Fußball-Bundesliga Bayer setzt sich an die Spitze

Vergangene Saison sicherte sich Leverkusen erst am letzten Bundesliga-Spieltag den Klassenerhalt. Nun steht Bayer plötzlich auf Platz eins der Tabelle. Dafür befinden sich mit Hertha BSC und dem Hamburger SV Clubs im Keller, die eigentlich ganz oben mitspielen wollten.


Jubel in Leverkusen: Die Bayer-Profis Lucio (unten) und Juan feiern die Gala gegen Aufsteiger Freiburg
DDP

Jubel in Leverkusen: Die Bayer-Profis Lucio (unten) und Juan feiern die Gala gegen Aufsteiger Freiburg

Leverkusen gewann am Samstag gegen Bundesliga-Rückkehrer SC Freiburg mit 4:1 (3:1). Vor 22.000 Zuschauern in der BayArena erzielten Robson Ponte (17.), Lucio (21.), Juan (41.) und Oliver Neuville (61.) die Treffer für die in der vergangenen Saison gerade noch dem Abstieg entgangenen Gastgeber. Der Neuling aus dem Breisgau war in der 20. Minute durch Sascha Riether zum zwischenzeitlichen Ausgleich gekommen.

"Wir können uns nicht beschweren, der Leverkusener Sieg geht in Ordnung", gab Freiburgs Trainer Volker Finke zu, "allerdings haben wir es dem Gegner auch leicht gemacht und unnötige Tore zugelassen. Wir wissen, woran wir zu arbeiten haben." Trotz des dritten Sieges im dritten Spiel als Bayer-Coach und des Sprungs an die Tabellenspitze war Klaus Augenthaler nicht völlig zufrieden: "Ich habe noch viele Mängel gesehen, wir haben zu viele Chancen zugelassen."

Auf Platz zwei rangieren Hannover 96 nach dem 3:0 (1:0)-Sieg beim Hamburger SV und Werder Bremen, das in Berlin mit dem gleichen Ergebnis siegte. Hannover konnte erstmals seit 30 Jahren in Hamburg gewinnen. Vor 53.224 Zuschauern legten die Niedersachsen in der AOL-Arena einen guten Start hin und gingen durch Jiri Stajner bereits nach zehn Minuten in Führung. Thomas Brdaric (76.) und Mohmmadou Idrissou (79.) machten den Sieg perfekt. Damit verloren die Hamburger, die jüngst den Ligapokal gewonnen hatten, erstmals seit 13 Jahren ein Spiel zum Bundesliga-Auftakt.

"Mit nur 25 Minuten engagiertem Fußball kann man kein Spiel gewinnen. Wir haben die erste Halbzeit total verschlafen und verdient verloren", sagte der geknickte HSV-Trainer Kurt Jara nach der ersten Heimniederlage seit dem 24. August vergangenen Jahres. "An der ersten Halbzeit kann ich nur kritisieren, dass wir aus unseren vielen guten Kontern nicht mehr Kapital geschlagen haben", sagte 96-Coach Ralf Rangnick, "am Ende haben wir aber unsere Konter brillant abgeschlossen."

Beweglich: Ailtons Siegtänzchen im Berliner Olympiastadion
AP

Beweglich: Ailtons Siegtänzchen im Berliner Olympiastadion

Drei Tage nach der 0:4-Schlappe im UI-Cup beim SV Pasching rehabilitierte sich Werder Bremen zum Bundesliga-Auftakt mit einem überraschenden 3:0 (2:0) in Berlin. Ailton (18. und 65.) sowie Johan Micoud (21.) sorgten für den hohen Auswärtssieg der Bremer, die über schnelles Konter- und Kombinationsspiel zum verdienten Erfolg kamen. Die Gastgeber dagegen enttäuschten die 40.152 Fans im Olympiastadion auf der ganzen Linie. Herthas Spielmacher Marcelinho musste kurz vor der Halbzeit ausgewechselt werden. Im Krankenhaus wurde beim Brasilianer ein Bruch des Mittelfußes diagnostiziert.

Hertha-Coach Huub Stevens war nach dem Spiel restlos bedient: "Wenn ich alles ansprechen müsste, was schief gegangen ist, dann würde ich zwei Stunden reden. Alle Spieler waren Ausfälle - auch die Neuzugänge." Bremens Trainer Thomas Schaaf zog hingegen ein positives Fazit des Betriebsausflugs in der Bundeshauptstadt: "Die Mannschaft hat mit Herz und Begeisterung gespielt und letztlich Glück gehabt, dass die Arbeit durch Tore belohnt wurde."

Im 122. Revierderby zwischen Schalke und Dortmund gab es am Ende ein 2:2 (1:0)-Unentschieden. Trotz großer Personalprobleme und nach einem 0:2-Rückstand durch die Tore von Schalkes Neuzugang Hamit Altintop (39. und 58.) erkämpfte sich der BVB beim Erzrivalen noch einen Punkt. Vor 61.014 Zuschauern in der ausverkauften Arena "Auf Schalke" sorgten die eingewechselte Real-Leihgabe Flavio Conceicao (65.) und dessen brasilianischer Landsmann Marcio Amoroso (90.) für ein aus Dortmunder Sicht nicht mehr für möglich gehaltenes Remis. In der Nachspielzeit sah der Schalker Gerald Asamoah nach einer Tätlichkeit die Rote Karte.

