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Der FC Bayern im Tief: Den Rhythmus verloren

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Bayerns Niederlage gegen Dortmund Probleme mit dem ABC

Die Niederlage gegen Dortmund hat den FC Bayern getroffen. Die Spieler übten nach dem 0:3 Selbstkritik, Trainer Josep Guardiola beklagte mangelnden Rhythmus. Mit Blick auf die Halbfinals in Pokal und Champions League müsse er "einen Trick finden".
Von Sebastian Winter

Josep Guardiola ist schon öfter sehr offen gewesen im Gespräch. Bayern München hatte das erstmals erlebt, als der neue Trainer aus Spanien im vergangenen Sommer im Trainingslager am Gardasee den mittlerweile schon berühmten Satz sagte: "Thiago oder nix."

Jetzt, nach der verstörenden 0:3-Heimniederlage gegen Dortmund, wurde Guardiola gefragt, ob seine Mannschaft den Rhythmus verloren habe. "Ja, wir haben den Rhythmus verloren", sagte er. Punkt.

Und dann ließ er wissen, wie sehr ihm dieser Zustand missfällt: "Das macht mir Sorgen. Ich muss einen Trick finden, dass wir immer wieder in unseren Rhythmus kommen. Das ist kein taktisches Problem, kein Problem der Kondition. Wir müssen die Basis, das ABC, wieder hinbekommen. Wir müssen viel trainieren."

Guardiola ist ein Gentleman, er erklärte dann noch, wie phantastisch die Bayern in dieser Saison und auch der letzten Spielzeit unter Jupp Heynckes gespielt hätten, wie sehr er die Mannschaft schätze. Zugleich hat er großen Respekt vor dem Tief, in dem sich die Bayern gerade befinden. 3:3 gegen Hoffenheim, 0:1 in Augsburg, der Zittersieg gegen Manchester. Dazu die Pleite im Prestigeduell, das die eigenen Fans in der ausverkauften Arena mit Pfiffen quittierten.

Und bei dem die meisten Spieler so sehr neben sich standen wie noch nie in dieser Saison.

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Bayern in der Einzelkritik: Lahm der ganz falsche Sechser

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Guardiola und die Bayern erleben gerade emotionsgeladene Wochen. Der erste, sehr frühe, deutsche Meistertitel des neuen Trainers, der Einzug ins Halbfinale der Champions League, nach dem Guardiola so erleichtert war wie nie zuvor in seiner Zeit in München. Kommenden Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky) das Pokal-Halbfinale gegen Kaiserslautern, dann das Duell gegen Real Madrid in der Champions League, Guardiolas und Bayerns Erzrivalen.

Auf diese Alles-oder-nichts-Spiele müssen sie sich in einem Wettbewerb vorbereiten, in dem es für sie um nichts mehr geht. "Wir hatten das Highlight unter der Woche, der Druck in der Liga ist nicht mehr da", sagte der eingewechselte Thomas Müller, der sehr angefressen wirkte: "Das ist wie ein kleiner Brandbeschleuniger, der fehlt. Wir haben einfach nicht den letzten Willen gehabt, den man gegen Dortmund braucht."

Einerseits ist das allzu menschlich, Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer sagte nach der Partie, "da stehen keine Roboter auf dem Platz, keine Maschinen. Ich habe absolutes Verständnis für das Spiel".

Andererseits stellt sich die Frage, warum die Bayern es versäumten, das Spiel gegen Dortmund als einen der letzten großen Leistungstests vor dem Saisonfinale zu sehen, vor Madrid.

Guardiola hatte ja auch seine besten Spieler aufgestellt. Doch die Abwehr um Dante und Javier Martínez agierte stümperhaft, das Mittelfeld ideenlos, Stürmer Mario Mandzukic blieb im Schatten des Dortmunder Abwehrbollwerks. Die Mannschaft wirkte fahrig, fehlerhaft, mit den Gedanken woanders. Fast ausnahmslos. Gegen die extrem hohe Dortmunder Verteidigung fanden sie kein Mittel.

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BVB in der Einzelkritik: Wachhund Großkreutz, unterbeschäftigter Weidenfeller

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Die Bayern betonen seit Wochen, dass die Bundesliga jetzt zweitrangig sei. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist Guardiolas Angst davor, dass tatsächlich der Faden verlorengegangen ist. Dass ihn die Mannschaft nach eineinhalb Jahren voller Erfolge nun nicht mehr findet.

Vergangene Saison hatte sie im Frühjahr einfach weitergewonnen nach der Meisterschaft, eine Negativserie wie jetzt gab es nicht. Und auch nicht eine solch bedrückte Stimmung wie nach dem Dortmund-Spiel. "Wir sollten unseren Fans etwas anders bieten, als zu Hause 3:0 zu verlieren. Ich weiß gar nicht, wann ich überhaupt mal 3:0 verloren habe", sagte Müller geknickt.

Man könnte sagen, dass Guardiolas Reifeprüfung im ersten Jahr genau jetzt beginnt. Er muss nun den Krisenmanager geben, in einer Zeit, in der er keine Krise gebrauchen kann. Eine solche Situation hatte er in München noch nicht zu meistern.

"Nach Berlin haben wir puff…", sagte Guardiola nach dem Spiel noch und zeigte mit der Hand steil nach unten. Ein Absturz nach der Meisterschaft also. "Jetzt müssen wir wieder…", Guardiolas Hand schwang schnell nach oben. Er brauchte kein gutes Deutsch, um die Realität zu veranschaulichen. Und er dürfte seine Suche nach einem Trick schon begonnen haben, den brauchen die Bayern nun dringend.

Bayern München - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
0:1 Mchitarjan (20.)
0:2 Reus (49.)
0:3 Hofmann (56.)
München: Neuer (46. Raeder) - Rafinha, Martínez, Dante, Alaba - Lahm, Schweinsteiger - Robben (69. Toni Kroos), Götze, Ribery (60. Thomas Müller) - Mandzukic
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Sokratis, Hummels (70. Manuel Friedrich), Durm - Kehl, Sahin - Hofmann (62. Lewandowski), Reus, Mchitarjan - Aubameyang (76. Jojic)
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Rafinha nach einer Tätlichkeit (90.+1)
Gelbe Karten: Martínez (2), Toni Kroos (5) - Hofmann, Mchitarjan (6)
Torschüsse: 15:9
Ecken: 12:2
Ballbesitz: 65:35 Prozent

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