Gesetz verabschiedet Bremen bittet DFL für Polizeieinsätze zur Kasse

Die Bremer Bürgerschaft hat entschieden: Künftig soll die DFL für Polizeieinsätze bei Risikospielen in Bremen zahlen. Einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Ligaverband sieht das Land zuversichtlich entgegen.
Polizisten, Bremer Fußballfans: "Bewusst für diese Lösung entschieden"

Polizisten, Bremer Fußballfans: "Bewusst für diese Lösung entschieden"

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Hamburg - Bremen macht Ernst und bittet die Deutsche Fußball Liga (DFL) ab sofort für entstehende Mehrkosten bei Polizeieinsätzen während Risikospielen zur Kasse. Mit den Stimmen der rot-grünen Regierungskoalition verabschiedete die Bremer Bürgerschaft das umstrittene Gesetz.

Im deutschen Fußball empfindet man den Vorstoß als Tabubruch. Bislang wurden sämtliche Kosten für die Sicherheit außerhalb der Stadien aus öffentlichen Mitteln getragen."Wir haben uns bewusst für diese Lösung entschieden und werden sie auch konsequent zum Abschluss bringen", sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer.

Der SPD-Politiker blickt auch dem zu erwartenden Gang vor die Gerichte gelassen entgegen: "Wenn man sich seitens der DFL die erste Niederlage eingehandelt hat, wird man vielleicht zur Vernunft kommen und darüber nachdenken, ob man nicht einen anderen Weg gehen kann."

Zentraler Punkt der von Mäurer vorangetriebenen Neuregelung ist das Vorhaben der Landesregierung, die zusätzlichen Kosten für sogenannte Hochsicherheitsspiele der DFL in Rechnung zu stellen. Schätzungen zufolge kostet die Überwachung solcher Begegnungen rund 250.000 Euro zusätzlich pro Einsatz. "Diese Kosten sollen nicht der Allgemeinheit in Rechnung gestellt werden, sondern der DFL", sagte Mäurer.

Erstmals soll das neue Gesetz bei der Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 am 13. Dezember greifen. Als Risikopartien gelten zudem die Gastspiele des Hamburger SV Mitte April 2015 sowie von Eintracht Frankfurt am ersten Maiwochenende 2015.

Länderspiel von Bremen nach Nürnberg verlegt

Der Vorstoß aus Bremen hatte zuletzt für heftige Diskussionen gesorgt. Die DFL kündigte bereits juristische Schritte gegen etwaige Zahlungsaufforderungen an. Zudem hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Bremen das für den 14. November geplante EM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft gegen Gibraltar entzogen. Um den Druck auf Bremen zu erhöhen, wurde die Partie kurzerhand nach Nürnberg verlegt.

Unmittelbar nach der Entscheidung des Bremer Senats äußerte sich der Ligaverband wie erwartet erneut kritisch: "Das Bremer Gesetz löst nicht die Probleme, sondern soll nur die Haushaltslöcher stopfen. Wir bleiben dabei, dass es mit unserem Rechtsverständnis grundsätzlich nicht vereinbar ist", sagt Ligapräsident Reinhard Rauball. "Sollte der Ligaverband einen Kostenbescheid aus Bremen erhalten, werden wir in jedem Fall juristische Schritte dagegen einleiten und Kosten an den SV Werder Bremen weiterbelasten."

Bei dem ohnehin krisengeplagten Bremer Bundesligisten stößt das Gesetz auf wenig Gegenliebe. "Wir glauben, es ist der falsche Weg. Es ist ein Umverteilungsweg, der die Probleme nicht löst. Es wird durch alle Instanzen gehen, das kann drei bis vier Jahre dauern", sagte Klaus Filbry, der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung.

Außer Bremen hat noch kein Bundesland angekündigt, die Kosten für Polizeieinsätze auf die Klubs abwälzen zu wollen. Mäurer gefällt sich in der Rolle des Vorreiters und rechnet damit, dass sich andere Bundesländer anschließen werden: "Warum soll man sich aus der Deckung begeben, wenn man andere hat, die erst einmal versuchen, diese Auseinandersetzung zu führen?"

buc/sid
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