Bayerns später Sieg gegen Gladbach Über die Ziellinie gewuchtet

Mönchengladbach hatte die müden Bayern am Rand einer Niederlage, doch dann traf Goretzka kurz vor Schluss. Der Jubel zeigte: Die Münchner sind heilfroh, dass keine Spannung im Meisterschaftskampf mehr aufkommt.
Torschütze Leon Goretzka (Mitte) feiert mit Vorlagengeber Benjamin Pavard (l.)

Torschütze Leon Goretzka (Mitte) feiert mit Vorlagengeber Benjamin Pavard (l.)

Foto: POOL/ REUTERS

Statistik des Tages: 55 Prozent Ballbesitz hatten die Gäste aus Mönchengladbach in den ersten 45 Minuten. Ohne Robert Lewandowski und Thomas Müller fehlte den Bayern die offensive Selbstverständlichkeit, die Gladbacher zogen ihre Spielidee ohne Angst durch. Dazu wirkten die Müncher nach dem schwer erkämpften Pokalsieg gegen Eintracht Frankfurt in Kopf und Beinen müde. Dies mündete in der ersten Münchner Ballbesitz-Unterlegenheit zur Halbzeitpause seit April 2012 gegen den VfB Stuttgart.

Das Ergebnis: Der FC Bayern hat Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1) glücklich besiegt und steht mit sieben Punkten Vorsprung bei drei ausstehenden Partien vor der achten Meisterschaft in Folge. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: zwei Fehler, zwei Tore. Erst spielte Gladbachs Torhüter Yann Sommer Münchens Joshua Zirkzee den Ball vor dem 1:0 in die Füße (26.), dann grätschte Benjamin Pavard eine Hereingabe von Patrick Herrmann ins eigene Netz (37.). Dazu vergaben Lucas Hernández auf der einen (24.) und Breel Embolo (25.) auf der anderen Seite hochkarätige Torchancen in einem munteren Spitzenspiel. Das Fehlen des Topscorers Alassane Pléa und das frühe verletzungsbedingte Aus für Marcus Thuram war bei den Gästen nicht spürbar.

Die zweite Hälfte: Die Mannschaft von Coach Marco Rose hatte gemerkt, dass die Bayern schlagbar waren und sie setzte die Defensivreihe des Gegners mit starkem Pressing unter Druck. Die Folge waren Fehler der einen und Chancen der anderen: Gleich viermal hatten die Gäste in den ersten zehn Minuten die Möglichkeit zur Führung, die Münchner kamen erst in der 66. Minute durch Serge Gnabry wieder zu einer gefährlichen Situation. Dieses Mal klärte Sommer gegen den verdeckten Schuss glänzend. Kurz vor dem Ende ließ Oscar Wendt Pavard aus den Augen und dessen Pass drückte Leon Goretzka über die Linie (86.) - großer Jubel und Erleichterung bei den Bayern. In der 89. Minute war es Stindl, der die letzte Gelegenheit für Gladbach vergab.

Der Cuisance-Faktor: Hohn und Spott ergießen sich regelmäßig aus dem Gladbacher Fanlager über den 20 Jahre alten Franzosen, wenn er mal wieder nur zu einem Kurzeinsatz bei den Bayern kommt. 2019 war er unter reichlich Tamtam von der Borussia nach München gewechselt, nachdem ihm eine geforderte Stammplatzgarantie verweigert wurde. Bayern-Trainer Hansi Flick ließ ihn gegen seinen alten Klub von Beginn an ran und Cuisance zeigte eine unauffällige Leistung trotz zweiter guter Torgelegenheiten in der 11. (Direktabnahme) und 39. Minute (Kopfball). Ein Stammplatz beim FC Bayern bleibt in weiter Ferne.

Eberl auf der Tribüne: Gladbach-Manager und Ex-Bayern-Spieler Max Eberl (ein Einsatz 1993) hatte am vergangenen Wochenende als erster Offizieller die Rote Karte auf der Bank gesehen und durfte so das Spiel nur von der Tribüne verfolgen. "Wenn es nach so einer überragenden Saison am Ende nicht klappen sollte mit der Champions-League-Qualifikation, würden wir alle uns erst einmal ärgern", hatte Eberl dem SPIEGEL im Interview vor dem Spiel gesagt. Nach diesen 90 Minuten dürfte der Ärger schon einmal groß sein. Die Gladbacher waren das letzte Bundesligateam, das die Bayern schlagen konnte und sie waren nahe dran, diesen Coup zu wiederholen.

Rekord-Österreicher: David Alabas 264. Einsatz in der Bundesliga war ein besonderer: Er zog mit dem bisherigen Rekordhalter Andreas Herzog gleich, der bislang als Österreicher mit den meisten Einsätzen in Deutschlands höchster Liga rangierte. Ob über den Sommer 2021 hinaus noch weitere Spiele dazukommen, ist noch nicht sicher. Die Vertragsverhandlungen zwischen dem FC Bayern und dem 27 Jahre alten Abwehrspieler sind noch nicht in einer Verlängerung gemündet.

Ausgerechnet Bremen: Nachdem man mit Mönchengladbach den Erzfeind aus den Siebzigern bezwingen konnte, geht es für die Bayern nun zum alten Rivalen aus den Achtziger- bis Nullerjahren, Werder Bremen. Dort müssen die Bayern also nicht gegen einen verzweifelt gegen den Abstieg kämpfenden Gegner um den Erhalt ihres geschwundenen Vorsprungs bangen, sondern sind in der Position, am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de) ihre 30. Deutsche Meisterschaft fix zu machen. Mit schweren Beinen, aber dann wieder mit Lewandowski und Müller auf dem Platz. Vom Torrekord - neun Treffer fehlen noch zur Bestmarke von 101 Treffern aus der Saison 1971/1972 - möchte man nach der heutigen Leistung nicht sprechen.

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