Fußball-Bundesliga Bayern besiegen den Fluch

Bayern München hat einen deutlichen Heimsieg gegen Kaiserslautern gefeiert und steht nach anderthalb Jahren erstmals wieder an der Tabellenspitze. Und während auch Schalke seinen Höhenflug fortsetzte, stolperte Werder Bremen in Bielefeld. Marcelinho vermieste Jörg Berger den Einstand als neuer Rostock-Coach.


Jubelnde Bayern: Den Fluch besiegt
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Jubelnde Bayern: Den Fluch besiegt

Hamburg - Im Münchner Olympiastadion drehten die Bayern wie schon im letzten Spiel beim VfL Bochum einen Rückstand noch um. Thomas Riedl hatte die Pfälzer in der 7. Minute in Führung gebracht. Nach dem Ausgleich durch Claudio Pizarros vierten Saisontreffer (12.) erzielte Torsten Frings eine Viertelstunde später die Führung. Nach der Pause war es der junge Peruaner Paolo Guerrero, der mit seinem vierten Tor im vierten Bundesligaspiel für den 3:1 (2:1)-Endstand sorgte (64.) und den Rekordmeister nach 47 Spielen wieder an die Tabellenspitze schoss.

Sein Comeback im Münchner Trikot feierte Sebastian Deisler. Nach knapp fünfwöchiger Pause wurde der Nationalspieler in der 76. Minute für den englischen Nationalspieler Owen Hargreaves eingewechselt. "Es war schön, dass ich wieder dabei sein konnte", sagte Deisler, der sich nach leichten psychischen Problemen ärztliche Behandlung begeben hatte.

"Wir waren hinten nicht konsequent genug, und vorne haben wir zu viele Chancen ausgelassen", kritisierte Bayern-Coach Felix Magath. Zudem habe seine Mannschaft am Anfang nicht konzentriert genug gespielt. "Trotz des frühen Rückstands hat sich die Mannschaft aber nicht beeindrucken lassen und weiter das Spiel gemacht", so Magath. Für Gästetrainer Kurt Jara kam die Niederlage im Olympiastadion nicht unerwartet. "Bayern ist eine Mannschaft, die absolute Klasse hat. Nach unserer Führung haben sie das Tempo erhöht und das 2:1 gemacht, von da an war das Spiel gelaufen."

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Fußball-Bundesliga: Sitzen, Fliegen, Rücken biegen

Auch der FC Schalke 04 überzeugte und gewann beim bisher noch ungeschlagenen Bayer Leverkusen mit 3:0 (2:0). Ebbe Sand (27.) und der Brasilianer Ailton (37.) hatten das Spiel vor der Pause bereits entschieden. Lincoln traf in der 71. mit seinem fünften Saisontor zum Endstand. "Wir haben in den ersten 20 Minuten nicht in unser Spiel gefunden, waren schläfrig. Das Führungstor ist aus heiterem Himmel gefallen, aber meine Mannschaft hat sich danach enorm gesteigert", erklärte Schalkes Trainer Ralf Rangnick. Sein Gegenüber Klaus Augenthaler machte das erste Gegentor für die Niederlage verantwortlich. "Leider ist die Mannschaft nach dem Rückstand in sich zusammen gefallen."

Aufsteiger Arminia Bielefeld bleibt stärkster Neuling und besiegte in der heimischen Schüco-Arena sogar den Deutschen Meister Werder Bremen mit 2:1 (1:0). Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff hatte Fatmir Vata auf Vorlage von Delron Buckley zur Führung getroffen. Marco Küntzel erzielte in der 77. Minute das 2:0, Ivan Klasnic sorgte sechs Minuten später nur noch für den Anschlusstreffer. Bremens Angreifer Nelson Haedo-Valdez sah nach einer Notbremse kurz vor Schluss die Rote Karte.

"Wir sind alle glücklich, dass wir den Meister und Pokalsieger geschlagen haben. In der ersten Halbzeit hat man deutlich gesehen, dass wir Respekt hatten", sagte Bielefelds Trainer Uwe Rapolder. "In der zweiten Halbzeit ging es rauf und runter mit einem Chancenplus für uns, deshalb war der Sieg verdient." Thomas Schaaf zollte dem Gegner Respekt: "Bielefeld hat ein tolles Spiel geliefert, deshalb war der Sieg verdient. Insgesamt haben wir über 90 Minuten eine gute Partie gesehen mit allem, was ein Fußballspiel braucht", so der Werder-Coach.

