell zu unschönen Erinnerungen an Raubüberfälle oder Taschendiebe und zu Hepatitis und schlimmerem... - Die meisten erwarten ganz sicher ein großes fröhliches Samba-Fußball-Fest, möglichst ohne gewalttätige Proteste. Aber wird das wirklich so kommen. Das ist zu bezweifeln. Und was passiert, wenn Brasilien früh ausscheidet? In der Vorrunde wohl eher unwahrscheinlich. Aber das Achtelfinale wird gegen Spanien oder die Niederlande sein. Was machen die frustrierten Brasilianer aus den Armutsvierteln, wenn der fest gebuchte und zur Volksberuhigung notwendige WM-Titel schon früh futsch ist???
spaas11 09.12.2013
4. diesen
Jammereien sind bei jeder WM zu lesen, wird schon klappen, wie immer... und die Frauen sind auch noch hübscher als anderswo..;-)
hman2 09.12.2013
5. Wie schon in Südafrika...
...habe ich den Eindruck, dass der Spiegel aus einem Paralleluniversum berichtet, dass mit der Realität nicht viel zu tun hat. Während in Südafrika der Spiegel schrieb, die Angst würde umgehen - während man überall nur fußballverrückte Südafrikaner sah, ist's nun andersrum. ---Zitat--- Sicherheit: Brasilien ist in den vergangenen Jahren deutlich sicherer geworden. ---Zitatende--- Das sehen Brasilianer die ich kenne genau andersrum. ---Zitat--- Vor allem in Rio de Janeiro hat die Polizei massiv durchgegriffen. Überall in der Stadt ist die Polizei postiert, man sollte dennoch die Augen offen halten. ---Zitatende--- Das hilft nicht gegen Diebstahl, noch hilft es einem in Gefahrensituationen. Wer mit dem Auto aus Versehen in eine Favela einbiegt, kann mit dem Leben abschließen. Drogenabhängige zögern nicht, von der Waffe Gebrauch zu machen. Da kommt auch keine Polizei, in manche Favelas traut sich kein Polizist rein. Vielleicht machen sie ein paar Deals mit den Drogenbaronen, die die wahre Macht dort darstellen, aber genaues weiß man nicht. ---Zitat--- Sorgen macht den Verantwortlichen die vermehrte Anzahl von Massenüberfällen am Strand. ---Zitatende--- Nicht nur am Strand. Sogar Einkaufszentren wurden schon gestürmt. ---Zitat--- Die Megacity São Paulo bleibt unübersichtlich - in guten Vierteln gibt es überhaupt keine Sicherheitsprobleme, ---Zitatende--- Was wäre so ein gutes Viertel? Gated Communities? Meine Freunde kennen keine Orte an denen es "überhaupt keine" Sicherheitsprobleme gäbe. ---Zitat--- Proteste: Zurzeit ist es relativ ruhig in Brasilien, die Regierung will dennoch in jeder WM-Stadt 1500 Soldaten abstellen. Experten rechnen damit, dass die Demos, die es beim Confederations Cup im Sommer wegen der Korruption und Verschwendung von Geldern gab, bei der WM wieder aufflammen werden. ---Zitatende--- Die haben eigentlich gar nicht erst aufgehört - nur hat der Spiegel nicht mehr drüber berichtet. Es wird beinahe täglich demonstriert, und wer zwischen die Fronten kommt hat ein Problem.
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