Packendes Duell: Der BVB-Profi Lars Ricken (r.) attackiert Schalkes Doppeltorschützen Hamit Altintop
REUTERS

Packendes Duell: Der BVB-Profi Lars Ricken (r.) attackiert Schalkes Doppeltorschützen Hamit Altintop

"Meine Mannschaft hat streckenweise guten Fußball geboten. Klar, dass man unzufrieden ist, wenn man am Ende zwei Punkte verschenkt", sagte Schalkes neuer Trainer Jupp Heynckes nach seinem Bundesligadebüt auf der Bank der Gelsenkirchner, "es war es ein gutes Spiel mit hohem Tempo." Gewohnt kritisch äußerte sich BVB-Coach Matthias Sammer: "Wir haben in der ersten Halbzeit das Tempo von Schalke nicht mitgehen können. Man hat gesehen, dass personelle Substanz fehlte. Wir müssen uns am Ende an die eigene Nase fassen, auf Grund der Moral bin ich jedoch mit dem Punkt zufrieden."

Der 1. FC Kaiserslautern büßte bei der 0:1 (0:1)-Niederlage gegen 1860 München nicht nur drei Punkte ein, sondern mit Bill Tchato (Rote Karte nach einer Notbremse), Aleksander Knavs (Mittelhandbruch) und Hany Ramzy (Kreuzbandriss) auch sein Abwehr-Trio. Vor 35.629 Zuschauern wurden die Gastgeber durch das Tor von Markus Schroth (44.) kalt erwischt und übernahmen wegen des Drei-Punkte-Abzugs schon am 1. Spieltag die rote Laterne, die sie bereits in der vergangenen Saison bis weit in die Rückrunde in ihrem Besitz hatten. Die beste Chance für den FCK vergab Nationalstürmer Miroslav Klose, der in der 26. Minute einen an Vratislav Lokvenc verursachten Foulelfmeter an den Pfosten schoss.

Abseitstor beschert Wolfsburg den Sieg

"Ich bin sehr enttäuscht", gestand Kaiserslauterns Trainer Erik Gerets, "wir haben in der zweiten Hälfte noch einmal alles versucht und gekämpft, wie wir konnten, doch es hat nicht gereicht." Als "glücklichen Sieger" sah 1860-Coach Falko Götz seine Mannschaft: "Aber wer ein Tor mehr macht als der Gegner, hat den Sieg verdient. In der zweiten Halbzeit hatten wir große Konterchancen, und wir hätten das Spiel noch viel früher für uns entscheiden müssen."

Großes Glück hatte der VfL Wolfsburg. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Röber besiegte am Samstag vor 15.976 Zuschauern in der Volkswagen-Arena den VfL Bochum mit 3:2 (2:2). Die Niedersachsen waren durch Treffer von Pablo Thiam (9.) und Diego Klimowicz (14.) in Führung gegangen, doch Unaufmerksamkeiten in der Abwehr ermöglichten den Bochumern noch vor der Pause durch Peter Madsen (36.) und Frank Fahrenhorst (44.) das 2:2. Der Bulgare Martin Petrow (75.) stellte den ersten dreifachen Punktgewinn sicher - und stand dabei im Abseits.

Gladbach gewinnt rheinisches Duell

So sah es auch Bochums Trainer Peter Neururer: "Das 3:2 für Wolfsburg war abseits, aber so etwas passiert und kann letztlich keine Ausrede sein. Ich kann meine Enttäuschung nicht verhehlen. Wir waren nach 15 Minuten tot und haben dann durch eine ansprechende Mannschaftsleistung wieder ins Spiel gefunden. Wenn man dann mit leeren Händen da steht, ist das sehr bitter." Wolfsburgs Coach Jürgen Röber kritisierte die mangelde Konzentration seiner Spieler: "Wenn du am Anfang guten Fußball spielst und 2:0 führst, darfst du den Gegner nicht so aufbauen, wie wir es getan haben. Wir haben uns unnötig selbst in Bedrängnis gebracht."

Die 41. Bundesliga-Saison hatte der FC Bayern am Freitag mit einem 3:1 (3:0)-Sieg gegen Neuling Eintracht Frankfurt eröffnet. Vor 60.000 Zuschauern im Olympiastadion trafen Ze Roberto (16.), Hasan Salihamidzic (20.) und Claudio Pizarro (42.) für den Rekordmeister. Ervin Skela (68.) verkürzte zum 1:3. Am Sonntag setzte sich Borussia Mönchengladbach mit 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln durch. Vizemeister VfB Stuttgart gewann bei Hansa Rostock mit 2:0 (0:0).



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