"Nicht mit Glanz und Gloria gewonnen"

Einen lebenswichtigen Sieg feierten die angeschlagenen Borussen aus Dortmund. Der BVB gewann im Abstiegsduell gegen den SC Freiburg vor fast 80.000 Zuschauern trotz einer durchschnittlichen Leistung mit 2:0 (1:0). Für die Westfalen trafen die Abwehrspieler Markus Brzenska (3.) und Ahmed Madouni (81.). "Ich bin sehr ärgerlich. Wir haben eine schlechte erste Halbzeit gespielt. Nach dem Wechsel war es okay", sagte Freiburgs Coach Volker Finke. Erleichtert reagierte Bert van Maarwijk. "Wir haben unter schwierigen Umständen eine gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben gute Chancen gehabt und hätten das Spiel bis zur Pause entscheiden müssen", so der Dortmunder Trainer.

Der VfB Stuttgart bleibt nach einem 1:0 (0:0)-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach in den Uefa-Cup-Rängen. Für die Schwaben traf Nationalspieler Kevin Kuranyi nach 56. Minuten. Für Gladbach-Coach Dick Advocaat war es im dritten Spiel die erste Niederlage. "Wir haben Probleme gehabt, ins Spiel zu kommen. Wir haben nicht mit Glanz und Gloria gewonnen, aber die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt", erklärte Stuttgarts Trainer Matthias Sammer, "ich denke, der Sieg ist verdient." Advocaat sagte, es sei keine Schande, in Stuttgart zu verlieren. "Aber die Niederlage war nicht nötig."

Neururer denkt an persönliche Konsequenzen

Berliner Brasilianer Marcelinho: Ausgleich in letzter Sekunde
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Berliner Brasilianer Marcelinho: Ausgleich in letzter Sekunde

Auch der FSV Mainz 05 siegte. Gegen den VfL Bochum traf da Silva schon nach 19 Minuten mit einem herrlichen Linksschuss von der Strafraumgrenze. Für Gästetrainer Peter Neururer wird die Luft nach drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen und Tabellenplatz 16 langsam dünn. "Ich bin zutiefst enttäuscht. In der ersten Halbzeit haben wir nicht stattgefunden. Der Halbzeitstand war mehr als schmeichelhaft für uns", erklärte Neururer.

Offenbar erwägt der Trainer sogar, Konsequenzen zu ziehen. "Ich gehöre zur Mannschaft. Ich habe drei Jahre mit ihr gewonnen, jetzt verliere ich mit ihr. Wenn es weiter solche desolaten Leistungen geben sollte und ich keinen Einfluss mehr habe, dann bin ich fehl am Platz. Dann werde ich die Konsequenzen ziehen und den Präsidenten um ein Gespräch bitten", sagte der ratlose Coach nach dem Spiel.

FSV-Trainer Jürgen Klopp hingegen bemühte überschwänglich eine Metapher, um die Leistung seines Teams zu würdigen: "Ich kann der Mannschaft nur danken, denn sie hat ein Feuerwerk abgebrannt und 90 Minuten Riesenfußball gespielt.

Marcelinho hat Jörg Berger einen gelungenen Einstand als Trainer bei Hansa Rostock verhagelt. Der Berliner Brasilianer traf in der Nachspielzeit noch zum 1:1 (0:1)-Endstand für die Hertha. Der Schwede Thomas Rasmussen hatte Rostock in der 36. Minute in Führung gebracht. Berger reagierte geschockt: "Das ist schon tragisch". Das Ergebnis gehe jedoch in Ordnung, räumte er ein. Seine Spieler hätten sich aber als Mannschaft gezeigt. "Sie hat streckenweise gut Fußball gespielt, und man kann auf diesem Spiel aufbauen. Die Mannschaft hat sich rehabilitiert." Hertha-Trainer Falko Götz war glücklich über den Last-Minute-Punkt, hoffte aber auf weniger Stress in der Zukunft: "Vielleicht tun wir uns nächste Woche auswärts wieder leichter."



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